«Eine grosse Ära geht zu Ende»

Vor dem Start der Playoffs beschäftigt Sm’Aesch die Frage, wie es ohne Präsident und Geldgeber Matthias Preiswerk in Zukunft weitergeht.

Wird künftig eine grössere Verantwortung tragen: Geschäftsführer Fabio Back. Foto: Kenneth Nars
Wird künftig eine grössere Verantwortung tragen: Geschäftsführer Fabio Back. Foto: Kenneth Nars

Am Samstag beginnt für Sm’Aesch die wichtigste Phase der Saison. Zum Start in die Playoffs steht ab 17.30 Uhr ein Heimspiel gegen Cheseaux an. Damit geht es gegen den Gegner, gegen den in der vergangenen Saison der Playoff-Viertelfinal verloren ging, was eine grosse Enttäuschung zur Folge hatte.

Unter dem neuen Trainer Sotiris Gkotsis hat Sm’Aesch in der Regular Season zwölf Punkte mehr geholt und diese auf Rang 3 abgeschlossen. Dennoch sind die Playoffs auch eine Zeit, in der sich Sm’Aesch von zwei langjährigen Vereinsgrössen verabschiedet. Nach 13 Jahren beendet Mittelblockerin Madlaina Matter, wie im April 2024 angekündigt, nach dieser Saison ihre Karriere.

Und auch Präsident und Geldgeber Matthias Preiswerk wird bei Sm’Aesch seine Funktionen abgeben. Bei der Teampräsentation vor der Saison im Oktober 2025 sagte der 65-Jährige im Gespräch mit dieser Zeitung: «Nach der Saison ist es an der Zeit, dass Jüngere übernehmen und der Klub breiter abgestützt ist. Mir ist wichtig, dass der Verein auch ohne mich funktioniert.»

Am Mittwoch hat Sm’Aesch kommuniziert, dass Preiswerk definitiv aus der GmbH austritt und durch den fünfköpfigen Vorstand um Fabio und Marco Back, den lokalen Unternehmer Fabian Eckenstein, Treuhänder Patrick Bellomo und die unterdessen in der Wirtschaft tätige Ex-Hochspringerin Salome Lang ersetzt wird.

Durch die Umstrukturierung trägt Geschäftsführer Fabio Back in Zukunft eine grössere Verantwortung. Im Interview erklärt der 30-Jährige die Pläne der neuen Führungscrew und blickt auch auf die anstehenden Playoffs voraus.

Mit welchen Ambitionen gehen Sie mit Sm’Aesch in die Playoffs?

Fabio Back: Die Vorfreude auf die wichtigste Phase des Jahres ist gross. Es ist etwas surreal, weil die Saison gefühlt erst vor kurzem angefangen hat und es jetzt schon wieder um den Titel geht.

Vor einem Jahr ging Sm’Aesch als Vierter in den Viertelfinal gegen Cheseaux, der nach drei Spielen dann mit 1:2 verloren ging. Jetzt hat Sm’Aesch die Chance auf Revanche.

Wir benötigen zwei Siege, um in den Halbfinal einzuziehen und unser Saisonziel Top 4 zu erreichen. Diese Saison gehen wir mit mehr Selbstvertrauen in den Viertelfinal, was mich zuversichtlich stimmt. Ausserdem konnten wir in der Regular Season zweimal 3:0 gegen diesen Gegner gewinnen. Der Ausgang des Duells mit Cheseaux entscheidet mit, wie die Saison schlussendlich in Erinnerung bleibt. Darum ist bereits jetzt ein Kribbeln spürbar.

Trotz Top 4 als offizielles Ziel sollte in Anbetracht der Leistungen in der Hauptrunde, als Sm’Aesch nur zweimal gegen Neuchâtel und je einmal gegen Düdingen und Schaffhausen ein Spiel verlor, der Finaleinzug angestrebt werden. Oder nicht?

Im Büro der Geschäftsstelle hängt ein Plakat, auf dem «Road to the Finals» steht. Ich teile Ihre Einschätzung, und wir sind genug ambitioniert, dass wir sagen können: Wir wollen in den Final.

Serienmeister Neuchâtel ist aber eine Nummer zu gross.

Ich denke immer wieder an einen Slide-Angriff von Brianna Green bei Satzball, den wir im ersten Duell mit NUC in dieser Saison hatten und der an der Netzkante hängen blieb. Hätten wir diesen Satz gewonnen, wäre das Spiel offen gewesen. Es fehlt nicht viel, aber wir brauchen einen sehr guten Tag, und NUC müsste auch schwächeln, damit wir sie besiegen können. Doch wir haben das Potenzial, um sie zumindest zu ärgern.

