Von der Beizenküche zurück auf den Rasen

Auf den Plätzen der Sportanlagen In den Widen und Hagenbuchen braucht es guten Rasen für beste Leistungen. Verantwortlich dafür ist der Arleser Niggi Kunz.

Mehr als nur Rasenmähen: Niggi Kunz in seinem Fuhrpark.  Foto: Axel Mannigel
Mehr als nur Rasenmähen: Niggi Kunz in seinem Fuhrpark. Foto: Axel Mannigel

Es ist Ende 2020, ein Tag zwischen den Jahren, wie es so schön heisst. Nikolaus «Niggi» Kunz trägt Weihnachtsdeko aus dem Klubhaus des FC Arlesheim. Er sei gleich da, ruft er und ergänzt wenige Augenblicke später strahlend: «So bin ich eben, wenn es vorbei ist, muss es weg.» Ein Mann der Tat, der viel erlebt und viel geleistet hat in seinem 56-jährigen Leben.
Seit 2008 ist er Platzwart beim FC Arlesheim. In dieser Funktion pflegt er auf den Sportanlagen «In den Widen» und «Hagenbuchen» mit einem ganzen Fuhrpark und einem akribischen Pflegeplan über 30000 Quadratmeter Rasen und Flächen. «Manche Menschen denken ja, als Platzwart fahre man lustig mit dem Rasenmäher herum und fertig, was natürlich so nicht stimmt», stellt Kunz klar. Der Rasen ist ein sensibles Wesen, das gehegt und gepflegt werden möchte, wenn die Leistung auf dem Platz stimmen soll. Neben dem offensichtlichen Mähen wird der Rasen gedüngt, geschlitzt (Luft), vertikutiert (Lockerung), gestriegelt (Abräumen von totem Gras) und aerifiziert (Löcher für Luft und Lockerung). Weitere Arbeiten sind unter anderen das Abschleppen, die Nachsaat, die Neuverlegung von Rasen und Linien ziehen. Mit dieser Komplexität an Arbeiten ist Niggi Kunz auch in Corona-Zeiten gut beschäftigt.


Fussball, Küche, USA
Angefangen hat alles in einer Zeit, da war Covid-19 noch ein Fremdwort. Kunz, in Arlesheim geboren und aufgewachsen, war schon als Jugendlicher auf dem Fussballplatz zu Hause. In der Funktion des Aussenläufers spielte er 1983 als 18-Jähriger schliesslich beim FC Nordstern in der 1. Liga unter Karli Odermatt. «Vielleicht hat er mich geholt, weil ich blond war wie er, oder eben, weil ich schnell war», lacht Kunz. Während dieser Zeit absolvierte er eine Kochlehre bei seinem Vater Felix, der damals in Arlesheim das Restaurant S´Chemmi sowie das Hotel Eremitage betrieb.

Kunz erinnert sich: «Das war nicht so einfach, da ich ja 1. Liga spielte und eigentlich abends als Koch hätte arbeiten müssen.» Der Vater erlaubte aber dem Sohn die Arbeit am Tag, sodass Niggi abends trainieren konnte. Nach der Lehre und auch dem Weggang von Odermatt von Nordstern machte sich Kunz zusammen mit einem Fussballkollegen in die USA auf, wo er knapp zehn Jahre blieb.


Intensives Beizenleben
Nach einer Zeit des Abenteuers kehrte Niggi Kunz Ende der 90er-Jahre nach Arlesheim zurück, um den Betrieb
seiner Eltern zu übernehmen. Nebenbei stellte er das «S´Chemmi» wieder auf die Beine und führte es unter dem neuen Namen rund elf Jahre lang als Restaurant und Sport-Bar. «Die Idee war, einen coolen und gemütlichen Ort zu schaffen, wo jeder jeden kannte.»

Nach vielen Jahren intensivem Beizenleben hatten Kunz und seine Frau jedoch irgendwann genug und gingen in eine andere Richtung. Kunz quasi zurück auf den Rasen, seine Frau Liba betreibt seit ein paar Jahren im Industriegebiet den Gourmet-Grill-Imbiss. Kunz, das wird aus seinen Schilderungen deutlich, ist immer mit Herzblut bei der Sache, egal, was er tut.

Ob als Poolreiniger und Gärtner in den USA, als Hotel- und Beizenbesitzer, als Trainer (aktuell der Damenmannschaft des FC Arlesheim) oder eben als Platzwart. Als Letzterer hat er auch in Covid-19-Zeiten genug zu tun, denn «der Rasen interessiert sich nicht für Corona». Die Anlage sei inzwischen in die Jahre gekommen und es bräuchte eigentlich eine Auswechslung. Niggi Kunz mit seiner Liebe zum Geruch von geschnittenem Gras hofft sehr, dass er die Installation einer neuen noch aktiv erleben darf.

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