Seelsorger, Fabulierer, Menschenfreund

Der Dornacher Priester Franz Kuhn konnte gestern seinen 85. Geburtstag feiern. Mit seinem ausgleichenden Charakter hat er in den letzten Jahren nicht zuletzt das religiöse Leben im Kloster geprägt.

Weise, verschmitzt und ohne dogmatischen Zeigefinger: Pfarrer Franz Kuhn.  Foto: Thomas Brunnschweiler
Weise, verschmitzt und ohne dogmatischen Zeigefinger: Pfarrer Franz Kuhn. Foto: Thomas Brunnschweiler

Vor kurzem hat er sein Amt als Rector ecclesiae der Klosterkirche in die Hände von Felix Terrier übergeben. Aber schaffensmüde fühlt sich Franz Kuhn noch lange nicht; noch immer hilft er in Arlesheim und Laufen aus. Seit 34 Jahren steht ihm seine Haushälterin Rita Budmiger zur Seite, die es ermöglichte, dass Pfarrer Kuhn immer ein offenes, gastfreundliches Haus führen konnte. Seine Priesterausbildung erhielt er noch vor dem Zweiten Vaticanum, aber er hat dessen Ideen verinnerlicht. Obwohl Franz Kuhn dezidierte Meinungen vertreten kann, ist er dennoch stets auf Ausgleich bedacht. «Ich habe immer mehr Freude an den Menschen», sagt er. Und er liebt es, Unbekannte in ein Gespräch zu verwickeln, das unversehens bei existenziellen Fragen landet. Eine seiner Lebensmaximen stammt von Dostojewski, bei dem es heisst: «Einem wirklich Gottlosen bin ich in meinem ganzen Leben noch nicht begegnet. Statt seiner bin ich nur dem Ruhelosen begegnet.» Kuhn denkt nicht in Kategorien, sondern erklärt zu seiner Art von Seelsorge: «Ich mache den Menschen Mut, sich selbst zu sein.» Er war nie ein Dogmatiker, sondern ein Theologe des Erzählens, ein grosser Fabulierer vor dem Herrn.


Ein langes Arbeitsleben und …

Franz Kuhn wurde am 19. April 1932 in Grellingen geboren. Seine Eltern stammten aus Dornach. Nach der Ausbildung in der Klosterschule Engelberg und im Kollegium Appenzell ging Franz Kuhn ans Priesterseminar Luzern, wo er ignatianische Spiritualität erlebte und mit der Gestalt von Don Bosco in Kontakt kam. Seine erste Stelle als Vikar führte ihn nach Olten, seine zweite an die Dreifaltigkeitskirche in Bern. Danach war er Generalsekretär des schweizerischen katholischen Jungmannschaftsverbands. Nach fünf Jahren wurde Franz Kuhn Pfarrer in Riehen. Mit der Übernahme der Dreifaltigkeitspfarrei in Basel kamen auf Franz Kuhn grosse Aufgaben zu. Er sah sich herausgefordert, Menschen am Rande der Gesellschaft zu betreuen. In der «Prärie», einer umgebauten Villa, war der Priester plötzlich nur noch «der Franz». Sowohl in Riehen wie in Bern engagierte er sich auch stark für den ökumenischen Dialog. Nach der Rückkehr nach Dornach übernahm er das Amt des Rector ecclesiae der Klosterkirche.


… das Geheimnis der Berufung

Franz Kuhn ist ein bemerkenswerter Priester. Nie in seinem Leben hat er ein Burnout erlebt, obwohl sein Arbeitspensum stets enorm war. «Meine Aufgabe war nie ein Job, sondern immer eine Berufung», sagt er. Diese entspannte Art, mit den Anforderungen des Lebens und des Berufs umzugehen, hat Franz Kuhn vor Verbitterung und Härte bewahrt. Welche Bibelstelle ihn am meisten prägte, weiss er nicht genau: «Aber die Nächstenliebe», sagt er, «ist für mich entscheidend. Ich frage mich immer, was ein Mensch in seinem Leben mitgemacht hat.» Franz Kuhn sind noch viele Jahre in Gesundheit und geistiger Regsamkeit zu wünschen.

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