Die Kunst vom Krempel getrennt

Hat dieses verstaubte Ding noch einen Wert? Und welchen? Das Heimatmuseum Schwarzbubenland hat am Sonntag einen Schätztag veranstaltet.

Unter die Lupe genommen: Antiquitätenhändler Philippe Gasser begutachtet die vom Ehepaar Kunz mitgebrachten Kerzenständer.
Unter die Lupe genommen: Antiquitätenhändler Philippe Gasser begutachtet die vom Ehepaar Kunz mitgebrachten Kerzenständer.

Anlässlich des Internationalen Museumstages hat das Heimatmuseum Schwarzbubenland in Dornach einen Schätztag durchgeführt: Interessierte waren aufgerufen, alte Bücher, Schmuck, Bilder, Münzen oder Spielsachen mitzubringen und sie von fachkundigen Augen begutachten und in ihrem Wert schätzen zu lassen. Alle Arten von Gegenständen waren willkommen – einzige Bedingung: Der Gegenstand musste von Hand tragbar sein. «Ich hatte schon lange die Idee, einen solchen Schätztag durchzuführen», sagt Hans Vögtli, Präsident des Stiftungsrats des Museums. Vorbilder gibt es dazu reichlich, etwa die vom Bayrischen Rundfunk seit 1985 ausgestrahlte Kultsendung «Kunst und Krempel». Als Experten konnte Vögtli einen Buchantiquar aus Dornach, einen Numismatiker aus Weil am Rhein sowie einen Antiquitätenhändler aus Basel gewinnen. Für das Museum sei ein solcher Tag auch eine Gelegenheit, auf sich aufmerksam zu machen: «So können wir vielleicht Menschen ins Museum locken, die sonst nicht kommen würden», sagt Vögtli.


Alles andere als Krempel

Heidi und Guido Kunz wohnen in der Nachbarschaft des Museums und packten die Gelegenheit beim Schopf: Sie brachten zwei alte, silberne Kerzenständer aus dem Besitz ihrer Familie mit. Jahrelang seien die Leuchter verpackt und ungebraucht zu Hause in einem Schrank gelegen. «Beim Räumen des Schrankes habe ich sie entdeckt und wollte sie schon wegwerfen, doch meine Frau fand, dass sie möglicherweise etwas wert sind. Ich selber kenne mich nicht aus in solchen Dingen», berichtet Guido Kunz. Antiquitätenhändler Philippe Gasser nahm die Erbstücke genau unter die Lupe: «Anhand der Eingravierungen lässt sich erkennen, dass die Stücke in München im Jahre 1776 angefertigt wurden. Auch die Formen sind typisch für jene Zeit, den Spätbarock.» Kerzenständer dieser Art seien damals als Nachtleuchten verwendet worden, was am tellerförmigen Sockel zu erkennen sei: «Diese Tropfteller konnte man mit Wasser füllen. So versuchte man, Brände zu verhindern – denn die Kerzen brannten ja häufig unbeaufsichtigt die ganze Nacht.» Besonders wertvoll seien die Ständer aber wegen ihrer Herkunft: «Silber aus München von damals ist relativ selten. Zudem sind die Ständer sehr schön angefertigt», so Gasser. Das Urteil des Experten: Diese zwei Kerzenständer, die Herr Kunz um ein Haar entsorgt hätte, haben einen Schätzwert von 2000 Franken. «Es freut uns, dass wir heute so etwas sehen durften. Es sind wirklich gute Antiquitäten.»

Guido und Heidi Kunz wissen noch nicht, ob sie die Ständer verkaufen oder behalten wollen. Ein kleines Erlebnis war für sie dieser Schätztag auf jeden Fall: «Es ist faszinierend, was diese Experten aus Formen und Symbolen alles lesen können», staunt Guido Kunz.


Boomjahre sind vorbei

Auch wenn der Schätztag für das Museum wohl ein Erfolg war, sind die grossen Jahre des Antiquitätenhandels vorbei: «Sowohl in der Schweiz als auch in Deutschland ist die Nachfrage zurückgegangen», sagt Gasser. Vor 30 Jahren erlebte die Antiquitätenbrache ihren Boom: «In gewissen bürgerlichen Kreisen war eine Antiquität auch ein Statussymbol. Das ist heute vorbei.» Für kleinere Dinge, wie etwa die Kerzenständer von Heidi und Guido Kunz, liessen sich aber immer Interessenten finden.

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