Geld und Geist an einem Tisch

Schriftsteller Alex Capus sprach mit Manager Beat Schwab in der Wyde­kantine über Bauprojekte, Geld und die SBB.

Im Gespräch: Schriftsteller Alex Capus (r.) und Manager Beat Schwab. Foto: Caspar Reimer
Im Gespräch: Schriftsteller Alex Capus (r.) und Manager Beat Schwab. Foto: Caspar Reimer

Wenn Künstler auf Manager treffen, verspricht das Reibungsfläche und interessante Diskussionen. Das haben sich wohl die Verantwortlichen der Wydekantine gedacht, als sie am vergangenen Donnerstag den Bestsellerautor Alex Capus einluden, um mit Beat Schwab, Verwaltungsratspräsident der Immobilienagentur Zug Estates AG, der zudem etliche Zusatzmandate unter anderem bei SBB und Raiffeisen Schweiz innehat, zu diskutieren.

Der Abend stand für den Auftakt der Reihe «Alex Capus spricht mit der Wirtschaft», denn der Autor hatte das Buch «Die Patriarchen» über bekannte Schweizer Firmengründer geschrieben, deren Lebenswege, Antrieb und Motivation ergründet und skizziert. So kam am Donnerstag nun Schwab unter die Lupe des Schriftstellers, der zwar geschickt mit Vorurteilen gegenüber Immobilienmanagern spielte, die Diskussion jedoch nie in Klischees gleiten oder über abgetretene Pfade gehen liess. In seiner ruhigen, vielleicht etwas naiv wirkenden Art fragte Capus, ob es bei Immobilienprojekten letztendlich nicht einfach um Rendite gehe, worauf Schwab sagte: «Sicher ist Rendite wichtig, etwa wenn eine Pensions­kasse Geld in Bauprojekte steckt. Sie ist auf Rendite angewiesen, um die Renten der Versicherten auszahlen zu können.» So seien die Rufe nach Mieterlass im Zuge der Corona-Krise zwar populär, aber nicht realistisch gewesen: «Natürlich gibt man gern uns Immobilienmanagern die Schuld an allem.»

Hässlich und leer

Capus schilderte weiter sein Unbehagen über die unzähligen neuen Geschäftshäuser, «die immer gleich aussehen und zudem hässlich sind». So sei der Stil, wie heute gebaut werde, entgegnete Schwab, und dieser sei letztlich Geschmacks­sache. Capus sprach Bauprojekte an, in die zwar viel Geld investiert wurde, die nach Fertigstellung aber leer stünden. Schwab sagte dazu: «Gerade im Bereich der Bürobauten ist die Planung sehr schwierig. Deshalb muss so gebaut werden, dass Gebäude auch für andere Zwecke genutzt werden können, als dies ­ursprünglich vorgesehen war.»

Zum Umstand, dass Bauprojekten heutzutage oft ein eisiger Wind entgegenwehe, sagte Schwab: «Wachstum wurde früher positiv wahrgenommen. Heute werden eher die Schattenseiten gesehen.» Dabei würde in der Baubranche gerade ein Umdenken stattfinden: Man versuche, bestehende Bauten zu sanieren und zudem bereits verwendete Bauteile im Sinne eines Recyclings zu verwenden. Allerdings gäbe es noch immer Architekten, die davon nichts wissen wollten: «Ich kenne zum Beispiel keine Sanierungsprojekte von Herzog und de Meuron», stichelte er gegen die Stararchitekten aus Basel. Auf die Frage, inwiefern sich die SBB als Immobilieninvestoren betätigten, sagte Schwab: «Der Immobilienbereich hilft dabei, dass die SBB die Preise nicht erhöhen müssen.»

Junger Anarchist

Schwab war nicht immer Manager – in seiner Jugend hatte er lange Haare, setzte sich für das Alternative Jugendzentrum (AJZ) ein und ging gegen AKWs demonstrieren. Capus wollte wissen, ob das dieselbe Energie gewesen sei, die ihn heute zu Höchstleistungen als Manager antreibe: «Die Bewegung hatte mich interessiert, und ich hatte mich auch mit dem Thema Anarchismus beschäftigt. Letztlich war ich aber 14 Jahre alt und einfach ein Mitläufer. Zum Glück waren meine Eltern sehr tolerant.» Spätestens als Schwab – ein begeisterter Fan des Rockmusikers Bruce Springsteen – von einem Konzertabend in Madrid berichtete, hatte der Manager die Sympathien des Publikums für sich gewonnen.

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