Primarschule am Anschlag

Zu grosse Klassen in zu kleinen Räumen: Die Primarschule Dornach platzt aus allen Nähten und ergreift Sofortmassnahmen. Das Thema mobilisierte rund 40 Bürger an die Gemeinderatssitzung.

Mitdenken auf engstem Raum: Die Klasse 4a von Patric Dubois beim Französischunterricht.  Foto: Thomas Kramer
Mitdenken auf engstem Raum: Die Klasse 4a von Patric Dubois beim Französischunterricht. Foto: Thomas Kramer

Lukas Hausendorf

Das erlebten die amtierenden Gemeinderäte noch nie. Zur Sitzung vom Montag kamen mehr Leute, als in den Zuschauerreihen einen Platz hätten finden können. Die Platznöte und übergrossen Klassen in der Primarschule lassen die Eltern der betroffenen Kinder nicht kalt. «Wir freuen uns über Ihr Interesse», begrüsste sie Gemeindepräsident Christian Schlatter (Freie Wähler) und machte sogleich auch klar, dass sie nur zuhören dürften. Die Situation, wie sie die Schulleitung dem Gemeinderat sodann präsentierte, erklärte das riesige Interesse der anwesenden Eltern und Lehrpersonen eindrücklich.

In der Primarschule sind aktuell sechs Klassen überbelegt und zählen zwischen 25 und 27 Schüler. Ihre Klassenzimmer sind aber nur für 20 bis 22 Schüler angelegt. Damit die Qualität nicht allzu sehr unter den prekären Bedingungen leidet, bewilligte der Kanton kurzfristig je sechs bis acht Assistenzlektionen pro Klasse. Allerdings: In diesen Klassen gibt es Kinder, die speziellen Förderbedarf haben oder Deutsch als Fremdsprache lernen müssen. In einer ersten Klasse sind es gar deren zehn Schüler. Aufgrund der Platznot sind moderne Unterrichtsformen nur schwer umsetzbar. «Wir sind am Anschlag», so Schulleiterin Marie-Therese do Norte. «Die Qualität leidet zurzeit an den äusseren Umständen», stellte Michael Hirschi, Präsident der Fachkommission Schule, abschliessend fest.

«Das ist ein Flächenbrand»

Das Thema ist brisant, denn die Klassengrösse beeinflusst die Unterrichtsqualität massgeblich. Für die besorgten Eltern geht es hier letztlich auch um die Zukunftschancen ihrer Kinder. Der Gemeinderat ist sich des Ernsts der Lage bewusst, war am Montag aber auch überrascht, wie dramatisch die Situation tatsächlich ist. «Das ist ein Flächenbrand», konstatierte Roland Stadler (FDP). Er fragte allerdings auch – zu Recht – wie es so weit kommen konnte. Das passiere doch nicht von heute auf morgen. Doch, passiert es. Allein in der letzten Sommerferienwoche seien neun Kinder in die Gemeinde zugezogen, so do Norte. Hinzu kamen Übertritte aus Privatschulen und mehr Nachwuchs aus den Kindergärten. Antizipieren konnte man wohl nur Letzteres. «Wir sind eine Wachstumsregion, das merkt man auch in den Schulen», meinte Schlatter.

Container und mehr Klassen

Kurzfristig ist es schwierig, der Lage Herr zu werden. Die Schule beantragte dem Gemeinderat daher, zwei Container auf dem Schulareal aufzustellen, um zusätzliche Räume zu gewinnen. Per nächstes Schuljahr soll die Zahl der Klassen zudem um zwei erhöht werden, mit entsprechendem Mehrbedarf an Lehrpersonal. Dafür sind weniger Assistenzlehrpersonen nötig. Eine zweite und dritte Klasse sollen zudem gemischt als Zweijahrgangsklasse geführt werden. «Im Leimental und am Dorneckberg ist das Usus», erklärte do Norte. Das habe sogar Vorteile, speziell für begabte Schüler.

Eine Kommission wird weiter mit der Schulraumplanung für die nächsten Jahre beauftragt. Die insgesamt sieben Anträge wurden vom Gemeinderat praktisch vorbehaltlos genehmigt. Obwohl diese, wie Thomas Gschwind (Freie Wähler) anmerkte, «massive Auswirkungen» auf das Budget der Gemeinde haben. Das fiskalische Ausmass wird sich an der kommenden Budgetgemeindeversammlung dann abzeichnen.

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