Frühe Sprachförderung: «Alle Kinder sollen möglichst die gleichen Chancen haben»

Münchenstein führt ein Reglement für eine frühe Sprachförderung ein. Die Gemeindeversammlung genehmigte trotz Kritik den Vorschlag des Gemeinderats, die Sprachförderung auf freiwilliger Basis einzuführen.

Annahme trotz Kritik: Das Konzept zur frühen Sprachförderung wird auf das kommende Schuljahr eingeführt.Foto: tobias gfeller
Annahme trotz Kritik: Das Konzept zur frühen Sprachförderung wird auf das kommende Schuljahr eingeführt.Foto: tobias gfeller

Seit September 2024 ist auf kantonaler Ebene die gesetzliche Grundlage in Kraft, die es Gemeinden ermöglicht, ein Reglement für die frühe Sprachförderung einzuführen. Das Gesetz überlässt es den Gemeinden, ob sie die Sprachförderung auf freiwilliger oder obligatorischer Basis implementieren möchten. Der Münchensteiner Gemeinderat schlug der Gemeindeversammlung eine Sprachförderung auf freiwilliger Basis vor. Nach einer engagiert geführten Debatte genehmigte die Versammlung das dafür vorgelegte Reglement ohne Gegenstimme.

Welche Kinder eine Sprachförderung nötig haben, wird mittels obligatorischer Sprachstanderhebung festgestellt. Dafür müssen die Erziehungsberechtigten gut ein Jahr vor dem Kindergarteneintritt des Kindes einen Fragebogen ausfüllen, den es in insgesamt 14 Sprachen gibt und der auf dem Postweg versandt wird. Die Sprachförderung wird in dafür anerkannten Kindertagesstätten und Spielgruppen erteilt. Für das kommende Schuljahr sind gemäss Gemeinderat David Meier (FDP) 35 Kinder identifiziert worden, die gemäss ihren Sprachkenntnissen eine Sprachförderung nötig hätten.

Schule wird entlastet

Mit der frühen Sprachförderung möchte der Gemeinderat die Chancengleichheit unter den Kindern unabhängig ihrer Herkunft fördern, betonte Meier. «Alle Kinder sollen möglichst die gleichen Chancen haben. Es fördert die sozialen Kompetenzen, wenn sie verstehen, was man ihnen sagt.» Sprachkenntnisse unterstützten allgemein die Integration, bekräftigte Meier. Auch werde die Schule dadurch entlastet. «Unruhe, die auf mangelnde Sprachkenntnisse zurückzuführen ist, nimmt dadurch ab.»

Gemäss verabschiedetem Reglement offeriert die Gemeinde den betroffenen Erziehungsberechtigten Gutscheine. Für sie ist das Angebot kostenlos. Das Angebot gilt während des ganzen Schuljahrs vor dem Kindergarteneintritt. Zwei Halbtage à zweieinhalb Stunden pro Woche und eine Mindestpräsenz von 70 Prozent sind vorgeschrieben, falls das Angebot angenommen wird.

Der Gemeinderat verzichte bewusst auf ein Obligatorium, sagte Meier. «Wir möchten eine niederschwellige Unterstützung partnerschaftlich mit den Familien anbieten.» Auf Bussen, Verfügungen und rechtliche Verfahren wolle man verzichten. Klappe die Umsetzung damit nicht und die Anzahl Teilnehmende sei zu tief, sei man bereit, das Reglement nachzujustieren, kündigte der Gemeinderat an. In spätestens fünf Jahren möchte der Gemeinderat das Reglement einer umfassenden Evaluation unterziehen. Die Gemeinde rechnet mit Kosten von 80000 bis 90000 Franken im Jahr. Zusätzliche Personalkosten bei der Gemeinde werde es nicht geben, versicherte Meier. «Wir möchten eine pragmatische und schlanke Umsetzung. Mit der Sprachförderung wird mit relativ geringem Mitteleinsatz früh bei den Kindern eine relativ grosse Wirkung erzielt.»

Obligatorium verlangt

SVP-Präsident Stefan Haydn beantragte ein Obligatorium für die frühe Sprachförderung, zog seinen Antrag aber sogleich wieder zurück, als vor möglichen Verzögerungen gewarnt wurde. Unterstützung erhielt er von Arnold Amacher (Grüne). «Das ist ein Angebot, durch das Kinder einen besseren Start in die Schule haben. Das muss man durchsetzen. Dafür braucht es auch keine Bussen. Das ist auch so durchsetzbar.» Amacher betonte mehrfach, dass es nicht von der Herkunft abhänge, ob Kinder Sprachdefizite aufwiesen. Das würden Erfahrungen aus Basel-Stadt zeigen.

Amacher liess kein gutes Haar am Reglement des Gemeinderats, verzichtete aber ebenfalls auf Änderungsanträge, damit es auf das kommende Schuljahr hin eingeführt werden kann. Fünf Jahre für die Evaluation seien viel zu spät und daher inakzeptabel, schimpfte Amacher. «Das Reglement ist ungenügend, in allen Facetten.»

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