Emil Thomann: ein Dornacher Maler, der fast in Vergessenheit geraten ist

Zum 100. Todestag von Emil Thomann zeigt das Heimatmuseum Schwarzbubenland seine Werke. Der Maler wurde nur 37 Jahre alt.

Blick Richtung Kloster Dornach: Der Brunnen steht heute vor dem Amtsgericht.

Blick Richtung Kloster Dornach: Der Brunnen steht heute vor dem Amtsgericht.

Leihgabe: Das Werk zeigt eine Szene der Dorflehrer Albert Annaheim, Josef Huber, Anton Stich und Urs Josef Thomann. Im Hintergrund steht der «Engel»-Wirt Josef Rumpel.

Leihgabe: Das Werk zeigt eine Szene der Dorflehrer Albert Annaheim, Josef Huber, Anton Stich und Urs Josef Thomann. Im Hintergrund steht der «Engel»-Wirt Josef Rumpel.

Die alte Dorfkirche St. Mauritius: Emil Thomann hat sich stark auf lokale Motive fokussiert. Fotos: Fabia Maieroni

Die alte Dorfkirche St. Mauritius: Emil Thomann hat sich stark auf lokale Motive fokussiert. Fotos: Fabia Maieroni

«Ich konnte gerade gestern ein neues Bild abholen», sagt Hans Voegtli zufrieden und nimmt den Schutzplastik von der Leinwand. Hervor kommt ein Bild von Arlesheim, im Hintergrund das Schloss Birseck, weiter vorne ist der Dorfkern zu sehen. Voegtli ist Stiftungsratspräsident des Heimatmuseums Schwarzbubenland und hat das Bild im Laufental erworben: «Der Preis war fair, diese Kunstwerke sind heute nicht mehr teuer», sagt Voegtli mit Bedauern in der Stimme. Für die aktuelle Ausstellung hat er viel Zeit investiert: Drei bis vier Monate hat er in Archiven recherchiert, um möglichst viele Informationen über den Dornacher Maler Emil Thomann zu finden. Seit April sind nun mehr als ein Dutzend seiner Werke im Heimatmuseum ausgestellt, immer sonntags und noch bis zum 23. Mai können sie besichtigt werden.

Thomanns Bilder sind detailreich, zuweilen eher dunkel gehalten und zeigen meist lokale Landschaften oder Orte wie etwa die Ruine Dorneck, den Platz vor dem Kloster in Dornachbrugg oder die alte Kirche St. Mauritius in Dornach, in der heute das Heimatmuseum Schwarzbubenland domiziliert ist.

Auch ein mögliches Selbstporträt von Thomann ist zu finden: «Allerdings ist das Bild – wie einige Werke – nicht signiert. Wir können demnach nicht abschliessend feststellen, ob es wirklich von ihm ist», erklärt Voegtli.

Der Sohn eines Dornacher Lehrers

Emil Thomann kam am 3. Dezember 1889 als drittältester Sohn in Metzerlen zur Welt. Sein Vater war Lehrer, später auch in Dornach, wo die Familie 1892 an den heutigen Blumenweg 3a zog. Mit drei weiteren Lehrerkollegen unterrichtete der Vater im alten Schulhaus (heutige Gemeindeverwaltung) gegenüber der Dorfkirche. Einer der Lehrer war Anton Stich, Grossvater des ehemaligen Dornacher Bundesrates Otto Stich.

Seine Schulzeit durchlief Emil Thomann in Dornach – schon damals sei ihm ein grosses Mal- und Zeichnungstalent attestiert worden, heisst es in den Unterlagen zur Ausstellung. Nach einer Malerlehre zog es Thomann nach Paris, wo er in seiner Freizeit im Louvre die Gemälde berühmter Meister kopieren konnte. 1911 kehrte er nach Dornach zurück und gründete ein eigenes Malergeschäft. Als Flach- und Zimmermaler machte er sich schnell einen guten Namen im Dorf und wurde für die Bemalung von Gaststätten und anderen Gebäuden engagiert. Bald malte er auch Requisiten für die lokalen Theatervereine – eine grosse Leinwand zeugt noch heute im Heimatmuseum davon.

Dem Motiv der vier Dorflehrer widmete sich Thomann übrigens später künstlerisch – er malte die Herren beim Kartenspiel im ehemaligen Restaurant Engel, das direkt neben der Dorfkirche lag.

Ein Blick auf den eigenen Dachboden kann sich lohnen

Während des Ersten Weltkriegs diente Thomann als Feldweibel – Pinsel und Farben liess er jedoch nicht unangerührt. So malte er sogenannte Soldatenmarken, die verkauft wurden, um Geld für finanziell in Not geratene Soldaten einzunehmen. Auch von seinen zahlreichen Reisen brachte der Maler Skizzen und Bilder mit. Zweimal stellte er seine Werke aus – 1920 und 1923. Doch zu weiteren Ausstellungen kam es nicht mehr: Thomann starb am 8. April 1926 nach einem Motorradunfall im Spital Dornach. Er wurde nur 37 Jahre alt.

Hundert Jahre nach seinem Tod ist sein Werk in Dornach wieder ausgestellt. Einige der Bilder sind im Privatbesitz und wurden als Leihgabe für die Ausstellung zur Verfügung gestellt. «Es war nicht einfach, Bilder von Thomann zu finden», gibt Voegtli zu. Auch wenn er ein beachtliches Werk hinterlassen habe, sei sein Schaffen fast in Vergessenheit geraten. Viele seiner Bilder seien wohl aus Unwissenheit entsorgt worden, dieses Schicksal teile Thomann mit anderen lokalen Künstlern. Bei der letzten Ausstellung vor 40 Jahren seien noch rund 35 Gemälde ausgestellt worden – heuer seien es noch etwa die Hälfte,sagt Voegtli.

Doch wie das Arlesheimer Bild vom Anfang zeigt: Es finden sich noch Werke von Thomann. Vielleicht lohnt es sich also, einen Blick auf den eigenen Dachboden oder in den Keller zu werfen.

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