Baselbieter Polizei streichtKindergartenbesuche

Die Polizei macht die Kleinsten schon im Kindergartenalter mit dem Strassenverkehr ver-traut. Nun erhalten die Eltern per Schreiben aber schlechte Neuigkeiten – auch in Arlesheim.

Luege, lose, laufe: Wie man sicher übers Trottoir geht, lernen Kinder von der Polizei. Foto: Andrea Tina Stalder
Luege, lose, laufe: Wie man sicher übers Trottoir geht, lernen Kinder von der Polizei. Foto: Andrea Tina Stalder

«Warte, luege, lose, laufe und nomol luege.» In den ersten Kindergartenjahren treten die Kleinsten der Gesellschaft ein erstes Mal mit einer Polizistin oder einem Polizisten in Kontakt. Die Verkehrsinstruktion ist ein Eckpfeiler im Lehrplan der staatlichen Schulen. An einem Vormittag lernen die Kindergärtler spielerisch im Schulungsraum und anschliessend auf der Strasse, wie sie sicher auf dem Trottoir gehen können und die Strasse überqueren dürfen.

Wie aus einem Schreiben hervorgeht, das dieser Zeitung vorliegt, kann die Baselbieter Polizei ihre Dienstleistung allerdings ab sofort nicht mehr im ganzen Kanton anbieten. Michael Rudin, Leiter der Verkehrsinstruktion, hat Ende letzter Woche einen Brief an die Eltern geschickt, um über den Personalengpass zu informieren, der eine drastische Entscheidung nach sich zieht: «In der aktuellen Konstellation wären wir faktisch kaum mehr in der Lage, sämtliche Kindergärten im Kanton wie gewohnt zu besuchen», schreibt Rudin.

Seit Jahrzehnten sei es für die Verkehrspolizei eine Herzensangelegenheit, die Kleinsten auf ihrem Weg zu mehr Sicherheit im Strassenverkehr zu begleiten, so Rudin. «Die leuchtenden Augen der Kinder und ihre Begeisterung, wenn ‹ihr› Polizist oder ‹ihre› Polizistin den Kindergarten besucht, gehören für uns zu den wertvollsten Momenten unserer Arbeit.»

Gleich viel Personal wie vor 30 Jahren

Ein unvorhersehbarer und längerfristiger Personalausfall zwingt die Baselbieter Polizei nun, die Besuche in den Kindergärten in Arlesheim und weiteren Gemeinden ersatzlos abzusagen. «Die Verkehrsinstruktion sieht sich aktuell mit massiven Kapazitätsengpässen konfrontiert», erklärt Rudin den Entscheid. Der Personalbestand sei bei der Verkehrspolizei seit 30 Jahren unverändert geblieben, während die Anzahl der zu betreuenden Schulklassen seit 2014 um 13 Prozent zunahm.

Die Polizei müsse deshalb priorisieren: «Wir konzentrieren uns aktuell zwingend darauf, die Ausbildung in sämtlichen 4. Primarklassen des Kantons sicherzustellen.» Damit sei sichergestellt, dass die Polizei die praktische Verkehrsschulung und die daran gekoppelte Radfahrausbildung lückenlos im ganzen Kanton durchführen könne, so Rudin.

Ursprung liegt im Spardruckvor zehn Jahren

Die Verkehrserziehung war bereits 2015 unter Druck geraten, als die Baselbieter Regierung ein Sparpaket schnürte. Der damalige Sicherheitsdirektor Isaac Reber (Grüne) plante einen Stellenabbau in der Verkehrsinstruktion. Drei der insgesamt sieben Stellen sollten wegfallen – der Kanton wollte damit 400 000 Franken einsparen. Als Konsequenz hätte die Veloprüfung nicht mehr stattfinden können, die Kindergärten wären nur noch alle zwei Jahre besucht worden, und Verkehrsinstruktoren hätten nicht mehr an Elternabenden teilnehmen können.

Die Schulleiterkonferenz, die Beratungsstelle für Unfallverhütung und auch Autoverbände kritisierten damals die Sparpläne. Die Mitteparteien (CVP und BDP) lancierten eine Petition gegen den Abbau. Die Baselbieter Regierung reagierte aufgrund des Widerstands und verzichtete auf den Stellenabbau. Die Sparvorgabe bei der Polizei sollte damals anderweitig umgesetzt werden. Nun umfasst die Verkehrsinstruktion noch immer ein siebenköpfiges Team, das aktuell an seine Grenzen stösst.

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