Renaissance der «Apotheke Gottes»

Pilze, Kompost und Käfer im Fokus: Mit dem Projekt «Holy Wow!» rückt das Kloster Dornach den Garten ins Zentrum. Morgen findet die Vernissage für das Frühlings­programm statt.

Der Frühling macht den Anfang: Mit «Holy Wow!» stellen die beiden Kuratorinnen Julia Sommerfeld (l.) und 
Barbara van der Meulen den Klostergarten ins Zentrum. Foto: Jeannette Weingartner

Der Frühling macht den Anfang: Mit «Holy Wow!» stellen die beiden Kuratorinnen Julia Sommerfeld (l.) und Barbara van der Meulen den Klostergarten ins Zentrum. Foto: Jeannette Weingartner

Kräuter, Blumen und bald auch Reben: Der Garten hinter dem Kloster wird von ­Freiwilligen gepflegt. Foto: Jeannette Weingartner

Kräuter, Blumen und bald auch Reben: Der Garten hinter dem Kloster wird von ­Freiwilligen gepflegt. Foto: Jeannette Weingartner

Vergangene Zeiten: Kapuziner im Klostergarten. Foto: Provinzarchiv CH Kapuziner

Vergangene Zeiten: Kapuziner im Klostergarten. Foto: Provinzarchiv CH Kapuziner

Destillation von Kompost: Beim Kunstprojekt von Claudia Vogel kommt getrocknetes und gebügeltes Küchenpapier zum Einsatz. Foto: Jeannette Weingartner

Destillation von Kompost: Beim Kunstprojekt von Claudia Vogel kommt getrocknetes und gebügeltes Küchenpapier zum Einsatz. Foto: Jeannette Weingartner

Zahlreiche Obstbäume hinter den Klostermauern, dicht aneinandergereiht, darunter in grossen Buchstaben das Wort «Dornach»: Aktuell schmückt eine Abbildung aus dem 17. Jahrhundert das Restaurant im Kloster Dornach und stimmt Besuchende auf das Thema der Ausstellung in diesem Jahr ein. «Den Klostergarten neu entdecken» lautet das Motto des interdisziplinären Ausstellungsprojekts «Holy Wow!», das morgen Freitag mit einer Vernissage eingeläutet wird.

«Der Klostergarten ist nicht irgendein Garten», erklärt Barbara van der Meulen, Co-Kuratorin der Ausstellung und Programmleiterin des Klosters. Er sei in der Geschichte immer wieder als «Paradies auf Erden» oder – wegen der Heilkräuter – als «Apotheke Gottes» bezeichnet worden Mit dem Projekt soll nun die klösterliche Vergangenheit des Gartens ergründet werden, gleichzeitig liegt der Fokus auf der Gestaltung der Gegenwart und Zukunft.

Bereits beim Empfang klebt das erste Blumenmotiv auf dem Fussboden, im Flur und auf der Treppe die nächsten. Wer den Blumen folgt, wird so durch alle Ausstellungselemente geführt. Im ersten Stock wird gerade ein Hotelzimmer als «Studi­olo» – ein Studier- oder Arbeitszimmer – inszeniert. Auf dem Tisch und an der Wand sind Gläschen, Werkzeuge und getrocknete Pflanzen verteilt. «Das Zimmer soll so aussehen, als ob noch ein Kapuziner darin lebte und arbeitete», erklärt Julia Sommerfeld, die gemeinsam mit van der Meulen die Ausstellung kuratiert.

Hommage an Mäzenin

Im Kreuzgang trifft Kunst auf Geschichte: Neben historischen Fotos und Abbildungen gibt es in Wachs getauchte Darstellungen von Pilzen, naturalistisch und präzise dargestellte Aquarelle von Heilpflanzen und ein Kunstprojekt, das mittels Destillation von Kompostabfällen hergestellt wurde. Bei einem Rundgang durch den Garten wird klar, dass die Ausstellungsstücke nicht zufällig gewählt worden sind: Im hinteren Teil des Gartens gibt es neben dem Kompost nämlich ein «Pilz-Multiversum».

«Im Fokus stehen bei der Gestaltung des Gartens vor allem auch Biodiversitätsthemen», erklärt Julia Sommerfeld, die sich auf Kunstvermittlung für Nachhal­tige Entwicklung spezialisiert hat. Bei einem Rundgang durch den Garten hält sie als Erstes neben dem historischen Teil mit den Obstbäumen an einem Ort an, den das freiwillige Gartenteam «Little Wilderness» getauft hat: Lautes Summen dringt aus einem Insektenhotel, eine neue Hecke bietet Nisträume für Vögel und auf einem Steinhaufen sonnen sich kleine Reptilien. Weiter entlang der Klostermauer gibt es eine Samentauschbörse, daneben eine Bank, auf der man sich Poesie anhören kann. In der Mitte des Gartens wachsen zahlreiche Heil- und Küchenkräuter, die sogleich auch in der Restaurantküche zur Verwendung kommen.

So auch an der morgigen Auftaktveranstaltung: Um 18 Uhr startet offiziell das Frühlingsprogramm, zu dem die Solothurner Künstlerin Aline Stalder für eine Food-Performance besondere Fladenbrote backen wird. Besuchende können auf dem Klostergelände Pesto auf ihre Brote pinseln lassen, die mit Kräutern aus dem Klostergarten hergestellt wurden. Auf dem Gebäck werde ein Rad zu sehen sein, erklärt van der Meulen. Das solle an das Wappen der Familie von Maria Magdalena von Roll erinnern, deren Legat damals die Gründung des Klosters ermöglichte.

Vier Jahreszeiten, vier Programme, vier Feste

Für dieses Jahr wurde für alle vier Jahreszeiten je ein Programm zusammengestellt und passend dazu vier Feste geplant. Neben Stalder beteiligen sich zahlreiche andere lokale Kunstschaffende an der Frühlingsausgabe, so etwa die Münchensteiner Biologin und Künstlerin Florianne Koechlin, Sandra Löwe vom Sprachhaus M oder Andrea Wolfensberger aus Waldenburg. Der Frühling wird am 25. Mai gebührlich mit einem gemischten Programm – darunter Heilpflanzenworkshops, Rundgänge und ein Konzert – gefeiert, bevor dann im Juni die Sommersaison startet.

«Holy Wow! Den Klostergarten neu entdecken», 19. April bis 30. November. Geöffnet Mo bis Sa, 8 bis 22 Uhr; So, 8 bis 18 Uhr.

klosterdornach.ch

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