Bedingungsloses Grundeinkommen – eine Frage des Menschenbildes?

Das «Bedingungslose Grundeinkommen» sorgte am Donnerstag für eine angeregte Diskussion in der Arlesheimer Trotte. Organisator war die FDP Arlesheim.

Mit japanischem Fernsehteam: Die Grundeinkommen-Diskussion führten Balz Stückelberger (Mitte) und Daniel Häni (r.)  Foto: Caspar Reimer
Mit japanischem Fernsehteam: Die Grundeinkommen-Diskussion führten Balz Stückelberger (Mitte) und Daniel Häni (r.) Foto: Caspar Reimer

Caspar Reimer

Sogar ein Fernsehteam aus Japan kam angereist, als am vergangenen Donnerstag in der Trotte Arlesheim ein Themenabend unter dem Titel «Bedingungsloses Grundeinkommen – Utopie oder Zukunft?» stattfand. Der von der FDP Arlesheim organisierte Anlass war bis auf den letzten Platz besucht. Eingeladen war der Initiant des «Bedingungslosen Grundeinkommens» und Unternehmer, Daniel Häni. Als Kontrahent stellte sich der Diskussion Balz Stückelberger, Direktor des Arbeitgeberverbandes der Banken in der Schweiz. Er stellte zum Anfang der Diskussion die Frage in den Raum: «Was läuft denn so schlecht, dass es nötig sein soll, unser bewährtes System dermassen radikal zu verändern?» Einig waren sich Häni und Stückelberger in einem Punkt: Die finanzielle und damit auch die soziale Sicherheit der Menschen müsse gewährleistet sein.

Ganz unterschiedliche Ansätze

Ansonsten zeigten sich die ganz unterschiedlichen Ansätze der Kontrahenten: Während Stückelberger dafür plädierte, Erfolgreiches zwar anzupassen, aber zu bewahren, sprach Hänni von einem grundsätzlichen Paradigmenwechsel: «Wir wollen die Existenzsicherung von ihren Bedingungen befreien. Bisher war diese immer an Erwerbsarbeit oder an den Wohlfahrtsstaat geknüpft. Ein Grundeinkommen gibt jedem Menschen mehr Recht zur Selbstbestimmung, fördert die Eigeninitiative und ist somit liberal.» Wenn man vermehrt selber entscheiden könne, sporne dies die Menschen zu mehr Eigeninitiative an, so Häni. Wegen der Digitalisierung der Arbeitswelt würde ein bedingungsloses Grundeinkommen «so oder so zu einer Notwendigkeit».

Stückelberger wollte die düsteren Zukunftsaussichten, was den grossen Abbau von Arbeitsplätzen betrifft, nicht teilen: «Bei der Computerrevolution hatte man ähnliche Bedenken. Sie haben sich als falsch erwiesen. Das wird bei der digitalen Revolution nicht anders sein.» Aber natürlich brauchte es Arbeitgeber, die mit «Umsicht und Weitblick» neue Stellen für die Arbeitnehmer schaffen. Häni dagegen kritisierte Stückelbergers «Vorstellung vom Unternehmer, der für seine Arbeiter Beschäftigung schaffen müsse. Wir haben da ein anderes Menschenbild und wollen selbstständige Menschen, die aus Überzeugung einer Arbeit nachgehen», so Häni. Laut einer vom Initiativkomitee durchgeführten, aber wohl nicht repräsentativen Umfrage würden sich 22 Prozent der Leute bei einem bedingungslosen Grundeinkommen selbstständig machen. 54 Prozent würden sich weiterbilden und nur gerade 2 Prozent würden ganz aufhören zu arbeiten.

Im Detail viel Klärungsbedarf

Finanzieren will sich das Grundeinkommen entweder über eine Konsum- oder eine Leistungsabgabe. Aus dem Publikum waren mehrheitlich Stimmen zu hören, die zumindest der Idee eines bedingungslosen Grundeinkommens offen gegenüberstehen, auch wenn im Detail viel Klärungsbedarf nötig wäre. Ein Unternehmer äusserte sich zu Stückelbergers positiven Zukunftsaussichten: «Es ist ehrenhaft, dass Sie Arbeitsplätze erhalten wollen. Die wirtschaftliche Realität ist aber eine andere. Für die meisten Unternehmer lohnt es sich heute schlicht nicht mehr, jemanden einzustellen.» Häni ist sich der geringen Chancen auf einen Erfolg der Initiative bewusst. Die Diskussion wird somit auch in den kommenden Jahren in Europa und weltweit weitergehen.

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