«Ich bin sein Freund und Berater»

Durch das Salute-Programm des Roten Kreuzes Baselland lernte Philipp Oberli den Syrer Samer Tahhan kennen. Was mit Konversationstraining begann, entwickelte sich schnell zu einer engen Freundschaft.

Freunde geworden: Philipp Oberli und Samer Tahhan beim Besprechen eines Formulars in Samers Garten.  Foto: Fabia Maieroni
Freunde geworden: Philipp Oberli und Samer Tahhan beim Besprechen eines Formulars in Samers Garten. Foto: Fabia Maieroni

Nachdem er sich hatte frühpensionieren lassen, merkte Philipp Oberli schnell, dass er seine neugewonnene Zeit gerne in ein soziales Projekt investieren würde. Beim Roten Kreuz Baselland stiess er auf das Programm Salute, bei dem Freiwillige Flüchtlingen und Migranten im Alltag helfen. «Das Schöne dabei ist, dass man zwar eine Aufgabe hat, aber nicht fest eingebunden ist», sagt Oberli. Besondere Auflagen muss man als Freiwilliger nicht erfüllen. «Grundsätzlich kann sich jeder und jede für die Freiwilligenarbeit melden, der oder die bereit ist, mindestens für sechs Monate eine Familie oder eine Einzelperson zu unterstützen», sagt Imma Mäder, Einsatzvermittlerin vom Roten Kreuz Baselland. Mindestens einmal alle zwei Wochen solle der Kontakt allerdings gesucht werden, in der Kennenlernphase lieber etwas öfter, um das Vertrauen aufzubauen. Der Einsatz lohne sich dann auch für beide Seiten, betont Imma Mäder. «Das Tolle am Programm Salute ist, dass beide Seiten vom kulturellen Austausch profitieren.»

Vom Konversationspartner zum Freund

Der Freiwillige Philipp Oberli wurde an Samer Tahhan vermittelt, einen Syrer Mitte Dreissig, der vor zwei Jahren aus dem Libanon in die Schweiz fliehen musste. Schnell wurden aus den beiden Männern Freunde. «Samer und ich verstehen uns bestens, wir vertrauen uns gegenseitig und können auf Augenhöhe miteinander über Probleme sprechen. Ich bin sein Freund und Berater», sagt Oberli. Zu Beginn war der Reinacher Samers Konversationspartner, denn der Syrer wollte möglichst schnell Deutsch lernen. Samer machte allerdings so schnell Fortschritte, dass das Deutschtraining bald nicht mehr nötig war. «Wir treffen uns jetzt zum Plaudern bei Kaffee und Kuchen. Philipp hilft mir auch ab und zu beim Ausfüllen von Formularen», erzählt der 33-jährige Syrer. «Ich helfe, wo ich kann. Samer bestreitet sein Leben hier aber alleine. Man darf sich das nicht so vorstellen, dass ich ihm auch beim Einkaufen oder Waschen helfe», lacht Philipp Oberli.

Hilfe bei der Wohnungssuche

Besonders bei der Wohnungssuche stand Oberli dem jungen Syrer zur Seite. Über 150 Bewerbungsformulare hat der gelernte Bäcker-Konditor ausgefüllt, überall erhielt er eine Absage. «Sobald meine Frau oder ich am Telefon erwähnten, dass Samer aus Syrien stammt, erhielten wir eine Absage», sagt Philipp Oberli. Einmal wetterte eine Wohnungsvermieterin am Telefon, Samer solle doch nach Syrien zurückkehren und endlich den Krieg dort beenden anstatt in der Schweiz eine Wohnung zu suchen. «Dies war zwar eine extreme Reaktion, aber der Grundtenor war überall so negativ.» Vor kurzem klappte es dann endlich: Der Syrer konnte in seine 1-Zimmer-Gartenwohnung in Arlesheim ziehen.

Unterstützung beim Umzug erhielt er von den Oberlis, die ihm unter anderem auch halfen, die neuen Möbel in der Brockenstube abzuholen. «Ich fühle mich in meiner neuen Wohnung sehr wohl. Die Leute in Arlesheim sind freundlich zu mir, dennoch fühle ich mich auch oft einsam», sagt Tahhan, der alleine in die Schweiz eingereist ist. «Meine Eltern wohnen in Aleppo und haben oft keine Telefon- oder Internetverbindung. So höre ich nur selten etwas von ihnen.» Aber trotz aller Schwierigkeiten will Tahhan nun in der Schweiz noch einmal richtig durchstarten. Sein erstes Ziel ist es, eine Lehrstelle als Bäcker-Konditor-Confiseur zu ergattern, denn seine Ausbildung wird in der Schweiz nicht anerkannt. Kaum zu glauben, denn wer Samer Tahhans süsse Kunstwerke betrachtet, erkennt sofort, dass er es mit einem Profi zu tun hat, der eigentlich keine Lehre mehr braucht. «Ich will alles geben und zeigen, was ich kann, damit ich meinen Beruf wieder ausüben kann», sagt er. Philipp Oberli wird ihn dabei weiter unterstützen.

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