Eine Volksbühne im Setzwerk

Die Theater Company Arlesheim erarbeitet ein Stück, das während der Zeit des Frauenstreiks in der Spinnerei Schappe anno 1945 spielt. Doch soll das erst der Anfang für ein neues Arlesheimer Kunstbijou sein.

Startschuss: Andrea Pfaehler und Patrick Tschan entwickeln ein Projekt, das Arlesheim für die Zukunft kulturell bereichern soll. Foto: Caspar Reimer
Startschuss: Andrea Pfaehler und Patrick Tschan entwickeln ein Projekt, das Arlesheim für die Zukunft kulturell bereichern soll. Foto: Caspar Reimer

Mit der neu gegründeten Theater Company Arlesheim bekommt das malerische Dorf an der Ermitage zwei Dinge in einem Zug – einerseits einen professionell geführten Theaterkurs für Neugierige, andererseits ein Volkstheater, das jedes Jahr ein Stück auf die Bühne im Setzwerk bringt. «Die Zuschauerinnen und Zuschauer sollen während der Vorstellung sogar etwas essen können», verrät Gründerin und Leiterin des Projekts, die Arlesheimerin Andrea Pfaehler. Der bereits ausgebuchte, wöchentlich stattfindende Theaterkurs beginnt am 9. März, das daraus entwickelte Bühnenstück wird im Oktober dreimal zu sehen sein.

Pfaehler, langjährige Schauspielerin, Theaterpädagogin und Regisseurin, ist vielseitig tätig – so gerade als Initiantin für die Basler Vorfasnachtsveranstaltung Pfyfferli im Fauteuil am Spalenberg. Obwohl die 54‑Jährige zeitweise in Zürich und in Deutschland gelebt und gearbeitet hatte, zog es sie zurück nach Arlesheim, wo sie seit 28 Jahren lebt. In der Umgebung hat sich Pfaehler ab 2014 als Leiterin des Projekts Junge Bühne – eine Theatergruppe für Menschen zwischen 15 und 25 Jahren – einen Namen gemacht. «Mit dieser Gruppe führten wir jedes Jahr ein Stück im Goetheanum auf. Leider hat sich das Projekt während der Pandemie aufgelöst», erzählt sie.

Bei einem Gespräch mit Svetlana Ehinger, Mitglied der Arlesheimer Kulturkommission, hat nun der Funke gezündet, ein Arlesheimer Theaterprojekt wieder aufzunehmen. «Damit sich für die Besetzung des Stückes mehr Möglichkeiten bieten, habe ich mich entschieden, eine gemischte Gruppe aus Jugendlichen und Erwachsenen aufzubauen. Ich finde es spannend, wie die verschiedenen Generationen voneinander lernen.» Die Gruppe habe sich nach dem Aufruf im Herbst 2025 rasch formiert, das Interesse sei gross gewesen.

Geschichte erzählen

Dabei bringt die Theater Company Arlesheim ein Stück Lokalgeschichte auf die Bühne – dies aber keinesfalls in einem dokumentarischen Sinne, sondern als unterhaltsames Theater «vom Boden, von den Menschen her», wie es Schriftsteller Patrick Tschan ausdrückt. Er und Pfaehler hatten sich im Rahmen der Arbeiten zum Theater Zünder, für welches Tschan die Geschichte schrieb, in Dornach kennengelernt. «Sie rief mich an, erzählte mir von ihrer Idee und fragte, ob ich als Autor mitmachen wolle», erzählt Tschan. Die beiden steckten ihre Köpfe zusammen, brüteten darüber, welches Thema sich für Arlesheim anbieten würde, und kamen dabei auf den Frauenstreik in der Spinnerei Schappe, der ersten Fabrik im Kanton Basel-Landschaft, im Jahr 1945: Nach dem Krieg ging es in der Textilbranche aufwärts, doch die Reallöhne wurden auf dem Niveau der krisenreichen Dreissigerjahre belassen. Gerade Arbeiterinnen verdienten nur gerade 76 Prozent von dem, was männliche Kollegen bekamen. «Diese Missstände führten zu einem Streik, an dem sich rund 400 Arbeiterinnen beteiligten. Dies ist das historische Umfeld, in dem die Geschichte spielt», so Tschan.

Einblick in Theaterarbeit

Überhaupt biete Arlesheim «viel Stoff» für Geschichten, und Pfaehler ergänzt: «Man könnte jedes Jahr ein Theaterstück machen, welches ein Arlesheimer Thema aufgreift.» Pfaehler hat denn auch die Absicht, das Projekt Theater Company Arlesheim über dieses erste Jahr hinaus weiterzuführen. «Es soll ein längerfristiges Projekt für Arlesheim werden.» Ziel sei es, die Theater Company zu einer festen Grösse im Kulturprogramm zu entwickeln.

26 Theaterinteressierte werden ab März im Setzwerk Arlesheim ihrer Kreativität freien Lauf lassen. «Ich werde bei einigen Proben dabei sein, um herauszufinden, welche Rolle zu welchem Schauspieler passt. Das ist ein interessanter Prozess», so der Schriftsteller. Dabei gehe es aber nicht einzig darum, das Stück einzuüben, wie Pfaehler erzählt: «Wir machen auch grundsätzliches Schauspieltraining mit Improvisation, Fechten oder Singen.»

Die Projektleiterin wird dabei unterstützt – etwa von den Kunstschaffenden Ronja Katzman für Tanz, Jonathan Bötticher für Gesang und Torsten Blanke fürs Fechten. «Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer bekommen so einen gesamthaften Einblick in die Theaterarbeit.» Spezielle Vorkenntnisse brauchten die Schauspielerinnen und Schauspieler nicht. «Neugierde und Mut. Das ist alles, was man mitbringen sollte.»

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