Ein emotionales Ja

Eine einzelne Stimme gab den Ausschlag, die ­Finanzverwaltung sowie die Einwohner­kontrolle und Kanzlei samt Schalter nach Hochwald auszulagern.

Überlastetes Personal, zu wenig Mittel: Die Zusammenarbeit mit Hochwald käme die Gemeinde Gempen deutlich günstiger, so der Gemeinderat. Foto: Benedikt Kaiser
Überlastetes Personal, zu wenig Mittel: Die Zusammenarbeit mit Hochwald käme die Gemeinde Gempen deutlich günstiger, so der Gemeinderat. Foto: Benedikt Kaiser

Die ausserordentliche Gempner Gemeindeversammlung von letztem Montag war eine knappe Angelegenheit: Mit 32 zu 31 Stimmen bei 12 Enthaltungen entschloss sich die Versammlung dazu, die Leistungsvereinbarung zur Auslagerung von Finanzverwaltung sowie Einwohnerkontrolle und Kanzlei samt Schalter nach Hochwald anzunehmen. Dem Entscheid vorausgegangen war eine hitzige Diskussion. Eine laute Minderheit der an der Versammlung anwesenden Bevölkerung sträubte sich in zahlreichen Wortmeldungen grundsätzlich gegen eine Kooperation mit Hochwald. «Nehmen wir die Auslagerung an, können wir gerade so gut mit Hochwald fusionieren!», hiess es etwa.

Der Gemeinderat musste sich auch den Vorwurf gefallen lassen, in der Vergangenheit bei der Personalführung rund um die Finanzverwaltung sowie Einwohnerkontrolle und Kanzlei versagt zu haben: «Das Personal ist einfach zu wenig qualifiziert – wieso wurde nicht früher etwas gemacht?» Diese Wortmeldungen liessen die Befürworter der Zusammenarbeit mit Hochwald nicht so stehen. Sie plädierten für Wertschätzung gegenüber der geleisteten Arbeit der Mitarbeiter. «Das Personal macht, was es kann!» Es sei mittlerweile einfach zu viel Arbeit für zu wenig Leute.

Zwei Modelle zur Auswahl

Gemeindepräsidentin Eleonora Grimbichler (Freie Liste Gempen) war während der ganzen Versammlung darauf bedacht, die aufgebrachten Gemüter zu beruhigen. Unterstützt von den restlichen Mitgliedern des Gemeinderats, hielt sie wiederholt fest, dass die Ist-­Situation in der Verwaltung nicht zukunftsfähig sei. «In erster Linie brauchen wir eine Lösung – entweder in Form einer Aufstockung der eigenen Verwaltung oder einer Zusammenarbeit mit Hochwald.» Vizepräsident Roman Baumann (FDP) verdeutlichte den Anwesenden die Vor- und die Nachteile der zwei Modelle. «Eine professionelle Gemeindeverwaltung in Gempen würde einen Mehrwert bringen, doch sie bedarf finanzieller Investitionen.» So fielen bei einer Eigenlösung mindestens 240000 Franken pro Jahr plus die ­Löhne der drei Sachbearbeiter an, während die Zusammenarbeit mit Hochwald Gempen mit jährlich rund 182000 Franken circa 20000 Franken billiger käme als die heutigen Verwaltungskosten.

Auffallend viele Enthaltungen

In der folgenden Abstimmung über die Anpassung der Gemeindeordnung, die für eine zu diesem Zeitpunkt noch potenzielle Auslagerung nach Hochwald nötig war, setzten sich die Auslagerungsbefürworter mit 61 zu 8 Stimmen bei sechs Enthaltungen durch. Weil darauffolgend sowohl das Auslagerungsmodell mit Schalter in Gempen (37 zu 12, 26 Enthaltungen), als auch das Modell mit Schalter in Hochwald (44 zu 18, 13 Enthaltungen) angenommen wurden, kam es zur eingangs angesprochenen Gegenüberstellung, die die Befürworter des Schalters in Hochwald mit einer Stimme Vorsprung für sich entschieden. Ebenfalls mit 55 zu 3 Stimmen (17 Enthaltungen) angenommen wurde der Antrag des Gemeinderats, ihm die Ermächtigung für die Prüfung des Aufbaus einer gemeinsamen Bauverwaltung mit Hochwald zu erteilen.

Gemeindepräsidentin Grimbichler zeigte sich nach den Abstimmungen überwältigt: «Das ist ein besonderer Moment für Gempen.» Es sei ein wenig unglücklich, dass der Entscheid über den Schalter am Schluss so denkbar knapp ausgefallen sei. «Ein Teil der Stimmberechtigten hat sich der Stimme enthalten. Es bleibt offen, ob diejenigen sich lediglich nicht festlegen wollten oder ob sie hin- und hergerissen waren. Allenfalls wäre die Teilnahme bei einer geheimen Abstimmung höher gewesen. Ein entsprechender Antrag oder auch ein Antrag auf Urnenabstimmung sollte jedoch von den stimmberechtigten Einwohnerinnen und Einwohner kommen und nicht seitens Gemeinderat», sagt sie auf Nachfrage. Umso mehr stehe der Gemeinderat jetzt in der Verantwortung, für eine saubere Umsetzung der Pläne zu sorgen.

Ganz in trockenen Tüchern ist die von Gempen beschlossene Auslagerung aber noch nicht: Für das Inkrafttreten der Leistungsvereinbarung braucht es nach wie vor die Zustimmung der Gemeindeversammlung Hochwald.

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