Knall bei der Kelsag: Präsident Germann Wiggli und zwei Verwaltungsräte verlieren ihre Posten

An der Generalver­sammlung der Kehricht- besei­tigung Laufental-Schwarzbubenland AG in Metzerlen wurde die Mehrheit des Verwaltungsrats klar abgewählt. Der neue Präsident ist in der Region Basel nicht unbekannt.

Abstimmung: An der Generalversammlung wurde die Vertrauensfrage gestellt. Foto: Bea Asper
Abstimmung: An der Generalversammlung wurde die Vertrauensfrage gestellt. Foto: Bea Asper

Die Quittung der Aktionärsgemeinden der Kehrichtbeseitigung Laufental-Schwarzbubenland AG (Kelsag) an der Generalversammlung am Mittwochabend in Metzerlen fiel deutlich aus: Mit jeweils rund zwei Dritteln der Stimmen wählten sie den altgedienten Verwaltungsratspräsidenten Germann Wiggli und die beiden langjährigen Verwaltungsräte Josef Christ und Daniel Haussener ab. Zusammen gehörten die drei Männer dem Verwaltungsrat der Kelsag 86 Jahre lang an.

An ihre Stelle treten Franz Saladin, Christian Thalmann und Hubert Hänggi, die alle mit einem guten Resultat in den Kelsag-Verwaltungsrat gewählt wurden. Die Vertreterinnen und Vertreter der 32 Aktionärsgemeinden ernannten Franz Saladin zudem zum neuen Verwaltungsratspräsidenten. Der frühere Direktor der Handelskammer beider Basel wird schon bald seine erste Sitzung als neuer Verwaltungsratspräsident des Unternehmens mit Sitz in Liesberg leiten.

Gang durch die Instanzen bis vor Bundesgericht

Die Abwahl des Verwaltungsratspräsidenten Wiggli und der Verwaltungsräte Christ und Haussener ist eine Folge langjähriger Unstimmigkeiten zwischen dem Kelsag-Verwaltungsrat und einiger Aktionärsgemeinden. Diese gipfelten in einer gerichtlichen Auseinandersetzung, die den Verwaltungsrat und die drei Gemeinden Brislach, Liesberg und Duggingen bis vor Bundesgericht führte.

Die drei Gemeinden sahen bei der schriftlich durchgeführten Kelsag-Generalversammlung des Jahres 2020 ihre Antragsrechte verletzt und klagten. Nachdem die Gemeinden vor Amtsgericht gewonnen hatten, zog der Verwaltungsrat der Kelsag das Urteil vor das Baselbieter Kantonsgericht und letztlich bis vor Bundesgericht. Auch dieses gab den Gemeinden recht: Der Verwaltungsrat hatte die Antragsrechte verletzt. Wie an der Versammlung am Mittwochabend zu erfahren war, kostete die gerichtliche Auseinandersetzung die Kelsag rund 300000 Franken.

Der Röschenzer Gemeindepräsident Holger Wahl erklärte in der Allmend­halle, er habe sich gewünscht, dass der Verwaltungsrat aus eigenen Stücken die Konsequenzen gezogen hätte. Da es jedoch zu keinen Rücktritten kam, lag es an den Aktionärsgemeinden, über die Zukunft von Verwaltungsratspräsident Wiggli und den beiden Verwaltungsräten Christ und Haussener zu entscheiden. Ein Antrag zu deren Abwahl war von den Gemeinden Brislach, Liesberg und Duggingen gestellt worden. Dass sich ­jedoch nicht nur diese drei Ortschaften eine Veränderung wünschen, zeigte die deutliche Abwahl. Nachdem die Stimmzettel mit Urnen eingesammelt worden waren, musste Versammlungsleiter Germann Wiggli persönlich verkünden, nicht mehr das Vertrauen der Versammlung zu geniessen. Von den bisherigen Mitgliedern des Verwaltungsrats ver­bleiben hingegen Christian Schlatter und Franz Meyer im Amt. Sie waren von den drei Gemeinden nicht zur Abwahl vorgeschlagen worden.

Kandidaten der Kelsag hatten keine Chance

Zu ihnen gesellen sich ab sofort drei neue Kollegen. Der frischgebackene Verwaltungsratspräsident Franz Saladin sagte nach seiner Wahl, es brauche nun «Ruhe, Transparenz und Vertrauen». Vor allem die mangelnde Transparenz war dem ­abgewählten Kelsag-Verwaltungsratspräsidenten Wiggli immer wieder vorgeworfen worden. So monierten einige Aktionärsgemeinden, ihnen sei nicht klar, wie hoch die Honorare der Verwaltungsräte seien. Möglich, dass sich dies durch die neuen Mitglieder ändern wird.

Obwohl die Mehrheit des fünfköpfigen Verwaltungsrats ausgetauscht wird, bleibt dieser ein reines Männergremium. Die drei eigenen Kandidierenden der Kelsag, die in den Verwaltungsrat gewählt worden und bis zu den regulären Neuwahlen im kommenden Jahr von den Kollegen eingearbeitet worden wären, hatten keine Chance. Neben dem Fehrener SVP-Nationalrat Christian Imark waren dies zwei Frauen: Margareta Bringold und Andrea Meppiel. Sie alle schafften die Wahl klar nicht.

Die wohl wichtigste Aufgabe des neuen Verwaltungsrats wird es sein, wieder Ruhe in den Betrieb zu bringen. Die Kelsag existiert seit dem Jahr 1976 und sammelt in 32 Gemeinden im Laufental, Schwarzbubenland und in der jurassischen Gemeinde Ederswiler den Hauskehricht ein.

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