«Wenn ich ein Schweizer werde, gibt es einen Ausländer weniger»

Mateo Gudenrath, Benjamin Delahaye und Leila Ladari brachten Stand-up-Comedy in den Kulturzirkus Arlesheim.

Der Moderator: Mateo Gudenrath stimmte das Arlesheimer Publikum auf die Gäste ein. Foto: Caspar Reimer
Der Moderator: Mateo Gudenrath stimmte das Arlesheimer Publikum auf die Gäste ein. Foto: Caspar Reimer

Comedy zum Krieg in der Ukraine — geht in Arlesheim nicht. Dies hat sich womöglich Mateo Gundenrath, junger Basler Comedy-Aufsteiger und Gewinner eines entsprechenden Swiss Talent Awards, gedacht, als er am vergangenen Donnerstag im Kulturzirkus Arlesheim unter dem Titel «Stand Up Comedy» durch den Abend führte. Seine satirisch gemeinten Tipps an die ukrainische Armee im Kampf gegen Russland zündeten beim Publikum nicht. Weit besser kam er an, wenn er sich in regionalen Themen versuchte — vor allem Seitenhiebe nach Dornach sorgten für allgemeine Belustigung: «Die Badi in Dornach heisst Glungge, ernsthaft? Das sagt ja schon alles.» Auch Witze über den angeblichen Reichtum der Arlesheimer, die «nur ab und zu ein bisschen arbeiten müssen», kamen beim Publikum gut an. Skurril mutete eine Anekdote aus Dresden an: «Dort haben ein paar Jugendliche ein Tram gestohlen. Wie blöd muss man eigentlich sein, frage ich mich. Da weiss die Polizei doch immer gleich, wo man ankommt.»

Ein lustiger Franzose

Als Gast hatte Gundenrath den mit seiner Familie in der Schweiz lebenden Fran­zosen Benjamin Delahaye eingeladen: «Mein Leben in der Schweiz ist viel besser als in Frankreich, viel spannender. Wenn ich ein Drama möchte, brauche ich nur eine Waschmaschine um 10 Uhr abends anzuschalten. Dann stehen plötzlich alle Nachbarn in meinem Wohnzimmer und ich bin integriert.» Auch seine Bemühungen um Einbürgerung nahm er auf die Schippe: «Zu den Leuten der SVP habe ich gesagt: Wenn ich ein Schweizer werde, gibt es einen Ausländer weniger.» Delahaye gab auch Interessantes aus seinem Familienleben preis: Seine Frau hatte entdeckt, dass sein 8-jähriger Sohn das Wort «Vagina» in der Google-Bildersuche eingegeben hatte. «Ich war stolz, dass mein Sohn dieses Wort bereits ­buchstabieren kann. Das schweizerische Schulsystem ist viel besser als das französische.» Statt seinen Sohn aber aufzuklären, wie es die Mutter verlangte, zeigte er seinem Sprössling, wie er den Verlauf des Browsers löschen könne.

Hartes Pflaster

Zum Abschluss betrat Leila Ladari die Bühne. Die Comedienne ist «halb Schweizerin, halb Österreicherin, halb Tunesierin» und widmet sich der Stand-up-­Comedy und der Schauspielerei: «Für alle, die nicht wissen, was Schauspieler bedeutet: Ich arbeite als Kellnerin, als Putzfrau oder sogar als Prostituierte. Einmal im Jahr darf ich dann in einem Werbespot auftreten.» Die Schauspielerei ist aber ein hartes Pflaster und manchmal klappt es nicht einmal mit den Werbespots: «Im Spot für Lidl musste ich am Herd stehen und so tun, als ob ich kochen könne. Noch vor Ausstrahlung des Sports rief man mich an und sagte mir, dass der Spot gecancelt werde. Er sei nicht mehr zeitgemäss. Der Feminismus hat mich rausgeworfen!» Leila Ladari war in London Finalistin des Rising Star New Act of the Year 2019 Comedy-Preises. Seitdem ist sie international auf Bühnen wie dem «Zelt», dem «Bill Murray London» und dem «Comedy Haus» in Zürich unterwegs.

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