Giftiges Baustellenwasser tötet Tiere im Naturschutzgebiet

Am Sonntag kam es auf der umstrittenen Bau- stelle «La Colline» zur Katastrophe. Tausende Liter kontaminiertes Baustellenwasser flossen während Stunden ins Naturschutzgebiet.

Überflutet: Auf der Baustelle bildete sich ein See aus giftigem Betonwasser, das ins Naturschutzgebiet lief. Foto: Christian Jaeggi
Überflutet: Auf der Baustelle bildete sich ein See aus giftigem Betonwasser, das ins Naturschutzgebiet lief. Foto: Christian Jaeggi

Jennifer Mc Gowan ist die Verzweiflung anzumerken. «Wie ist es möglich, dass eine Baufirma seit fünf Monaten das Natur- und Gewässerschutzgesetz verletzt und es wird nicht dagegen interveniert?» Am Sonntagmittag entdeckten die Sprecherin der Initiative Natur- und Kulturraum Dornach-Arlesheim (IDA) und ihre Mitstreiterinnen und Mitstreiter auf einem ihrer täglichen Kontrollrundgänge die Katastrophe: Von der Baustelle «La Colline» floss unter den Bauwänden hindurch ungehindert verschmutztes Baustellenwasser ins Naturschutzgebiet Schwinbach-Aue. «Auf der Baustelle bildete sich ein See aus Betonwasser, so tief, dass man den Boden nicht mehr sah. Das überschüssige Betonwasser daraus floss ins Naturschutzgebiet.» Die Naturschützerinnen und Naturschützer sahen unzählige tote Schnecken und Würmer und mussten beim Sterben der Tiere zusehen. «Sobald das verschmutzte Wasser über die Tiere hinweg floss, bewegten sie sich nicht mehr», erzählt Mc Gowan. Sie habe noch versucht, einzelne Tiere mit der Hand zu retten. Dabei merkte sie, wie stark verschmutzt das Baustellenwasser war.

Messungen der IDA ergaben, dass der pH-Wert des Wassers bei über zwölf lag, was einer ätzenden Lauge entspricht. Der Nitritwert sei rund hundertmal so hoch gewesen wie normal im Feuchtgebiet, verrät Jennifer Mc Gowan. «Das Wasser war eine nitrithaltige Lauge und damit ökotoxisch, das heisst, es vergiftet Tiere und Pflanzen.» Es war nicht das erste Mal, dass Baustellenwasser ins Naturschutzgebiet floss. Aber das Ausmass am Sonntag übertraf alles Bisherige. Messungen der IDA im Beisein der Polizei ergaben, dass am Nachmittag rund 5000 Liter Schmutzwasser ins Naturschutzgebiet flossen. Gehe man davon aus, so Jennifer Mc Gowan, dass das Wasser bereits vor dem Mittag und in der Nacht unentdeckt austrat, könnten bis zu 20000 Liter Betonwasser ins Naturschutzgebiet geflossen sein. Mit Hilfe der Kantonspolizei, der Feuerwehr Arlesheim und dem kantonalen Gewässerschutz gelang es, mit Sandsäcken die Wasserströme zu stoppen.

Die Steiner AG bedauert

Schuld am Zwischenfall sei ein Kurzschluss aufgrund der starken Niederschläge in der Pumpanlage gewesen, schreibt Andreas Gurtner, Mediensprecher der Bauherrin Steiner AG, auf Anfrage. Mit der Pumpanlage wird das Baustellenwasser kontinuierlich vor Ort aufbereitet und anschliessend in die Kanalisation geleitet. Die Steiner AG bedaure den Vorfall sehr und danke der Feuerwehr für ihre Mithilfe und den Hinweis aus der Bevölkerung. Nun werde nach einer Backup-Lösung gesucht, damit ein unterbrechungsfreier Betrieb der Pumpanlage sichergestellt werden kann. Bei der Baselbieter Bau- und Umweltschutzdirektion (BUD) hat man Kenntnis vom Vorfall und vom Schaden für Kleinstlebewesen, konkret unternehmen wolle man aber nichts, teilt der stellvertretende BUD-Generalsekretär Nico Buschauer mit. Das Amt für Umwelt und Energie habe die Steiner AG lediglich beauftragt, Massnahmen zu treffen, damit ein Abfliessen von Baustellenwasser nicht mehr vorkommt. Buschauer erinnert daran, dass die Überbauung «La Colline» sowohl demokratisch wie auch vom Kantonsgericht bestätigt worden ist.

Jennifer Mc Gowan reichen all diese Erklärungen längst nicht mehr. Man sei mit «sehendem Auge» ins Desaster gelaufen, klagt die Naturschützerin. Die versprochenen Kontrollen führe die Steiner AG gar nicht durch. Auch die Notbewässerung des Naturschutzgebiets, die nötig wurde, weil die Quellen versiegten, funktioniere immer noch nicht. «Sie fällt oft aus und wenn sie funktioniert, kommt deutlich zu wenig Wasser.» Seit Baubeginn passiere nun all das, so Mc Gowan, wovor die Naturschützerinnen und Naturschützer in den vergangenen zehn Jahren gewarnt haben.

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