Er kommt, um zuzuhören

Marc-Andrin Eggen­schwiler übernimmt ab dem 1. September ein Pfarramt bei der reformierten Kirchgemeinde Arlesheim.

Vom Metzger zum Theologen: Der designierte Arlesheimer Pfarrer Marc-Andrin Eggenschwiler. Foto: Tobias Gfeller
Vom Metzger zum Theologen: Der designierte Arlesheimer Pfarrer Marc-Andrin Eggenschwiler. Foto: Tobias Gfeller

Andächtig sitzt Marc-Andrin Eggenschwiler in der reformierten Kirche am Stollenrain in Arlesheim. Sein Blick bewegt sich langsam von Wand zu Wand und hoch zur Decke. Es ist nicht sein erster Besuch an seinem künftigen Arbeitsort. Für ihn ist schon seit längerem klar: «Die schönste Kirche in Baselland.» Sagt dies der 32-Jährige nicht nur, um der Arlesheimer Kirchgemeinde zu gefallen? «Auf keinen Fall», stellt der Therwiler klar, der in Röschenz im Laufental aufgewachsen ist. Es sei die Schlichtheit der Kirche, die ihm so gefalle, verrät Marc-Andrin Eggenschwiler. «Einfach schön. Das viele Holz, zum Beispiel an der Decke, erinnert mich an die Natur.»

Natur ist ein Stichwort, das in Marc-­Andrin Eggenschwilers Leben eine ganz grosse Bedeutung hat. Das wird bei ­einem Blick auf seine eigene Website schnell klar, wo er unter anderem eigene meditative und mystische Texte veröffentlicht. Die Natur gibt ihm Kraft, den Schutz der Natur sieht er als Aufgabe der Menschen.


Vikariat in Reinach

Der gebürtige Laufentaler hat erst spät zur Theologie gefunden. Noch während der Lehre zum Metzger spürte er, dass es das noch nicht gewesen sein konnte und ihn dies langfristig nicht erfüllen würde. Er hörte auf sein Herz und entschied, sich beruflich umzuorientieren. Marc-Andrin Eggenschwiler wollte sich mit dem Menschen als Ganzem, mit all seinen Facetten, beschäftigen und seine eigene Begeisterung für das Leben mit anderen teilen. Also begann er ein Theologiestudium an den Universitäten Bern und Basel.

Aktuell befindet er sich im Endspurt seines Vikariats in Reinach. Am 1. September beginnt seine Arbeit als Pfarrer in Arlesheim. Dies wird seine erste Pfarrerstelle sein. Er folgt auf Claudia Laager, die vor einem Jahr ins Emmental gezogen ist. Während eines Jahres besetzte eine Stellvertretung die freie Pfarrstelle. Der Therwiler kennt Arlesheim von seiner Arbeit im Catering bei der Metzgerei Jenzer.

Wie einst Claudia Laager übernimmt auch Marc-Andrin Eggenschwiler den Schwerpunkt Familie und Kinder. Er mache sich sehr viele Gedanken zum Leben und hat auch klare Wertvorstellungen davon. «Werte wie Menschlichkeit, Friedfertigkeit, Grosszügigkeit, Toleranz, Freiheit, Lebensfreude und Begeisterung sind mir wichtig.» Er sei aber keiner, der diese Werte anderen Menschen aufzwinge und belehrend auftrete. Er könne sich aber schon vorstellen, etwas wie ein Vorbild für die Kinder und Jugendlichen zu sein. Er könne ihnen zum Beispiel aufzeigen, dass es auch ein Leben neben oder ganz ohne soziale Medien, Netflix und Playstation gibt.


Ohne Social Media mehr zu sich gefunden

Der designierte Arlesheimer Pfarrer hat sich selber von Social Media getrennt. «Ich hatte das Gefühl, dass ich durch den Gebrauch von Social Media nervöser werde.» Das war für den Theologen ein ganz bewusster, nicht immer einfacher Lernprozess. Er sei seitdem gelassener, was ihm mehr Lebensqualität gebracht habe.

Marc-Andrin Eggenschwiler möchte den Menschen zeigen, dass es auch ein Leben ohne Überfluss gibt und dass ­Verzicht etwas Schönes sein kann. Der 32-Jährige möchte vor allem aber auch zuhören – allen. «Kindern, Jugendlichen, Erwachsenen und auch Älteren. Aber auch jenen ausserhalb der Kirche.» Die Kirche sei einer der letzten Orte, in denen kostenlos zugehört werde. Und genau dies bräuchten Menschen wieder mehr: «Einen bewertungsfreien Raum, in dem Menschen einfach Menschen sein dürfen, ganz unabhängig von Leistung», ist Marc-Andrin Eggenschwiler überzeugt. Gerade in den aktuell unsicheren Zeiten.

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