Mit der Kamera gegen das Verbrechen

Britta Jaschinski ist eine der renommiertesten Fotografinnen der Welt. Ihre Mission: Verbrechen gegen Wildtiere aufdecken und festhalten. Am Wochenende hält sie in Münchenstein einen Vortrag über ihre Arbeit.

Kämpft gegen Tierleid: Die Fotografin Britta Jaschinski. Foto: zVg

Kämpft gegen Tierleid: Die Fotografin Britta Jaschinski. Foto: zVg

Konfisziert: Der Kopf einer Giraffe – eine Jagdtrophäe.

Konfisziert: Der Kopf einer Giraffe – eine Jagdtrophäe.

Das Bild zeigt einen Mantel mit Hut, Schuhen und Tasche, alles ist hergestellt aus Jaguarfellen.

Das Bild zeigt einen Mantel mit Hut, Schuhen und Tasche, alles ist hergestellt aus Jaguarfellen.

Jagd auf das Horn: Nashörner sind weltweit bedroht.

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Tod für eine Sitzgelegenheit: Zwei Hocker aus Elefantenfüssen. Auch sie wurden konfisziert. Fotos: Britta Jaschinski

Tod für eine Sitzgelegenheit: Zwei Hocker aus Elefantenfüssen. Auch sie wurden konfisziert. Fotos: Britta Jaschinski

2014, irgendwo in China: Eine Frau und ein Mann besuchen eine Tigerfarm. Die beiden geben vor, Touristen zu sein, die Farm soll ein Highlight ihrer Reise werden. Ihnen wird vor dem Betreten der Farm alles, was sie dabei haben, abgenommen. Kameras sind keine erlaubt. Trotzdem gelingt es den beiden, die entsetzlichen Zustände in der Tigerzucht mit ­versteckten Kameras festzuhalten. Die Farm züchtet die Tiere für die Gewinnung ihrer Knochen, die in der traditionellen chinesischen Medizin verwendet werden. Die Fotos über die erschütternden Zustände werden anonym an unterschiedliche Medien und NGOs gegeben, die die Aufnahmen veröffentlichen.

Die Frau hinter dieser Aufklärung ist die renommierte deutsche Fotografin Britta Jaschinski. Bezahlt und organisiert hat sie den Besuch selbst. Ihr Antrieb? Der Kampf gegen das Verbrechen an Wild­tieren. Das Ereignis in der chinesischen Tigerfarm im Jahr 2014 habe bei ihr zwar ein Trauma ausgelöst, das sie noch lange begleitet habe, sagt die Fotografin im Gespräch mit dem Wochenblatt. Ihre Mission habe sie deswegen jedoch nie aufgeben müssen. Warum sie sich das alles antue? «Die Leute sind gut darin, den Kopf in den Sand zu stecken. Ich will nicht wegschauen, ich will die Menschen mit meiner Arbeit wachrütteln», sagt sie.

Seit den 1990er-Jahren lebt Jaschinski in Grossbritannien, wo sie auch ihr Studium der Fotografie absolvierte. Ihre Werke wurden bereits vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem BBC Wildlife Photographer of the Year Award. Sie erhielt als erste Frau den Titel des European Wildlife Photographer of the Year – und das sogar schon zweimal. Ihre Fotografien erscheinen in unzähligen Publikationen, darunter die britische Tageszeitung «The Guardian» oder die Zeitschrift «National Geographic».

Nachdem Jaschinski in den 1990er-Jahren bereits mit ihren Porträts von Zootieren bekannt wurde, fokussierte sich die Fotografin später auf die Sichtbarmachung des  illegalen Handels mit Wildtieren. In ihrer Serie «Crimes» stellt sie Tierkadaver und -präparate dar (s. Seite 2), die an Flughäfen beschlagnahmt wurden. Wo die ­Fotos ­entstanden sind, bleibt geheim. Jaschinski verrät aber: «An einem dieser Orte lagern rund 1,5 Millionen solcher Objekte.»

Ein Buch, das um die Welt geht

2017 hat Jaschinski zusammen mit dem Journalisten Keith Wilson «Photographers Against Wildlife Crime» ins Leben gerufen. Aus diesem Zusammenschluss von internationalen Fotografinnen und Fotografen ist ein Buch mit eindrücklichen Bildern über den weltweiten Missbrauch von und den Handel mit Tieren entstanden. Die beteiligten Fotografinnen und Fotografen stellten ihre Bilder zu dieser Zeit kostenlos zur Verfügung. Für die Realisierung des Buches startete Jaschinski ein Crowd Funding, bei dem innert kurzer Zeit 40000 Pfund zusammenkamen. Das Buch war äusserst erfolgreich, die Presse nahm das Thema dankend auf. «Ich war zu Beginn selbst nicht sicher, ob es wirklich einen Einfluss haben wird», gibt Jaschinski zu. Umso grösser sei die Freude über die Resonanz. «Wir erhalten Nachfragen aus jeder Ecke der Welt. Die Menschen denken: ‹Jetzt hat endlich mal jemand etwas gesagt.›» Entstanden sei das Projekt «aus Frustration und Wut» darüber, dass gegen das Verbrechen nur wenig getan werde.

Fortsetzung und Bilder auf Seite 2

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