«Bitte berühren und mit allen Sinnen erkunden»

Norbert Roztocki aus Dornach stellte 2016 beim Unteren Zielweg seine zweite Spielskulptur aus. Unterdessen ist seine Moveart GmbH dank der Dornacher Starthilfe ein international agierendes Unternehmen.

An der RagARTz: Künstler Norbert Roztocki in seiner Skulptur «Eye», die am 8. Mai eingeweiht wurde. Foto: ZVG
An der RagARTz: Künstler Norbert Roztocki in seiner Skulptur «Eye», die am 8. Mai eingeweiht wurde. Foto: ZVG

Joseph Beuys, der dieses Jahr seinen 100. Geburtstag feiern könnte, benutzte in Anlehnung an die Anthroposophie den Begriff der «Sozialen Plastik» oder der «Sozialen Skulptur». Auch Norbert Roztocki spricht von «Social sculpture technology» (Technik/Methode der Sozialen Skulptur). Im Gegensatz zu Beuys, der den Anspruch unhinterfragbarer Genialität vor sich hertrug, ist Norbert Roztocki ein Ausbund an Bescheidenheit. «Ich bin im Grund nicht Designer. Ich verstehe mich vielmehr als Hebamme und bediene mich einer göttlichen Sprache.» Diese Sprache ist die Sprache der Doppelhelix, der die DNA als Ursprung des Lebens zugrunde liegt. Es gibt eine vertikale Achse und spiralförmig angeordnete Flächen, die einen Raum bilden. Das Grundprinzip setzt sich zusammen aus Fläche, Konkavem und Konvexem. Anders als viele Künstler, die mit der Schule für Gestaltung beginnen und erst später geisteswissenschaftliche Fragen stellen, hat Roztocki Kulturanthropologie und Philosophie studiert. Von hier kam er zur Idee sozialer Begegnungsorte, die sowohl ästhetisch als auch funktional sind. Dies ist zum Verständnis seiner Skulpturen, die einen grossen Wiedererkennungseffekt haben, von zentraler Bedeutung.

Von der Fotografie zur Skulptur

Mit 13 Jahren begann Roztocki zu fotografieren, zwei Jahre darauf hatte er bereits seine erste Einzelausstellung. Bevor er 30 Jahre alt war, blickte er schon auf 40 Einzelausstellungen zurück. «Nach drei Jahren bildhauerischer Tätigkeit stellte ich fest, dass die statischen Formen nicht ausreichen, mich auszudrücken», schreibt er. «Meine neue Idee war herauszufinden, wie passive Zuschauer in aktive Teilnehmer verwandelt werden können.» Die fünfte, soziale Dimension kam ins Spiel: «Bitte berühren und mit allen Sinnen erkunden.» Norbert Roztockis Werke werden erst durch die Menschen, die sie bespielen, zu Sozialen Skulpturen. 150 Projekte hat Moveart schon realisiert: in der Schweiz, in Deutschland, Dänemark, England, Norwegen, Spanien sowie in Dubai, Australien und in den USA. Werbung braucht Roztocki nicht zu machen; seine Idee spricht sich herum. Roztocki hat schon mehrere Preise erhalten, unter anderem den European Product Design Award Gold 2018 und den German Design Award Special 2019.

Für eine neue Öffentlichkeitskultur

Mit den Sozialen Skulpturen sollen weltweit erstmals funktionale Kunstwerke aufgestellt werden, die die generationenübergreifende Kommunikation ermöglichen. Die aus ökologischem Accoya-Holz gefertigten, langlebigen und sicherheitsgeprüften Objekte werden immer nach Absprache mit einer Gemeinde oder einer Institution entworfen. In der triennalen Skulpturenausstellung «Bad RagARTz», die am 8. Mai eröffnet wurde, ist Roztocki einer von 83 Kunstschaffenden aus 16 Ländern. Er zeigt dabei die Skulpturen «Eye» und «Circle».

Für den urbanen Raum und im Projekt «moveart smartcity» hat der Künstler tiefergelegte Skulpturen vorgesehen. Hier können Kinder spielen, Menschen verweilen, essen, am Computer arbeiten usw. Roztockis Devise heisst: «Der Zweck von Moveart ist es, den Prozess der Gemeinschaftsbildung in der Gesellschaft zu fördern.» Das wird gerade nach Corona bitter nötig sein. Roztocki ist der Gemeinde Dornach und den damaligen Sponsoren noch immer dankbar für ihre Starthilfe. www.moveart.swiss

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