Gempenstrasse: Gemeinden wollen ein Tempolimit

Motorradfahrer und Autoposer nahmen die Passstrasse von Dornach nach Gempen bei schönem Wetter zuletzt vermehrt in Beschlag. Die beiden Dörfer leiden unter dem Lärm und wollen nun beim Kanton vorsprechen.

Nicht nur für den alltäglichen Verkehr eine wichtige Achse: die Gempenstrasse. Foto: Kenneth Nars
Nicht nur für den alltäglichen Verkehr eine wichtige Achse: die Gempenstrasse. Foto: Kenneth Nars

An heissen Sommertagen erinnern die Szenen am Gempen manchmal an einen Grand Prix. Die einzige Passstrasse vor den Toren Basels ist bei Motorradfans und Autoposern gleichermassen beliebt. Grosse Gruppen würden jeweils auffahren, erzählt die Gempner Gemeindepräsidentin Eleonora Grimbichler. An schönen Augusttagen kämen die Motorradgruppen täglich und liessen die Motoren teils bis spätabends aufheulen. Die Familie Grimbichler zählt auf dem Gempen zu den Leidtragenden.

An verschiedenen Fronten machen die Grimbichlers auf die Problematik aufmerksam, die schon seit Jahren anhält. Diesen Frühling reichte Michael Grimbichler (Mitte) – der Mann der Gemeindepräsidentin – im Solothurner Kantonsrat eine Interpellation ein. «Diese Strecke verleitet einige Töff- und Autoposer dazu, die Strecke als Hobbyrennstrecke zu benutzen», schildert er die Situation auf der Gempenstrasse. Gerade an schönen Sommertagen und -abenden sei der Lärm fast unerträglich. «In den Kurven werden teilweise Liegestühle aufgestellt, um das Schauspiel zu begutachten.» Die Geschwindigkeitsänderungen vor und nach jeder Kurve würden die Lärmbelastung verstärken. Um diese zu verringern, brauche es auf der Strecke ein durchgehend tieferes Geschwindigkeitslimit, fordert Grimbichler.

Tempolimit stand auch schon zur Debatte

Nicht nur an der Strecke sorgt das Phänomen Gempenstrasse für Ärger. «Ebenso entstehen Treffpunkte in Gempen und Dornach, wo zeitweise das Brummen durch nicht abgestellte Motoren weiteren Lärm verursacht», schreibt der Mitte-Kantonsrat.

Über eine Tempolimite auf der Gempenpassstrasse wurde in der Vergangenheit schon verschiedentlich debattiert. Der Kanton Solothurn verwarf 2021 eine Temporeduktion von 80 auf 60 Kilometer pro Stunde. Notorische Schnellfahrer und Raser würden dadurch nicht abgeschreckt, begründete er. Das riskante und rechtswidrige Verhalten Einzelner sei kein Grund, die Geschwindigkeit herabzusetzen.

Tödliche Unfälle sind keine Seltenheit

Auch für den Dornacher Gemeindepräsident Daniel Urech ist die Verkehrssituation am Gempen ein Dauerthema. Obwohl der Kanton vor ein paar Jahren keinen Grund sah, zu handeln, wollen die Gemeinden nun neuen Druck ausüben. «Wir werden prüfen, ob wir gemeinsam mit Gempen beim Kanton vorstellig werden sollen», sagt Urech.

Er könnte sich vorstellen, noch einmal ein Tempolimit von 60 Kilometern pro Stunde zu fordern. Es gehe dabei nicht bloss um die Lärmemissionen, sondern auch um die Sicherheit auf der Strasse. Auf den alljährlichen Unfallrapporten, die er als Gemeindepräsident erhalte, sei gut zu sehen, dass die Gempenstrasse ein Unfallhotspot ist. «Das ist auch für unsere Rettungsdienste belastend», sagt der Grüne.

Wie die Solothurner Kantonspolizei auf Anfrage der bz schreibt, ereigneten sich in den letzten zehn Jahren jeweils zwischen 7 und 15 Verkehrsunfälle auf der Gempenstrasse. Unvergessen ist etwa der schwere Unfall im Juni 2019, bei dem ein Velofahrer von einem Sportwagen angefahren und schwer verletzt wurde. Tödliche Autounfälle gab es in den Jahren 2021 und 2022.

Fälle von illegalen Rennen auf der Gempenstrasse seien der Kantonspolizei nicht bekannt, schreibt sie. Mit Verkehrskontrollen versuche die Solothurner Kantonspolizei immer wieder, abschreckende Wirkung zu erzielen. Die Gempenstrasse gehöre zu den neuralgischen Punkten. Im Kurvenbereich kämen dabei auch immer wieder Laserpistolen zum Einsatz, um Schnellfahrer zu entlarven.

Die Solothurner Regierung gab sich in ihrer Antwort auf die Interpellation von Michael Grimbichler eher bedeckt. Die Klagen aus der Bevölkerung, die sich durch den Verkehrslärm gestört fühle, hätten in den letzten Jahren zugenommen, schreibt sie. Tempolimiten würden die Lärmbelastung nachweislich senken, so der Kanton. «Der Effekt wird jedoch durch einzelne besonders lärmintensive Gruppen wie Töff- und Autoposer begrenzt.» Für die Gemeinden Dornach und Gempen eine gute Nachricht: Die Geschwindigkeit liesse sich auf der Passstrasse zum Gempen ohne Gesetzesänderung reduzieren. Der Bund erlaubt diese Massnahme bei gefährlichen oder durch übermässige Umweltbelastungen betroffenen Strassen.

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