«Peer Gynt» im Doppelpack

Mit Ibsens «Peer Gynt» setzt die «Junge Bühne» unter Andrea Pfaehler Massstäbe. Drei Stunden Theater vergehen im Goetheanum wie im Flug. Am Sonntag wird derselbe Stoff als Märchen mit Musik in Reinach präsentiert.

Peer Gynt begibt sich nach Tod der Mutter Ase auf Reisen. Hier tanzt er als Kapitalist und Financier mit «Freunden»: Michael Fünfschilling, Fabian Welsch (als Peer Gynt) und Joscha Schönhaus (v. l.).  Foto: ZVG/Christoph Weisse
Peer Gynt begibt sich nach Tod der Mutter Ase auf Reisen. Hier tanzt er als Kapitalist und Financier mit «Freunden»: Michael Fünfschilling, Fabian Welsch (als Peer Gynt) und Joscha Schönhaus (v. l.). Foto: ZVG/Christoph Weisse

Thomas Brunnschweiler

Wohl selten hat der Grundsteinsaal im Goetheanum solch frenetischen Premierenapplaus erlebt wie am letzten Freitag. Die Gesamtleistung der 17 jungen Schauspielerinnen und Schauspieler war derart homogen und überzeugend, dass namentliche Erwähnungen fehl am Platze wären. Andrea Pfaehler hat die Mischung von drei deutschen Ibsen-Übersetzungen als Textgrundlage genommen und sie modifiziert. «Peer Gynt» basiert auf einem norwegischen Feenmärchen. Es ist die Geschichte eines Lügners und Hochstaplers. Getrieben vom Wunsch, Kaiser der Welt zu werden, reist er durch Raum und Zeit. Dabei wird er Troll, amerikanischer Selfmademan und Sklavenhändler, Prophet für gutgläubige Araber und landet schliesslich als Archäologe in einem Irrenhaus. Am Ende merkt Peer Gynt, dass sein Leben einer Zwiebel gleicht, die unter seinen Händen in nichts als Schalen zerfällt. Einzig im Herzen der treuen Solveig ist seine Identität bewahrt. «Du warst immer bei mir», sagt diese am Schluss.

Theater mit allen Sinnen

Die Bezüge zu Goethes «Faust» sind in Ibsens «Peer Gynt» unübersehbar. Im Gegensatz zu jenem lässt der Stoff eine temporeichere Inszenierung zu. Mit einem minimalen Bühnenbild wird maximale Wirkung erzielt. Ein schiefes Podest ermöglicht statische Bilder, wenn es permanent gedreht wird, die Illusion von Wanderschaft. Die hervorragende Lichtführung gestattet schlagartige Personenauftritte und die Musikgruppe sorgt für stimmige Untermalung. Fast alle im Ensemble spielen mindestens drei Rollen, was rasches Umziehen und Schminken bedingt. Dass insgesamt vier Peer Gynts auf der Bühne stehen, stört keineswegs, sondern bringt die innere Logik des Stücks zum Ausdruck. Trotz hoher Raumtemperatur wurde einem die Zeit nicht lang. Das Stück, das Realität und Märchenwelt, Tiefsinn und Humor, Spiritualität und Erotik, Tempo und meditative Momente sowie Sprechtheater, Tanzchoreografien, Percussions- und Musicalelemente zusammenführt, vermochte von Anfang bis Schluss zu überzeugen. Textsicherheit, Agilität und körperliche Präsenz waren frappierend. Es gab starke Bilder, wie etwa die grossartige Choreografie im Irrenhaus, die den Jugendlichen körperlich wie rhythmisch alles abverlangte. Das Sahnehäubchen auf der theatralischen Pracht-Torte war der Kinderchor Cantorka unter Georg Walter. Ein grosses Kompliment an Regisseurin Andrea Pfaehler und ihr ganzes Team.

«Peer Gynt» als ein Stück Kleinkunst

«Kultur in Reinach» lädt am Sonntag um 17 Uhr zu einem anderen «Peer Gynt» ein. In intimerem Rahmen wird der Stoff am Sonntag im Gewölbekeller des Gemeindehauses Reinach als Märchen mit der Musik von Edvard Grieg präsentiert. Meret Hottinger und Jeannot Hunziker erzählen und spielen die Geschichte des nordischen Taugenichts, begleitet von den Bläsersolisten Aarau. Das Stück, das sich stärker an der Kleikunst orientiert, dauert etwa eine Stunde.

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