Häkeln für Korallenriffe

«Arlesheim kreativ» beteiligt sich an einer internationalen Kunstaktion, welche für die Bedrohung von Korallenriffen durch den Menschen sensibilisiert.

Hyperbolisches Häkeln: Mit dieser Technik lassen sich Korallen überraschend authentisch nachbilden. Fotos: ZVG
Hyperbolisches Häkeln: Mit dieser Technik lassen sich Korallen überraschend authentisch nachbilden. Fotos: ZVG

Von Arlesheim her die Weltmeere retten? Ursina Gloor, Präsidentin des Vereins «Arlesheim kreativ», lächelt und sagt: «So weit würde ich nicht gehen. Aber es ist für uns eine Möglichkeit, bei einer grossen Sache mitzuwirken und etwas zum Schutz der Weltmeere beizutragen.» Der Verein beteiligt sich nämlich an einer Aktion, die Kunst, Naturwissenschaft und politische Botschaft miteinander verbindet, bereits international für Aufsehen gesorgt hat und jetzt im deutschsprachigen Raum angekommen ist: dem «Crochet Coral Reef», ein kunstvoll gehäkeltes, riesiges Korallenriff. Besonders dabei: Alle, die möchten, können sich häkelnd daran beteiligen. Das Museum Frieder Burda in Baden-Baden zeigt das so entstandene Kunstwerk ab Januar in der Ausstellung «Wert und Wandel der Korallen» von Christine und Margaret Werthheim. Das aus Australien stammende und in den USA lebende Geschwisterpaar hat das Projekt entwickelt und erstmals in Los Angeles an einem eigens dafür gegründeten Institut gezeigt: «In ihren Arbeiten verbinden die Schwestern die Methoden der traditionsreichen Handarbeitstechnik des Häkelns mit den Schönheiten maritimer Ökosysteme», so der Text zur Ausstellung. Zugleich sensibilisiert das Projekt für die Gefährdung, denen Korallenriffe weltweit etwa durch Dynamitfischen oder Verschmutzung des Wassers ausgesetzt sind: Mindestens 20 Prozent aller Korallenriffe – immerhin der grössten von Lebewesen geschaffenen Struktur der Erde – sind bereits zerstört.

Spezielle Technik

Margaret und Christine Wertheim werden im Museum Frieder Burda die eingesandten Häkelarbeiten in ein neues, raumübergreifendes Korallenriff verwandeln. Für Ursina Gloor war sogleich klar, dass sich diese Aktion hervorragend für «Arlesheim kreativ» eignet, denn um ein authentisches Korallenriff zu kreieren, bedarf es einer speziellen Technik – des sogenannten hyperbolischen Häkelns: «Indem man nicht jede Masche nacheinander häkelt, sondern immer wieder überspringt oder wiederholt, entsteht ein gekraustes, verklüngeltes Muster, das dem von Korallen ähnlich ist.» Bereits zweimal hatte der Verein eingeladen, für das Korallenriff zu häkeln, 15 Personen hatten sich daran beteiligt, und am 4. November findet der nächste Termin statt. Jeder, der Lust hat, darf sich beteiligen und wird dann auch, falls gewünscht, namentlich an der Ausstellung aufgelistet. Menschen aus ganz Europa greifen zu Nadel und Faden, weiss Ursina Gloor: «Ich bin zwar über das Museum selbst draufgekommen, doch ich kenne Leute in England, Holland und Deutschland, die mitmachen.» Abgesehen von der Sensibilisierung für das Thema – der Gefährdung der Korallenwelten durch den Menschen – springt auch konkret etwas für die Ozeane heraus: Jedes eingereichte Häkelkunstwerk wird mit einer Spende durch das Energieunternehmen EnBW Baden-Württemberg AG an die Umweltorganisation Sea Shepherd Deutschland verwertet.

9000 Korallen bisher

Mitte November wird Ursina Gloor die in Arlesheim entstandenen Häkelarbeiten sammeln und nach Deutschland schicken. Die Ausstellung öffnet am 29. Januar ihre Tore und ist bis im Juni zu sehen. Der Verein wird jedenfalls einen Ausflug vor Ort organisieren, um das Gesamtergebnis zu sehen. Eines ist sicher – es wird eine grosse Sache: Über 750 Einsender mit über 9000 Korallen sind bisher zusammengekommen, teilt Ute Rosenfeld, Pressesprecherin des Museums, dem «Wochenblatt» mit. Damit sich auch möglichst viele Arlesheimerinnen und Arlesheimer beteiligen, wird der Verein am «Arleser Märt» am kommenden Samstag für die Aktion werben. Weitere Informationen bei Ursina Gloor: ursina-gloor@gmx.ch.

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