Philosophin engagiert sich für den Erhalt von Heimat
Kaum jemand in der Region weiss, dass «Im Baumgarten» auf dem Gempner Gemeindegebiet eine bedeutende Professorin der Philosophie lebt und arbeitet.

Angelika Krebs ist eine Koryphäe auf dem Gebiet der praktischen Philosophie. Sie studierte nicht nur im benachbarten Freiburg im Breisgau und in Konstanz, sondern hatte auch an den renommierten Universitäten Oxford und Berkeley Einzelunterricht bei philosophischen Grössen. Ihre Doktorarbeit war ein Bericht an die UNO über die ethische Lage der Natur. 2001 wurde sie Nachfolgerin von Annemarie Pieper auf dem Lehrstuhl für praktische Philosophie in Basel. 2005 bis 2006 war sie als Gastwissenschafterin am Zentrum für menschliche Werte der Universität Princeton tätig.
Einige Zeit wohnte sie in Basel in der Nähe des Zolli, bis sie bei einem Spaziergang den Bauernhof unterhalb der Gempenfluh entdeckte und sich gleich in diesen Ort verliebte. Angelika Krebs ist ein Naturmensch. Immer mehr entwickelte sie eine Abneigung gegen den sogenannten Elfenbeinturm, gegen eine rein akademische, lebensfremde Philosophie mit ihren Gedankenspielereien. «Ende der 1980er-Jahre kam die Frage auf, ob wir in Bezug auf die Natur wirklich alles machen dürfen, was wir machen können», sagt sie, «das Feld der Naturethik war damals noch völlig neu und nicht so abgegrast wie die meisten Themen in der Philosophie.»
Wo ist die Lobby für die schöne Landschaft?
«Neben dem technischen, instrumentellen Zugriff auf die Natur steht der ästhetische», so Krebs. Für sie ist der ästhetische Blick auf die Natur keine bloss subjektive Angelegenheit. Die schöne Landschaft ist objektiv schön. Die Natur spricht zum Menschen, heilt ihn, lässt in ihm die Gefühle von Liebe und Ehrfurcht, von Heimat und Heiligkeit aufsteigen. Dieser Aspekt der Landschaft gehe heute weitestgehend vergessen. «Wenn wir uns auf die Stimmung einer Landschaft einlassen, entwickelt sich mehr als Empathie gegenüber der Natur, es entwickelt sich Sympathie, also Mitleid und Mitfreude. Wie wenn wir gute Literatur lesen, so geraten wir auch in dieser Resonanz zur Landschaft in ein moralisches Verhältnis.» Angelika Krebs stört sich daran, dass die schöne Landschaft, obwohl sie doch ein notwendiger Teil des guten menschlichen Lebens ist, in der Politik keine grosse Lobby hat.
«Das Weltbild der Igel» – ein Zugang von unten
Die Philosophin ist gegen die Vorherrschaft der berechnenden Weltbemeisterung, bei der der Mensch im Zentrum steht. Sie plädiert in ihrem neuen Buch «Das Weltbild der Igel» (der Titel ist eine Hommage an den Frankfurter Schriftsteller Peter Kurzeck) für eine «ästhetische Ökozentrik». Vereinfacht heisst das: Die ganze Natur muss unter dem Gesichtspunkt der Schönheit zu einem Mittelpunkt unserer Welt werden. Sowohl Naturlandschaften als auch Kulturlandschaften ermöglichen ästhetische Erfahrungen. Heute aber sind unsere Landschaften zersiedelt, homogenisiert, entpersönlicht. Kurz: Sie sind nicht mehr als Gegenüber, als Du, wahrnehmbar.
Wo wir früher im Heimatort noch das Gefühl der Geborgenheit entwickeln konnten, kommt am selben Ort oft nur noch ein Gefühl von Entfremdung und «Entheimatung» auf. Angelika Krebs ruft in ihrem Buch eindringlich auf zur Selbstkritik und zu einer neuen Haltung, einem Wandel des Herzens.