Junge Talente in der Trotte

Vom blumigen Acrylbild bis zum bunten Graffiti: Vier junge Künstlerinnen und Künstler stellten am vergangenen Wochen-ende ihre Werke in der Münchensteiner Trotte aus.

Kunstschaffende: (v. l. n. r.) Len Steger, Aline Hartsleben, Sofia Giordano und Kayla Guex. Fotos: Florin Bürgler

Kunstschaffende: (v. l. n. r.) Len Steger, Aline Hartsleben, Sofia Giordano und Kayla Guex. Fotos: Florin Bürgler

Graffiti: «Moon» von Len Steger.

Graffiti: «Moon» von Len Steger.

Blumenbild: «Lilien» von Sofia Giordano.

Blumenbild: «Lilien» von Sofia Giordano.

Nach dem Betreten des Raumes steht man schon mittendrin: Der Blick fällt zuerst auf die farbig blühenden Bilder, die im Gegensatz zur matten Stellwand, an der sie hängen, gleich noch etwas strahlender wirken. Gemalt wurden diese von der 20-jährigen Sofia Giordano aus Münchenstein. In den von ihr ausgestellten Werken finden sich verschiedene Motive aus der Natur, bei denen schnell das Gefühl aufkommt, sich entweder auf einem blühenden Frühlingsspaziergang oder einer windigen Herbstwanderung zu befinden. Die Spanne reicht von blühenden Lilien bis zum Blättermeer, die farblich alle gut aufeinander abgestimmt wirken.

Das sei kein Zufall: «Für mich ist wichtig, dass es am Ende etwas Harmonisches ausstrahlt. Die Farben und die Formen können durchaus abstrakt sein, jedoch sind sie immer von der Natur inspiriert», sagt Giordano über ihre Werke. Dabei gehe sie nicht nach Rezept vor, ganz im Gegenteil: «Ich lasse mich gerne vom Prozess überraschen, und die Dynamik beim Malen ändert sich je nach Gefühlslage oder auch Musik, die ich gerade dabei höre.»

Das erstmalige Ausstellen ihrer Kunst habe sie ein wenig Überwindung gekostet, da man gewissermassen dann auch der Meinung anderer Leute ausgesetzt sei – umso mehr freue sie sich dann über positive Rückmeldungen, vor allem auch von Menschen aus ihrem Umfeld, die sonst vielleicht wenig mit Kunst am Hut haben und sich hier darauf einlassen.

Die Ruhe in der Welt einfangen

Unmittelbar nebenan stellt Aline Hartsleben aus Arlesheim ihre Fotografien aus – zwar ein ziemlich anderes Handwerk, jedoch passt es thematisch und optisch durchaus zu den blumigen Bildern ihrer Stellwandnachbarin. Zu sehen sind Naturmotive wie Tautropfen und Nebelschwaden – da ist aber auch der auf den ersten Blick starke Kontrast zu den Fotos von urbanen Räumen mit speziellen Schattenspielen an architektonisch spannenden Gebäuden.

Die 21-jährige Psychologiestudentin sagt, dass sie durch die Ausstellung den roten Faden in ihrem Stil entdeckt habe: «Ich versuche in der Welt die Ruhe einzufangen, egal ob in der Natur oder im städtischen Umfeld. Mit meiner Kamera möchte ich Ausschnitte aus dem Alltag einfangen und damit das Schöne hervorheben, wovon wir täglich umgeben sind, auch wenn uns im täglichen Stress häufig das Auge dafür fehlt.» Ihre umgehängte Digitalkamera sei für sie dabei ein Hilfsmittel, um bewusster durch die Welt zu gehen und dem alltäglich Schönen auf der Spur zu sein.

Geht man etwas weiter im Raum, warten die Werke von Kayla Guex aus Münchenstein. Die 17-jährige Gymnasiastin deckt mit ihren gemalten Bildern eine breite Palette an Techniken und Motiven ab. «Ich habe einfach mal in meinem Zimmer angefangen zu malen und dann schnell gemerkt, dass mir das Handwerk und der Prozess sehr viel Spass machen. Dann habe ich mich kreuz und quer durch verschiedene Techniken und Stile probiert.» Bisher habe sie vor allem Fotografien und bestehende Werk nachgemalt, jedoch sollen auch bald schon eigene Motive folgen, womit sie sich eher in Richtung der abstrakten Kunst bewegen möchte.

Als vierten Nachwuchskünstler gibt es noch etwas ganz anderes zu entdecken: die Graffiti-Kunst von Len Steger. Der erst 14-jährige Sekundarschüler aus Münchenstein präsentiert seine Werke, die einem vor allem wegen der knalligen Farben sofort ins Auge stechen. Seit er 6 Jahre alt ist, habe er eine grosse Faszination für diese Art der Kunst und habe auch schon sehr früh selbst angefangen auf Leinwände zu sprayen. «Der nächste Schritt für mich ist dann, das bald auf echte Wände zu übertragen – dort, wo es erlaubt ist», sagt er vorfreudig über seine nächsten Pläne.

Sichtbarkeit für junge Künstler

Organisiert wurde die Ausstellung in der Trotte von der Bürgergemeinde Münchenstein. Christa Egli, Mitglied der Kulturkommission, meint über die Beweggründe: «Wenn man Sport oder Musik macht, gibt es schneller die Möglichkeit, sich zu zeigen. Bei der Kunst ist diese Sichtbarkeit schwieriger, vor allem für Jugendliche, deswegen wollten wir dem hier Raum bieten.»

Der Name des Projekts lautet «young & creARTivity» und wurde von Sandra Guex ins Leben gerufen. Sie meint zum Schluss: «Es ist sehr schön, zu sehen, dass die Ausstellung auch die etwas Älteren erreicht, die sonst vielleicht gar nicht wissen, dass es so junge Künstlerinnen und Künstler im Dorf gibt.»

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