Wirbel um einen Kreisel

Die Gemeinde Dornach will unterhalb des Goetheanums einen Kreisel bauen – das geplante Projekt missfällt den Anwohnern.

Ortsbild gestört: Anna Wadström (l.) zeigt auf die Stelle des Goetheanum-Areals, wo neben dem geplanten Kreisel auch eine Altglassammelstelle und ein Biokompostcontainer errichtet werden sollen.  Foto: Caspar Reimer
Ortsbild gestört: Anna Wadström (l.) zeigt auf die Stelle des Goetheanum-Areals, wo neben dem geplanten Kreisel auch eine Altglassammelstelle und ein Biokompostcontainer errichtet werden sollen. Foto: Caspar Reimer

Gegen den Bau eines Verkehrskreisels unterhalb des Goetheanums beim Vital Speisehaus hat sich über die letzen Monate beachtlicher Widerstand erhoben. Neben Baueinsprachen aus der Anwohnerschaft hat sich eine Gruppe formiert, die bis zum vergangenen Dienstag 580 Unterschriften gegen das Projekt gesammelt hat. Ziel ist es, den Kreisel, der die bestehende Kreuzung im Zuge von Wasserleitungssanierungen ersetzen soll, zu verhindern.

Das Bauvorhaben, das der Verkehrsberuhigung dienen soll, wurde im Juni 2015 von der Gemeindeversammlung abgesegnet. Widerstand entfachte sich erst später – nach einer Anwohnerinformation im April 2016. Neben einigen verkehrstechnischen Kritikpunkten führen die Anwohner vor allem den Schutz des Areals rund um das Goetheanum ins Feld: «Durch den Kreisel muss ein Teil des Geländes verbaut werden», moniert Anna Wadström, die als Sprachrohr der Gegnerschaft in Erscheinung tritt. Eine Altglassammelstelle und ein Biokompostcontainer – beides direkt beim Kreisel erstellt – störe das Ortsbild empfindlich. Die Sichtachse vom Speisehaus zum Goetheanum werde durch den Kreisverkehr und die «zahlreichen neuen Strassenlampen» beeinträchtigt. Der Kreisel sei somit überflüssig und verursache unnötige Kosten. Wadström, die sich intensiv mit der Materie auseinandergesetzt hat, ist darüber hinaus auf einen Formfehler der Gemeinde gestossen: «Das Gelände rund um das Goetheanum steht unter kulturellem Schutz des Bundes und des Kantons. Das Bundesamt für Kultur (BAK) und Denkmalpflege Solothurn hätten von der Gemeinde zur Prüfung des Projektes angefragt werden müssen. Das ist aber nicht geschehen.»


Terrain unter Bundesschutz

Christof Messner von der Sektion Denkmalpflege beim Bundesamt für Kultur bestätigt: «Das Goetheanum ist im Bundesinventar der schützenswerten Ortsbilder verzeichnet.» Dies sei von den Gemeinden bei ihren Planungen zu berücksichtigen, wobei die Beurteilung baulicher Massnahmen bei der kantonalen Denkmalpflege liege. Stefan Blank, Denkmalpfleger des Kantons Solothurn, verweist seinerseits auf die «Beratergruppe Goetheanum und Umgebung», die bei der Beurteilung von Baugesuchen in der Umgebung des Goetheanums beizuziehen sei. Zuständiger Gemeinderat für diese Kommission ist der Gemeindepräsident von Dornach, Christian Schlatter.


Beratung wird nachgeholt

Zu den Vorwürfen sagt Christian Schlatter: «Die Beratergruppe des Goetheanums tagt in Fällen, in denen das Goetheanum und seine Umgebung betroffen sind, zuletzt war dies im Zusammenhang mit der Fassadenrenovation des Goetheanums der Fall. Zu diesem aktuellen Projekt muss man festhalten, dass es sich um ein Tiefbauprojekt handelt.» Es würden keine einschneidenden Massnahmen ergriffen, die die Umgebung markant tangieren. Weiter sei man mit den Verantwortlichen des Goetheanums im Vorfeld in ständigem Kontakt gewesen. «Die Verletzung von Schutzzielen war dort nie ein Thema.»

Hausarchitekt des Goetheanums, Martin Zweifel, bestätigt dies: «Das Goetheanum ist sehr früh in die Planung einbezogen worden.» Dort wird das Bauvorhaben allgemein als positiv wahrgenommen: «Die Bedenken der Anwohner scheinen mir wenig nachvollziehbar», so Zweifel.
Trotzdem räumt der Gemeindepräsident ein: «Sehr wahrscheinlich war es unklug, die Beratergruppe nicht beizuziehen, um das Projekt zu präsentieren.» Die für den Schutz des Goetheanums und seiner Umgebung zuständige Beratergruppe wird sich nun im März treffen, um das Projekt zu begutachten.

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