Jugendchorfestival Basel: Musikalische Weltreise im Dom

Wegen des Europäischen Jugendchorfestivals Basel gastierten unter dem Titel «Perlmutt» drei internationale Formationen im Arlesheimer Dom.

Kulturen musikalisch vereint: Drei Jugendchöre aus Kamerun, Lettland und der Schweiz traten vergangenes Wochenende im ausverkauften Dom auf. Foto: Caspar Reimer

Mit guter Musik verhält es sich wie mit guter Poesie: Sie braucht keine Erklärung, keine Beihilfe, sondern spricht oder klingt für sich selbst. Niemand soll vorsagen, was man zu verstehen, wie man sich zu fühlen, wann man zu klatschen, zu hopsen oder mitzusingen habe. Das alles geschieht – ist die Musik gut und springt der Funke aufs Publikum über – von allein. Das Konzert mit dem Titel «Perlmutt», welches am vergangenen Freitag im ausverkauften Arlesheimer Dom im Rahmen des 14. Europäischen Jugendchorfestivals stattfand, zeigte beispielhaft, wie Musik ohne Effekte und Verstärker das Publikum begeistern kann. Gewiss kommt es in der Schweiz kaum vor, dass ein Konzert völlig ausser Rand und Band gerät, doch stehende Ovationen gab es an diesem Abend mehr als einmal.

Das Festival hatte in Zusammenarbeit mit der Römisch-Katholischen Kirchgemeinde und der Einwohnergemeinde Arlesheim drei Formationen aus drei Weltgegenden eingeladen, wobei die musikalischen Perlen aus mehr als drei Ländern stammten. Die Jugendchöre «A Tempo» und «Vivace» der Musikschule Basel sangen – als eine Formation – einerseits Schweizer Volkslieder wie «Jetzt wemmer e Schöppeli loschtig see» oder «Chum, mir wend go Chrieseli gwünne», andererseits aber internationale Literatur, etwa das Lied «Alfonsina y el mar» des argentinischen Komponisten Ariel Ramirez, der mit seiner Misa Criolla, der Kreolischen Messe, Bekanntheit erlangte. Und dass die jungen Basler auch Pop können, bewiesen sie mit dem Beitrag «Sweet ­Dreams», der bekannten Melodie von Eurythmics aus dem Jahr 1983.

Afrikanische Freudenklänge

Eine musikalische Reise in eine andere Kultur gab es für das Publikum durch «Mboa», den nationalen Jugendchor aus Kamerun. Die jungen Sängerinnen und Sänger traten in traditionellen kamerunischen Gewändern auf und sangen unter anderem ein Freudenlied der Baka, eines Volkes, das in Kamerun und umliegenden Ländern lebt. Zu hören war ausserdem das Lied «Soir au village» des berühmten Kameruner Saxofonisten und Sängers Manu Dibango. Dieser setzte sich während seiner internationalen Karriere für die Belange des afrikanischen Kon­tinents ein und wurde im Jahr 2004 von der Unesco als «Künstler für den Frieden» ausgezeichnet.

Als Jugendchor Kameruns rekrutiert «Mboa» jährlich 32 neue Mitglieder im Alter zwischen 16 und 26 Jahren für seine pädagogischen und künstlerischen Projekte. Während mehrerer Wochenenden wird ein sowohl klassisches als auch zeitgenössisches sowie traditionelle kamerunische Stücke umfassendes Repertoire erarbeitet.

Eine andere Welt ist möglich

Klanglich hervorragend fügte sich die dritte Formation, der Mädchenchor «Tiara» aus Lettland, in die Gemäuer des Doms ein. «Tiara» ist Teil der Chorschule des Rigaer Doms und als solcher ein kreatives Labor für Komponistinnen und Komponisten aus dem ganzen Land. Die Mädchen absolvieren ein anspruchsvolles Ausbildungsprogramm, das neben Chorgesang auch Instrumentalunterricht oder Bühnenpräsenz umfasst. Von den Mädchen und jungen Frauen gab es klanglich wie rhythmisch anspruchsvolle Interpretationen – vor allem kirchlicher Natur – zu hören. So etwa Kyrie aus der «Missa Brevis» oder «Ave Regina caelorum».

Zum krönenden Abschluss des Konzerts verteilten sich die jungen Leute aller drei Formationen in einem Kreis um das Publikum und sangen «Dona Nobis Pacem» und «Musik ist Everywhere» des Schweizer Komponisten Ivo Antognini. Am Konzert fehlte überdies auch die Grussbotschaft des Arlesheimer Gemeinderates nicht: «Hier begegnen sich junge Menschen nicht im Wettbewerb, sondern als Gemeinschaft. Die Musik macht da Hoffnung, wo die Politik versagt», sagte der für Kultur zuständige Gemeinderat, Hartmut Vetter (Frischluft). Und: «Eine andere Welt ist möglich. Sie klingt wunderschön.»

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