Ist Sm’Aesch in dieser Saison stärker als in der vergangenen, weil die Ausländerinnen besser performen?

Wir haben definitiv mehr Qualität im Kader als in den vergangenen Jahren. Bisher ist es uns jedoch noch nicht gelungen, diese Top-Performance über längere Zeit abzurufen. Ich hoffe, dass uns die Playoffs genau diesen Push geben, damit wir an unserem Limit spielen können.

Greifen Sie da als Geschäftsführer auch motivierend ein?

Wir vertrauen den Spielerinnen und dem Coaching-Team, mit dem wir in engem Austausch sind. Auch eine Mentaltrainerin hilft uns am Donnerstag mit einem zweistündigen Workshop. Sie zeigt uns auf, wie wir mit Druck umgehen und uns gegenseitig als Team unterstützen können. Ausserdem werden wir am Tag der Playoff-Spiele zusätzlich vorher jeweils zusammen essen gehen – für eine ideale Ernährung, aber auch für den Teamspirit.

Welche Rolle spielt es, dass Matter nach 13 Jahren Sm’Aesch nach dem letzten Playoff-Spiel ihre Karriere beenden wird?

Madlaina Matter hat uns signalisiert, dass sie Sm’Aesch in irgendeiner Form, sei es als Vorstand oder Teamärztin, erhalten bleiben wird. Sie ist dank ihrem Herzblut und ihrer Leidenschaft eine Identifikationsfigur, ein absolutes Vorbild und seit Jahren das Gesicht dieses Teams. Dementsprechend ist die Lücke riesig, die sie hinterlässt. Gleichzeitig ist es unsere Aufgabe, diese irgendwie zu schliessen.

Wer soll in die Bresche springen?

Es freut mich, dass wir mit der Baslerin Meret Aarden bereits eine Aussenangreiferin aus der Region unter Vertrag nehmen konnten. Sie lernte beim SC Gym Leonhard Volleyball spielen und hat den Weg über die NLB in Aarau zu uns gefunden und an ihrem 18. Geburtstag unterschrieben. Das ist eine schöne Geschichte. Auch Libera Livia Saladin bleibt weiter bei uns und kann in Zukunft Madlainas Rolle als Identifikationsfigur ausfüllen.

Welche Anekdoten aus sechs gemeinsamen Jahren bei Sm’Aesch bleiben Ihnen?

Madlaina war eine der ersten Personen, die ich angerufen habe, als klar war, dass ich Geschäftsführer von Sm’Aesch werde. Seither haben wir zusammen extrem viel bewegt. Madlaina ist eine Frau, die über den Tellerrand schaut und auf dem Feld und auch ausserhalb der Turnhalle für Sm’Aesch unfassbar viel geleistet hat.

Ausser Madlaina Matter verlässt auch Matthias Preiswerk den Verein, den er seit 2019 präsidierte. Was bedeutet sein Abgang?

Dass eine grosse Ära zu Ende geht. Wir sind natürlich extrem dankbar, dass er uns so lange unterstützt hat. Es ist alles andere als selbstverständlich, dass sich jemand über so viele Jahre und in einem so grossen Rahmen bei uns engagiert.

Preiswerk hat stets das finanzielle Defizit ausgeglichen und jedes Jahr eine sechsstellige Summe in den Klub investiert. Wie soll dieses Loch in Zukunft gestopft werden?

Die finanzielle Sicherheit, die wir in den vergangenen Jahren verdankenswerterweise hatten, fällt weg. Jetzt sind wir als Team im Vorstand gefragt, dass wir auch diese Lücke, so gut es geht, schliessen können – gemeinsam mit der ganzen Sportregion.

Seit Herbst 2025 hat Sm’Aesch fünf Vorstände. Welche Rollen werden die neuen Verantwortlichen übernehmen, die ab Juni auch juristisch die Sm’Aesch GmbH übernehmen?

Es freut mich, dass wir mit dem Treuhänder Patrick Bellomo, dem lokalen Unternehmer Fabian Eckenstein, der heute in der Versicherungsbranche arbeitenden ehemaligen Spitzensportlerin Salome Lang und meinem Bruder und Sportchef Marco Back ganz viel unterschiedliches Know-how und verschiedene Netzwerke zusammenbringen konnten. Wir sind auch offen, unser Team in Zukunft noch zu erweitern, um noch mehr Menschen an unserer pinken Bewegung teilhaben zu lassen.

