«Wir machen uns ernsthafte Sorgen um die Zukunft unseres Dorfes»

Zehn Dornacher wenden sich in einem offenen Brief an den Gemeinde- präsidenten.

Hier geht’s nicht mehr weiter: Die Unterzeichnenden erklären in ihrem offenen Brief, dass der eingeschlagene Weg Dornach in die Sackgasse führe.  Foto: Fabia Maieroni
Hier geht’s nicht mehr weiter: Die Unterzeichnenden erklären in ihrem offenen Brief, dass der eingeschlagene Weg Dornach in die Sackgasse führe. Foto: Fabia Maieroni

In Dornach brodelt es seit längerem immer wieder. Von Misserfolgen in der Planung und fragwürdiger Kommunikation ist die Rede. Das Wochenblatt hatte aufmerksam gemacht auf die überraschende Kündigung des Finanzverwalters, auf einen Planungsauftrag, bei dem die Bürgergemeinde übergangen wurde, auf Verfahrensfehler bei der Zonenplanrevision und auf eine Kommunikation, die immer wieder Fragen unbeantwortet lässt. Mangelhafte Zusammenarbeit und ein unehrlicher Informationsaustausch sind die Vorwürfe, die sich die Dornacher Behördenmitglieder gegenseitig an den Kopf warfen, mit Misstrauensvoten verdeutlicht wurden und für Schlagzeilen sorgten. Zu einem Disziplinarverfahren gegen den Gemeindepräsidenten Christian Schlatter ist es nicht gekommen. Der Antrag war abgelehnt worden. Die Mehrheit stellte sich auf den Standpunkt, man soll versuchen, mit einem Coaching die Wogen zu glätten. Doch einigen Einwohnern reicht dies offenbar nicht. Diese Woche richteten sich zehn Dornacher mit einem offenen Brief an den Gemeindepräsidenten, in welchem sie eine transparente Offenlegung der Gründe verlangen, die zu «immer mehr negativen Entwicklungen» im Gemeinwesen von Dornach geführt hätten. Kopien gingen an die Gemeinderäte, an das Amt für Gemeinden in Solothurn und an die Medien. Der eingeschlagene Weg führe Dornach in die Sackgasse, schreiben die Unterzeichnenden. «Wir machen uns ernsthafte Sorgen um die Zukunft von unserem Dorf.»


«Verunsicherung im Dorf ist gewaltig»
Nachgefragt bei den Verfassern, sagt Klaus Boder, früherer Ammann der Bürgergemeinde und Präsident der Schwarzbuben Jodler: «Die Verunsicherung im Dorf ist gewaltig, man darf nicht länger nur die Faust im Sack machen. Man muss jetzt handeln.» Um aus der Sackgasse herauszukommen, brauche es erst einmal Einsicht. Der Fragenkatalog ist umfangreich und betrifft viele Planungen und Entscheidungen, die auch im Wochenblatt zur Sprache gekommen waren. Die Unterzeichnenden erkundigen sich besonders nach finanziellen Auswirkungen. Boder wird den Verdacht nicht los, dass man mit den Leerläufen viel Geld zum Fenster hinausgeworfen hat.


Gemeindepräsident reagiert
Gemeindepräsident Christian Schlatter hat bereits eine Eingangsbestätigung aufgesetzt und diese den Medien offen- gelegt: All die Fragen zu beantworten, sei mit viel administrativem Aufwand verbunden. Doch er werde sich bemühen, möglichst bald Antworten zu liefern, «die Ihnen weiterhelfen und Ihre Besorgnis relativieren mögen», heisst es in dem Schreiben.
Die Fragen betreffen Entscheidungen, die der Gesamtgemeinderat zu verantworten hat. Schlatters Parteikollege Daniel Urech (FWD) erklärt auf Anfrage, dass im offenen Brief teilweise sehr relevante Fragen angesprochen würden. Dass er solche Wellen werfe, liege wohl daran, dass der Gemeinderat Dornach in einer Vertrauenskrise stecke, die letztlich mitverursacht sei durch parteipolitische Auseinandersetzungen. Einen möglichen Ausweg sieht er im geplanten Coaching, letztlich aber auch in den Neuwahlen vom nächsten Frühjahr. Für Daniel Müller (FDP) hingegen ist klar, dass die Ursache für das «Schlamassel» bei der Machtkonzentration des Vollamtes zu suchen ist, das mit wenigen Kompetenzen der Gemeinderäte einhergeht. «Der Präsident hat es in der Hand, wann welche Informationen zu den Gemeinderäten, zu den Kommissionen, zur Verwaltung und zu den Medien gelangen. Natürlich fragt man dauernd nach. Doch man bleibt der Fragende, abhängig von der Antwort des Präsidenten.»

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