Kultbrennerei macht dicht
Dornach verliert mit der Zeltner Destillerie, die im April schliesst, einen seiner traditionsreichsten Betriebe.

Diesmal konnte sie sich nicht mehr neu erfinden. In Dornach wird irgendwann im April der letzte Tropfen Schnaps den Brennhafen verlassen und aus der Destille perlen. Nach 107 Jahren, und insbesondere einem schwierigen letzten, beantragt der Verwaltungsrat für die Generalversammlung vom 8. April die Liquidation der Zeltner Destillerie AG.
Das Schreiben, das die Aktionäre und Aktionärinnen der Brennerei im März erreicht hat, ist klar wie ein Destillat. Im April wird der Betrieb eingestellt. Im Liquidationsverfahren, wenn die Teilhabenden zustimmen, und sonst im Konkursverfahren, was der Verwaltungsrat nicht hofft.
Traditionshandwerk in die Moderne gebracht
Dass die Aktionäre nur noch die Wahl haben, wie die Betriebsschliessung abläuft, zeigt, in welchen Schwierigkeiten die AG steckt. Aus dem Schreiben geht hervor, dass sich im vergangenen Jahr Verluste von 142000 Franken angehäuft haben. Verantwortlich dafür seien unter anderem die stark rückläufigen Absätze bei Gin und Whisky. Mit diesen beiden Schnäpsen hatte sich die Brennerei eigentlich erst vor ein paar Jahren neu erfunden. Als 2016 Ruedi Zeltner, der langjährige Besitzer und Brenner der Zeltner Brennerei, 94-jährig vom Brennhafen zurücktreten wollte, fand sich eine Gruppe aus der Region zusammen, welche den Betrieb in der heutigen AG übernahm.
Mitgründer war unter anderen Florian Schaulin, der heutige Verwaltungsratspräsident. Auf Anfrage wollte sich Schaulin erst nach der GV zum bevorstehenden Aus der Destillerie äussern. Die neue AG führte die Lohnbrennerei von Ruedi Zeltner fort. Weiterhin wurden schon vergorene Früchte von Dritten aus der Region entgegengenommen und im Auftrag zu Fruchtschnäpsen gebrannt. Solche sind aber, wie man in der Branche hört, etwas aus der Mode geraten und auch stark ernteabhängig. Brechen die Ernten wetterbedingt weg, bleibt auch nichts mehr übrig, um im Auftrag zu destillieren.
Um sich diesem Risiko etwas zu entziehen, hatte die AG ihr Sortiment ausgebaut. Gin lag im Trend und braucht weder Früchte noch Reifezeit. So erfand die Zeltner Destillerie den «Schwarzbrand Gin», hauseigener Gin aus dem Schwarzbubenland. Und der hatte Erfolg: 2019 wurde er an der nationalen Spirituosenprämierung Disti Suisse als bester Schweizer Gin ausgezeichnet. Auch als Auftragsbrand war Gin beliebt, beispielsweise für einen Kosmetiksalon oder eine Clique, wie der «Schweizer Bauer» 2019 berichtete. Danach kamen Whisky und Rum dazu, 2021 respektive 2023 ebenfalls mit Gold prämiert.
Zu grosse künftige Herausforderungen
Wie der Verwaltungsrat schreibt, hätten diese Gin-Innovationen massgeblich zum Erfolg von Zeltner beigetragen. Doch mittlerweile sei die Konkurrenz gewachsen und die Marktlage schlecht. Dass heutzutage weniger Alkohol getrunken wird, ist bekannt. Und so bestellten Grosskunden und Gastronomie-Betriebe bei Zeltner weniger Spirituosen.
Die finanzielle Schieflage wird verstärkt durch den Fakt, dass beträchtliche Investitionen absehbar wären, wie der Verwaltungsrat schreibt. Insbesondere ein Umzug wäre früher oder später bevorgestanden, da die Brennerei nur eingemietet ist und die Liegenschaft verkauft werden solle. Seit 2024 habe man einen Umzug evaluiert und keine Lösung gefunden. Auch die Brennanlagen seien alt und reparaturanfällig. In Anbetracht dieser schlechten Aussichten hätten sowohl der Brenner wie auch der Geschäftsführer bereits beschlossen, das Unternehmen zu verlassen.
In Dornach geht eine Ära zu Ende
Egal, wie sich die Teilhabenden an der GV also entscheiden, ist klar, dass die Geschichte der Zeltner Destillerie endet. Begonnen hatte diese mit der Familie Zeltner in Dornach schon vor über 100 Jahren, damals noch als Nebenerwerb. Die Haupttätigkeit war das Küferhandwerk. Ruedi Zeltner übernahm 1950 die Brennerei nach dem Tod seines Vaters. In den folgenden Jahren spezialisierte er sich und baute eine landesweit bekannte Lohnbrennerei auf und wurde sogar Verbandspräsident der Schweizer Brenner. Um dieses Erbe zu retten, sprangen die Gründer der heutigen AG ein. Fast zehn Jahre lang gelang es.