Dennoch wird es kaum möglich sein, das Budget von rund 900000 Franken beizubehalten. Geht mit Preiswerk auch die Ambition, um Titel mitzuspielen?

Der Abgang wird wohl zu einer Budgetreduktion führen. Gleichzeitig haben wir in den vergangenen Jahren viele Partnerschaften abgeschlossen und haben weitere Privatpersonen als Gönner unter den Fans, die das Ganze etwas abfedern. Ich bin sehr optimistisch, dass wir das Projekt in einem ähnlichen Rahmen weiterführen können. Aber das Ganze steht und fällt mit der pinken Community. Wenn es uns gelingt, grössere Events auf die Beine zu stellen, mehr Fans zu gewinnen, mehr Tickets zu verkaufen und weitere Sponsoren und Gönner zu finden, können wir die pinke Bewegung so weiterführen. Das ist jetzt meine Aufgabe, Leute für Sm’Aesch zu begeistern.

Gibt es nicht immer weniger Menschen, die Geld spenden, ohne auf Profit aus zu sein?

Es wird eine Challenge. Aber ich glaube, dass wir Unterstützer finden, wenn wir weiter positive Geschichten schreiben und zeigen, dass dieser Verein viele Menschen bewegt. Für die Region ist es wichtig, dass es Spitzensport gibt. Denn das ist extrem inspirierend für junge Sportlerinnen und ein Mehrwert für die Gesellschaft. Ich denke, dass ich mit dieser Haltung rund um Aesch nicht alleine bin.

Preiswerk sagte im Oktober im Gespräch mit der bz, er könne sich vorstellen, Sm’Aesch weiter als Sponsor zu unterstützen. Ist diesbezüglich schon etwas spruchreif?

Matthias wird sicher Teil der Sm’Aesch-Familie bleiben – so, wie es auch sein Vorgänger Werner Schmid geblieben ist. Ich bin überzeugt, dass er auch weiter als Fan mit seiner Familie in die Halle kommen wird. Da sind auch die Grosskinder bereits in Pink eingekleidet.

Welche Auswirkungen hat der Wechsel im Vorstand auf die Kaderplanung?

Das Konzept, auf junge Schweizerinnen zu setzen und trotzdem sportlichen Erfolg zu haben, bleibt bestehen. Doch es ist jedes Jahr eine unglaubliche Gratwanderung. Ich verstehe die Kritik, wenn Leute sagen, sie seien manchmal nicht ganz sicher, was wir wirklich wollen. In einer idealen Welt können wir mit lokalen Spielerinnen, jungen Schweizerinnen und ausländischen Verstärkungsspielerinnen vorne mitspielen. Doch das ist eine Illusion. Konsequent ausbilden und um Titel spielen, ist in der Schweiz kaum möglich, da die Ausländerinnen oft besser sind als die einheimischen Spielerinnen. In der Tendenz werden wir wieder etwas mehr in Richtung junger Schweizerinnen gehen als in dieser Saison, als die Ausländerinnen sehr viel Spielzeit beanspruchten. Dennoch weichen wir nicht von unseren sportlichen Ambitionen ab.

Auch mit reduziertem Budget kann man in der Schweiz erfolgreich sein, was in dieser Saison Ex-Trainer Timo Lippuner mit dem Cupfinal-Einzug mit dem zweitklassigen Aarau gezeigt hat.

So ist es. Auch Thun wird in der Super League wohl Meister, ohne das Geld der Konkurrenz zu haben. Mit sehr viel Leidenschaft, Feuer und Begeisterung für ein Projekt ist im Sport unglaublich viel möglich.

Können Sie schon sagen, welche Spielerinnen kommende Saison in Pink spielen werden?

Da läuft im Moment so viel, dass wir wohl einen Liveticker einrichten müssten. Unser Fokus liegt im Moment auf der Verpflichtung von starken lokalen Spielerinnen. Die offenen Positionen füllen wir mit Verstärkungsspielerinnen aus dem Ausland auf. Es ist sehr wahrscheinlich, dass unsere aktuellen US-Spielerinnen nach der Saison weiterziehen oder ihre Karriere beenden. Denn mit ihren Leistungen in Aesch haben sich Spielerinnen wie Emma Ellis oder Brianna Green für grössere Aufgaben in stärkeren Ligen empfohlen.

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