Poesie wortloser Bewegung

Das «Theater vor dem Mond» brillierte im NTaB am Stollenrain am letzten Freitag bei der Premiere von «Die Strassenbahn im Wohnzimmer von Madame». Das Stück ist nicht zuletzt eine Hommage an Madame Curie.

Zwischen Realität und Traum: Madame Marguerite (Céline Oehen) und Marlene (Sabine Schädler), v. l.  Foto: Brunnschweiler
Zwischen Realität und Traum: Madame Marguerite (Céline Oehen) und Marlene (Sabine Schädler), v. l. Foto: Brunnschweiler

Thomas Brunnschweiler

Wer Abbildungen der alten Marie Curie kennt, sieht die Ähnlichkeit mit Madame Marguerite sofort. Sie ist eine der Protagonistinnen des Stücks «Die Strassenbahn im Wohnzimmer von Madame». Auch die Fläschchen, die auf der Bühne herumstehen, erinnern an Fotos der experimentierenden Physikerin, die als erste Frau den Nobelpreis erhielt.

Um was geht es in dem Stück mit dem seltsamen Namen? Es geht um die Forscherin Madame Marguerite und die junge Marlene, die beide im selben Haus wohnen, zusammen mit anderen Bewohnerinnen und Bewohnern. Die Forscherin im obersten Stock des Hauses versucht aus destillierten und konservierten Erinnerungen einen Trunk zu brauen. Damit will sie den bei einem Strassenbahnunglück umgekommenen Mann Paul wieder zum Leben erwecken, um nochmals mit ihm zu tanzen. Das hat etwas höchst Alchemistisches an sich, das nicht zur Rationalität einer Naturwissenschafterin passen will.
Hier geht es jedoch um eine andere Ebene, die der Gefühle. Tatsächlich kam Madame Curies Mann Pierre 1906 bei einem Droschkenunfall ums Leben. Der Name Paul hat mit Marie Curies Geliebtem, dem Physiker Paul Lan-
gevin, zu tun. Hier verschmelzen also im Stück zwei historische Personen zu einer Figur. Während Madame Marguerite, glänzend gespielt von Céline
Oehen, in ihrer Realität verhaftet bleibt und das Alte nicht hinter sich lassen kann, versucht die quirlige Marlene, ihre Nachbarin aus ihrer Illusion herauszuholen und ins Leben zurückzuführen. Sabine Schädler zieht als Marlene alle pantomimischen und stimmlichen Register, tanzt, singt, schreit und monologisiert. Sie wirbelt auf der Bühne herum und schockiert mit ihrer Schilderung von Pauls Unfall immer wieder. Die Kombination von Pantomime und akustischen Effekten ist verblüffend. Die beiden Schauspielerinnen überzeugen in ihren Rollen restlos.

Anspruchsvolles Stück
Das Stück selbst, das einige sehr schöne poetische Regieideen auf die Bühne bringt, wirkt hingegen manchmal etwas ausladend und gewissen Längen fehlt die Spannung. Vielleicht liegt es daran, dass man als Zuschauer nicht so recht weiss, ob das Stück eine Pantomime mit Worten oder ein Drama mit Pantomime sein soll. Auf der Bühne werden Zeit und Raum aufgehoben. Traum und Wirklichkeit verschwimmen, vor allem gegen Ende, als Pauls Mantel auf einer Eisscholle davontreibt – ein schöner Regieeinfall. Das Schauspiel wird auch für Kinder ab 10 Jahren empfohlen. Ob Kinder die existenzielle Tragweite des Bühnengeschehens schon ausloten und auch die recht brutale Schilderung des Unfalls ertragen können, ist hingegen fraglich.

Nächste Spieldaten: Donnerstag, 11. 12., 20 Uhr; Samstag, 13. 12., 20 Uhr.

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