Gemeindeversammlung: Angepasste Anreize für die Altenpflege zu Hause

Mit Beiträgen für die Pflege von Betagten zu Hause spart die Gemeinde Geld. Seit sich der Kanton finanziell aus der Alterspflege zurückgezogen hat, ist das für die Kommunen kostspielig geworden.

Vom Souverän unbestritten: Die Turnhalle der Gerenmatte 2 wird um Schulräume und im Erdgeschoss um einen Kindergarten erweitert. Kosten: rund 7,5 Millionen Franken.  luk
Vom Souverän unbestritten: Die Turnhalle der Gerenmatte 2 wird um Schulräume und im Erdgeschoss um einen Kindergarten erweitert. Kosten: rund 7,5 Millionen Franken. luk

Die Pflege der betagten Bevölkerung ist seit Inkrafttreten der neuen Pflegefinanzierung im Jahr 2012 ein kostspieliges Unterfangen geworden für die Gemeinden. Schon 2005 wurde die Zuständigkeit der Altenpflege und -betreuung gesetzlich neu geregelt und liegt seither bei den Gemeinden. Der Kanton hat sich dann mit der Neugestaltung des Finanzausgleichs und der Aufgabenteilung auch finanziell sukzessive zurückgezogen. Für die Kommunen ist das eine nicht unerhebliche Belastung geworden. Arlesheim wirft für die Altenpflege mittlerweile gut eine Million Franken pro Jahr auf.

Die Gemeinde kann dem mit der Unterstützung der Pflege zu Hause und den Besuch von Alterstagesstätten ein wenig entgegenwirken. Arlesheim tut dies seit mittlerweile 20 Jahren auf Basis einer kommunalen Verordnung. Das sei pionierhaft, sagte die zuständige Gemeinderätin Ursula Laager am Mittwoch letzter Woche vor der Gemeindeversammlung. So werden leicht Pflegebedürftige mit einem Unterstützungsbeitrag von 30 Franken pro Tag bezuschusst. Damit wird ein Anreiz für die Altenpflege zu Hause geleistet und der allzu frühe Gang ins Pflegeheim in einigen Fällen mindestens hinausgezögert. Und falls die Pflege von Angehörigen erbracht wird, erst noch Freiwilligenarbeit wertgeschätzt. «Das ist für Gemeinden finanziell attraktiv», so Laager. Denn Altersheime sind um ein Vielfaches teurer als die Pflege daheim.

Die Verordnung muss nun aus gesetzessystematischen Gründen in ein Reglement überführt werden. Das bot auch gleich Gelegenheit, dessen Inhalt grundsätzlich zu überprüfen. So wurde die Höhe der Beiträge in eine flexible Bandbreite zwischen 20 und 50 Franken pro Tag – sowohl für die Pflege als auch den Besuch von Tages- und Nachtstätten – umgewandelt. Damit kann die Gemeinde flexibel auf die Kostenentwicklung reagieren. Für das Jahr 2014 rechnet man mit einem Aufwand von 174 000 Franken. Die Gemeindeversammlung genehmigte das Reglement ohne Gegenstimmen.

Das Reglement sieht auch eine Härtefallregelung vor, die Pflegebedürftige in den Genuss der Zuschüsse kommen lässt, die noch nicht im AHV-fähigen Alter sind. Allerdings nur, wenn sie keine Invalidenrente beziehen oder ein Antrag darauf erst in Bearbeitung ist, was zuweilen auch zwei Jahre dauern kann. Keine Unterstützung erhalten hingegen Personen im Rentenalter, die Pflegeleistungen zu Hause von der Krankenkasse vergütet bekommen. Hier gelte das Prinzip der Subsidiarität, so Laager.


Turnhalle wird mit Schulraum erweitert
Auch wenn im Kanton zurzeit heftig über Harmos gestritten wird, was einige zur Annahme verleitet, dass die Schulreform doch noch kippen könnte, bleibt in Arlesheim der Bedarf nach zusätzlichem Schulraum. Reform hin oder her. Das machte auch Bildungschef Markus Eigenmann (FDP) an der Gemeindeversammlung klar, bevor allfällige Voten in diese Richtung, Zweifel an der Notwendigkeit des teuren Erweiterungsbaus der Turnhallen des Gerenmatten 2 streuen würden. Für 7,5 Millionen will die Gemeinde die baufällige Turnhalle erdbeben- und brandsicher machen und gleich noch erweitern. Der terrassierte Bau soll quasi zu einem Kubus aufgefüllt werden, darin finden dann vier zusätzliche Klassenzimmer und Gruppenräume für die neuen Unterrichtsformen sowie ein Kindergarten im Erdgeschoss Platz. Mit Letzterem soll der heutige Kindergarten am Mattweg 80 ersetzt werden, der in einem desolaten Gebäude untergebracht ist. Die frei werdende Parzelle, die mit 2,48 Millionen Franken bewertet ist, kann die Gemeinde dann anderweitig nutzen oder im Baurecht abgeben. Überdies wird durch den Erweiterungsbau der Turnhalle das Studerhaus frei, womit pro Jahr rund 13 000 Franken Mieteinnahmen generiert werden.

Weitere Artikel zu «Arlesheim», die sie interessieren könnten

Flinke Hände: Vornehmlich Frauen bauten die Motoren und Apparate. Foto: zVg/Fankhauser Architekt
Arlesheim11.02.2026

Arlesheim, das Osmanische Reich und die Lehren aus der Geschichte

Was die Schappefabrik und die Elektrizitätsgesellschaft Alioth AG mit dem Osmanischen Reich zu tun haben, zeigten Historiker bei Uptown Basel auf. Das…
Arlesheim04.02.2026

Ersatzwahlen: Die fünf Kandidierenden stellen sich den Fragen des Wochenblattes

Klicken Sie auf das Bild, um die Antworten der Kandidierenden zu lesen.
Startschuss: Andrea Pfaehler und Patrick Tschan entwickeln ein Projekt, das Arlesheim für die Zukunft kulturell bereichern soll. Foto: Caspar Reimer
Arlesheim28.01.2026

Eine Volksbühne im Setzwerk

Die Theater Company Arlesheim erarbeitet ein Stück, das während der Zeit des Frauenstreiks in der Spinnerei Schappe anno 1945 spielt. Doch soll das erst der…