Die Rekordnotensammlerin

2022 ist das 20-Jahr-Jubi­läum der Herausgabe der «Sammlung Hanny Christen». In diesem Jahr jährt sich zum 65. Mal die Aufführung ihres Heimatspiel «Z’ Arlese in dr Chrone». Wer erinnert sich?

Schrieb das «Arleser Heimetspiel»: Hanny Christen erhielt den Auftrag vom protestantischen «Chirchechor Arlesheim». Foto: Thomas Brunnschweiler
Schrieb das «Arleser Heimetspiel»: Hanny Christen erhielt den Auftrag vom protestantischen «Chirchechor Arlesheim». Foto: Thomas Brunnschweiler

Seit Jahren engagieren sich Annerose und Fritz Krey aus Arlesheim für die Förderung der Neuen Volksmusik in der Nordwestschweiz. Diese musikalische Bewegung wäre undenkbar ohne die riesige Sammlung von Volks- und Tanzweisen, zusammengetragen von Hanny Christen. Das Material, zu dem neben Noten auch Schriften und Fotos gehören, hat Johanna «Hanny» Christen (1899–1976) in jahrelanger Arbeit zusammengetragen. Das ganze Material wurde 1963 der Universität Basel übergeben. Dort schlummerte es, bis der Musiker Fabian Müller im Jahr 1972 das Werk von Hanny Christen entdeckte.

2002 lag nach zehnjähriger akribischer Arbeit die zehnbändige Edition vor. Müller und ein Autorenteam bereiteten die Drucklegung unter dem Patronat der Gesellschaft für die Volksmusik vor.

Schwierige Persönlichkeit

Hanny Christen hatte eine labile Gesundheit und einen etwas störrischen Charakter. Daraus ergab sich, dass sie auch ­innerhalb der Familie keine einfache Person war. Die selbst ernannte Musikforscherin war zwar unglaublich fleissig und hartnäckig bei ihren Feldstudien, aber sie verweigerte sich jeder Einmischung. Sie fuhr teilweise planlos in der Schweiz herum und nahm zwischen 1956 und 1973 mit ihrem Röhrentonbandgerät Uher 95 Volksmusik, Gesänge und Gespräche auf. Christen hätte sich viel Arbeit ersparen können, wenn sie fähig gewesen wäre, gewisse Dinge an Fachleute zu delegieren.

Aber sie liess sich von niemandem belehren. Ihre Aversion gegen Ratschläge durch «Studierte» war fast krankhaft und dies war auch bei der Zusammenarbeit mit dem Radio in Bern bald einmal ein Problem.

«Nicht von besonderer Qualität»

1955 erhielt Hanny Christen den Auftrag, für den «protestantischen Chirchechor Arlesheim» ein «Heimetspiel» zu schreiben. Im Dezember schrieb sie es nieder, und am 28. Oktober 1956 wurde das Stück «Z’ Arlese in der Chrone» im Restaurant Ochsen aufgeführt. Annerose und Fritz Krey stiessen bei ihren Recherchen im Staatsarchiv Basel-Landschaft auf dieses kuriose Beispiel von Hanny Christens literarisch-musikalischem Schaffen. Fritz Krey meint zu diesem Heimatspiel: «Es ist nicht von besonderer Qualität.» Statt sich auf die Forschungsarbeit zu konzentrieren, schrieb Christen damals solche «Stückli» – wohl mit einer guten Portion Selbstüberschätzung.

Im Arleser Heimatspiel geht es um die Wehmut angesichts der Veränderung der Welt. «Der Grundtenor ist: Niemand hat mich gern, das Alte wird nicht mehr geschätzt, das Neumödige nimmt überhand», sagt Fritz Krey. Bubiköpfe, Rock’n’Roll und neue Sitten schockten damals die Vorkriegsgeneration.

Wer erinnert sich ans Heimatspiel?

Das Ehepaar Krey ist massgeblich an der Vorbereitung des Programms im Jubiläumsjahr beteiligt. Bereits im Januar 2022 findet in Basel ein Hanneli-Workshop statt. Vom Mai bis September 2022 läuft eine Ausstellung im Museum Baselland in Liestal. Am 6. Juni gibt es in Liestal eine Festfeier und ein Volksfest.

Fritz Krey sucht nun Personen, die sich an das Stück «Z’ Arlese in der Chrone» im Jahre 1956 erinnern oder selbst mitgespielt haben. Krey ist erreichbar unter der Telefonnummer 061 601 55 33.

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