Ein gutes Beispiel gelungener Integration

Der tibetische Flüchtling Sanpo Doktatsang ist mit seinem tibetischen Essensstand in Dornach nach nur wenigen Jahren Aufenthalt fester Bestandteil des Dorflebens.

Zuhause in Dornach: Sanpo Doktatsang vor dem Bild des Dalai Lama.  Foto: Gilles Hauert
Zuhause in Dornach: Sanpo Doktatsang vor dem Bild des Dalai Lama. Foto: Gilles Hauert

Gilles Hauert

Seit vier Jahren lebt Sanpo Doktatsang in der Schweiz, von denen er die drei letzten in Dornach verbracht hat. Auf die simple Frage, wie es ihm hier gefalle, antwortet er spontan: «Mir gefällt es gut!». Nach kurzer Pause erzählt er mehr über die Hintergründe seines Hierseins. Er fühle sich vor allem sicher hier. Sein Vater wurde von den chinesischen Behörden verfolgt und auch er konnte nicht mehr unbehelligt in seiner Heimat Tibet leben. Alleine machte sich Sanpo auf den Weg. Zuerst zu Fuss und mit einem Lastwagen nach Nepal. Danach ging es, wie für die meisten tibetischen Flüchtlinge, mit dem Flugzeug in die Schweiz weiter.

Die Schweiz hat eine lange Tradition, tibetische Flüchtende aufzunehmen. Kurz nach der Annexion des Tibet durch China in den 1950er-Jahren wurden die Geflüchteten mit Konzerten und Jubel an den Flughäfen empfangen. Es war ein Teil des humanitären Engagements der Eidgenossenschaft in der Zeit des Kalten Krieges. Heutzutage läuft der Prozess weitaus leiser und versteckter. Sanpo erzählt, dass er schon kurz nach der Ankunft seinen Flüchtlingsausweis erhielt und sein neues Leben beginnen konnte. Mit der offiziellen Seite und den Behörden hatte er nie Schwierigkeiten. Er ist von tiefer Dankbarkeit erfüllt. Keine gespielte Demut, sondern echte Dankbarkeit. Dankbarkeit für die Möglichkeit, sein Leben neu zu beginnen, ohne in Angst zu leben.

Sanpo ergriff seine Chance

Er engagiert sich im Dorfleben und ist in der ganzen Gemeinde bekannt. Stolz erzählt er von seinem Essensstand, den er derweilen aufstellt, um original tibetisches Essen zu verkaufen. Sein Lieblingsgericht sei Momo, eine Art Teigtasche, gefüllt mit Rindfleisch und Gemüse. Es gefällt ihm, die Möglichkeit zu haben, etwas zurückzugeben und etwas von seiner Heimat zu zeigen. Es erstaunt ihn, wie offen und begeistert die Leute auf seinen Essensstand reagieren. Sanpos Stand gehört mittlerweile zum Inventar auf Weihnachtsmärkten und Dorffesten. Seinen nächsten Stand wird Sanpo auf dem Portiunkulamarkt aufstellen, und er freut sich schon darauf, seine Kreationen anzubieten.

Heimweh nach Verwandten, Freunden und Pferden

Natürlich vermisse er seine Verwandten und Freunde im Tibet. Es ist schwierig und gefährlich, Kontakt zu haben, daher hört er nur unregelmässig von seiner Familie. Das sei ein Opfer, das die Flucht mit sich bringe, fügt er mit einem Lächeln hinzu, das man nicht deuten kann. Er will aber nicht mit diesem traurigen Aspekt schliessen. Für ihn ist das nun mal der Preis der Flucht und des Neuanfangs. Sanpo ist es wichtig, nicht zu trauern, sondern sich mit seinem Engagement für Neues einzusetzen und etwas zurückzugeben für die Wärme und Unterstützung, die ihm in Dornach entgegengebracht wurde. Nur etwas vermisse er, fügt er an, er würde so gerne wieder reiten.

 

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