Isaac Reber: «Häusliche Gewalt kommt in den besten Familien vor»

Regierungsrat Isaac Reber war am Donnerstag vergangener Woche auf Einladung der Frischluft Gast im Domplatzschulhaus. Der Abend drehte sich dabei um das Thema Sicherheit.

Intime Runde: Der Baselbieter Sicherheitsdirektor Isaac Reber (r.) im Gespräch mit Moderator Marcel Liner von der Frischluft.  Foto: Milos Mihajlovic
Intime Runde: Der Baselbieter Sicherheitsdirektor Isaac Reber (r.) im Gespräch mit Moderator Marcel Liner von der Frischluft. Foto: Milos Mihajlovic

Im Gemeindesaal des Domplatzschulhauses duftet es nach frischem Speckzopf und Parmesan. Nach und nach treffen die ersten Zuhörer ein, und dabei bleibt es auch schon. Am Schluss sind es knapp ein Dutzend interessierter Besucher inklusive Organisatoren und Gast. Der Baselbieter Sicherheitsdirektor Isaac Reber weiss diesen Umstand positiv zu werten und sagt: «Offenbar ist die Sicherheit in Arlesheim zurzeit kein allzu grosses Thema. Ich erinnere mich, als wir hohe Einbruchsquoten 2013 im Baselbiet hatten, da waren die Säle im Unterbaselbiet noch voll.»

Eine intime Gesprächsrunde hat auch ihre Reize: Man sitzt näher am Geschehen und ist Teil vom Ganzen. Die Zuhörer stellen auch aktiv Fragen, nehmen am Gespräch teil. Der anwesende Regierungsrat antwortet, erklärt und plaudert zuweilen auch aus dem Nähkästchen. Beispielsweise erfährt man, dass der 57-Jährige nachts eine Polizeipatrouille auf der Jagd nach Kriminaltouristen bei der französischen Grenze begleitet hat. Oder dass er – als das Thema Asylwesen zur Sprache kommt – einer Ausschaffung beigewohnt hat und zum Flughafen Zürich mitgefahren sei, um sich ein Bild machen zu können. «Nach Afrika bin ich aber nicht geflogen», so der Regierungsrat. Als die Unterbringung von Asylsuchenden im Bundesasylzentrum Feldreben angesprochen wird, lässt es sich Reber nicht nehmen, die unterstützende Arbeit der Gemeinde Arlesheim zu loben. Nebenbei erzählt der Sicherheitsdirektor, dass er in seinen Jugendjahren einen Studentenjob auf dem Feldreben-Areal als Gabelstaplerfahrer hatte.

Einbruchstouristen

Im weiteren Verlauf des Abend gehts um die allgemeine Sicherheit: Reber erklärt unter anderem, wieso Einbruchstouristen die Grenze zwischen der Schweiz und Frankreich bevorzugen: Weil zwischen diesen Ländern – anders als der Rhein zwischen der Schweiz und Deutschland – kein natürliches Hindernis liegt. Das Überqueren und Rückkehren ist viel einfacher und geht schneller. Ausserdem spiele möglicherweise die wirtschaftlich angespanntere Lage in Frankreich eine bedeutende Rolle.»

Lernprogramme

Zum Schluss widmet sich der Sicherheitsdirektor dem Problem der häuslichen Gewalt. Stolz verweist er auf Lernprogramme, in welche Ehepartner hingeschickt werden. «Diese verlassen ein solches Lernprogramm zwar nicht unbedingt als ‹geheilt›, aber die Rückfallquote ist signifikant niedriger geworden.» Ein weiteres wirksames Mittel seien die Wegweisungen. Zudem arbeite der Kanton mit knapp zwei Dutzend Fachstellen zusammen, unter anderem mit dem Frauenhaus Basel, dem Blauen Kreuz und der Opferhilfe beider Basel. Wichtig: «Es gibt keine Hotspots von häuslicher Gewalt. Sie kommt auch in den besten Familien vor und ist ziemlich gleichmässig verteilt», so Reber. Dieser Umstand erschwere auch die Präventionsarbeit erheblich.

Insgesamt ist es ein lehrreicher Abend, keine Frage bleibt unbeantwortet. Isaac Reber gibt bereitwillig Auskunft, selbst noch beim anschliessenden Apéro. Am Ende verlassen die Zuhörer und Zuhörerinnen mit vielen Informationen gefüttert – und beruhigt – die Sicherheits-Veranstaltung.

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