Sängerin zwischen Kunst und Kommerz

Die in Arlesheim gross gewordene Sängerin begeistert in der Oper «The Telephone» im Neuen Theater am Bahnhof und in der RTL-Show «Das Supertalent» das Publikum gleichermassen.

Geniesst den Applaus: «Supertalent»-Kandidatin Sylvia Heckendorn nach ihrem gelungenen Auftritt vor einem TV-Millionenpublikum.  Foto: ZVG/RTL
Geniesst den Applaus: «Supertalent»-Kandidatin Sylvia Heckendorn nach ihrem gelungenen Auftritt vor einem TV-Millionenpublikum. Foto: ZVG/RTL

Sylvia Heckendorns Geschichte passt wunderbar ins Fernsehen. Ursprünglich war die 35-jährige Gymnasiallehrerin. Aber anstatt weiterhin Englisch und Französisch zu unterrichten, hat sie ihren Beruf im Januar nun zugunsten ihrer Berufung als Sängerin an den Nagel gehängt. Nach einem Stimmbandversagen bekam sie Angst vor dem Auftreten. In der RTL-Show «Das Supertalent» traute sie sich jetzt aber wieder.

Und wie. Am 10. November machte sie mit ihrer Interpretation des Eurovisionshits «Euphoria» auch die Jury um Dieter Bohlen, Thomas Gottschalk und Michelle Hunziker euphorisch. So weit das Märchen, wie es sich im Fernsehen zugetragen hat. «Dort sind Tragödien gesucht, die muss man liefern», gibt Heckendorn die Frisierung ihrer eigenen Biografie unumwunden zu. Geschichtsfälschung kann man ihr aber nicht vorwerfen. Die in Arlesheim aufgewachsene Sängerin erlitt während ihrer Ausbildung am Schweizer Opernstudio vor einigen Jahren tatsächlich ein Stimmbandversagen. Die Auftrittsängste, von denen sie nachher heimgesucht wurde, wenn sie klassische Engagements hatte, sind aber längst überwunden. Sonst hätte sie weder im vergangenen Sommer als Gertrud Stauffacher im Musical «Tell» auf der Walensee-Bühne oder jetzt aktuell im Neuen Theater am Bahnhof in der komischen Kurzoper «The Telefone» brillieren können. Hierbei hat sie das klassische Arrangement von Gian Carlo Menotti um einige Chansons erweitert, die ihr als lyrische Sopranistin hervorragend liegen. Das lockert auch den sonst etwas strengen Rahmen des Genres auf. «Es hat nun aber überhaupt nicht die Schwere einer Oper», erklärt Heckendorn.


Hauptsache Singen

Dass sie keine Berührungsängste mit populären Genres hat, zeigte Sylvia Heckendorn an ihrem Auftritt bei «Das Supertalent». Seit 2010 singt sie in der Gothic-Rockband «Deep Well», in der sie befreit von stilistischen Korsetts all ihre stimmlichen Qualitäten einbringen kann. «Das finde ich fast das Tollste, da kann ich alles raus lassen», erklärt sie. Daneben ist sie mit Chansons und neuerdings auch mit einer Singer-Songwriter-Formation unterwegs. Die ambitionierte Sängerin lässt kaum eine Gelegenheit aus, ihre Stimme auf einer Bühne zu präsentieren.

Diese Einstellung, gepaart mit dem unbedingten Willen zum Erfolg, war es, die sie schliesslich auch zur Castingshow «Das Supertalent» führte. Obwohl es ihr klar ist, dass bei RTL keineswegs echte Künstler, sondern vielmehr der kleinste gemeinsame Nenner, auf den sich das Publikum einigen kann, gewinnt: Das Mittelmass. «Mir ging es nur darum, an Popularität zu gewinnen», sagt Heckendorn denn auch. Mittel zum Zweck, mit ihrer Stimme Erfolg zu haben. «Man muss es probiert haben», meint sie. «Nicht, dass man am Ende des Lebens bereuen muss, es nicht gewagt zu haben.»

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