Süsse Versuchung lockt auf der Wiese

In Hochwald werden die Wiesen bunter. Das Pionierprojekt zur Förderung der Biodiversität nimmt seinen Anfang, sucht aber noch Nachahmer. Ausserdem gibt es Pläne für eine Baumpatenschaft.

Gemeinschaftsprojekt: 350 Setzlinge von Wildstauden wurden diese Woche von Freiwilligen auf einer Wiese eingepflanzt.  Foto: Bea Asper
Gemeinschaftsprojekt: 350 Setzlinge von Wildstauden wurden diese Woche von Freiwilligen auf einer Wiese eingepflanzt. Foto: Bea Asper

Rosmarie Champion ist in Hochwald bekannt für ihren grossen, bunten Garten. Kursteilnehmer aus der ganzen Schweiz, die ihren Vorzeigegarten bezüglich Biodiversität aufsuchen, finden ihr Paradies inmitten einem Quartier von grossen Einfamilienhäusern mit englischem Rasen und dazu gehörendem wöchentlichen Schnitt. Dass das Saatgut aus ihrem Garten nicht überall auf fruchtbaren Boden fällt, ist laut Champion typisch für den Menschen.


Der Natur auf die Sprünge helfen
Wer die gelernte Finanzfachfrau kennt, weiss, dass sie niemals aufgeben wird. Sie ist in Hochwald auch nicht auf verlorenem Posten. In der Umwelt- und Gesundheitskommission stiess sie mit ihren Ideen auf offene Ohren. Gross war ihre Freude vor allem darüber, innert kürzester Zeit tatkräftige Unterstützung zu finden für ihre geplante Pflanzaktion. Champion beschloss, der Natur auf die Sprünge zu helfen. 700 Setzlinge hat sie diese Woche zusammen mit Barbara Hug, Urs Henz, Dieter Bloch, Rita Schäfer und Cora Wohlgemuth auf den Wiesen von Bauer Seppi Vögtli eingepflanzt. Er ist der erste Landwirt, den sie für ihr Anliegen gewinnen konnte, nämlich auf den extensiv bewirtschafteten Flächen die Biodiversität ganz bewusst zu fördern. Dafür notwendig ist die langfristige Garantie, auf Dünger zu verzichten und die Wiesen erst nach der Blütezeit zu bewirtschaften.

«Über Pro Natura Solothurn kam auf sehr unbürokratische Weise eine Zusammenarbeit mit dem Sponsor Salzgut, dem Naturfonds der Schweizer Salinen, zustande, damit die Unkosten gedeckt sind.» Das Projekt sieht vor, dass einheimische Wildstauden gepflanzt werden, die das Futter der Tiere auf ihre Art auch bereichern, auf jeden Fall den Kühen bekömmlich sind. Champion entschied sich für sieben verschiedene Sorten: Wiesensalbei, Wittenblume, Frühlingsschlüsselblume, wilder Oregano, kleiner Wiesenknopf, Flockenblume und Margerite.


Früchte wecken Kindheitserinnerungen
«Die Blüten dieser Pflanzen bieten den Insekten eine ideale Nahrungsgrundlage. Die Insekten wiederum sind elementar für das Vorkommen verschiedener Vogelarten, und bekanntlich sorgen die Bienen mit der Bestäubung dafür, dass die Bäume den Menschen Früchteertrag liefern können.»In diesem Sinn profitieren Natur und Mensch vom Engagement für die Biodiversität. Champion schweben diesbezüglich noch andere Projekte vor. Sie würde gerne in einem Arbeitskreis die Grundlagen erarbeiten für eine Baumpatenschaft. «Der Pate verpflichtet sich, die Bäume zu pflegen, und darf ernten.»

Zum einen könnten bestehende Obstbäume erhalten bleiben. Zum anderen könnten neue Bäume gepflanzt werden. Privatpersonen ohne Garten kämen zu ihren eigenen Früchten», sagt Champion und denkt dabei auch an Sorten, die aus dem Landschaftsbild verschwunden sind wie die Spitzgügibirne, «eine süsse Birne, die bei der älteren Einwohnerschaft Kindheitserinnerungen wecken dürfte.» Die Baumpatenschaft würde auch die Wertschätzung für die landwirtschaftlichen Erzeugnisse fördern. «Der Apfel frisch vom Hochstamm schmeckt am besten, und wenn man selber spürt, wie viel es braucht, bis ein Apfel geerntet werden kann, mundet er doppelt so gut.» Von mehr Anerkennung der Arbeit würden die Landwirte profitieren, ist Champion überzeugt. Auch für dieses Projekt hat sie bereits die Zusage von Landwirt Fridolin Saladin für die Erteilung eines Baumpflegekurses sowie von Seppi Vögtli für Neubepflanzungen. Dass ausgerechnet ein Milchproduzent mit intensiver Landwirtschaft das Projekt unterstützt, ist für Champion Bestätigung, dass man mit persönlichem Engagement mehr bewirken kann, als man meint. «Nachahmer sind jedenfalls sehr erwünscht», so Champion. «Mein Beitrag für eine bessere Welt» ist übrigens der Titel der 30-seitigen Arbeit, die Cora Wohlgemuth im Rahmen ihrer Weiterbildung über das neuste Projekt zur Förderung der Biodiversität in Hochwald schreibt.

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