Regional und weltgewandt – ein Vortrag über Aesch im Frühmittelalter

Aesch kommt eine besondere Bedeutung in der Geschichtsforschung der Region zu. In einem Vortrag nimmt der Kantonsarchäologe Bezug auf zahlreiche Fundstücke und gibt einen Einblick in die vielschichtige Lebenswelt des Frühmittelalters.

Aus der Zeit der Christianisierung: das ausgestellte Skelett im Heimatmuseum in Aesch.Foto: Désirée bellwald
Aus der Zeit der Christianisierung: das ausgestellte Skelett im Heimatmuseum in Aesch.Foto: Désirée bellwald

Bereits seit über hundert Jahren ist bekannt, dass in der Region um Aesch Fundstücke aus der Zeit der Kelten und Alemannen vergraben liegen. Die ersten systematischen Grabungen wurden jedoch erst in den 1980er-Jahren aufgenommen. Seither wurden insgesamt achtzig Gräber freigelegt – und viele weitere werden noch unter der Erde vermutet. Wie Kantonsarchäologe und Leiter des Museums Baselland, Reto Marti, erklärt, dürften die bislang freigelegten Gräber nur ein kleiner Teil von den mehreren hundert erwarteten sein.

Was die Fundstätten in Aesch besonders macht, ist der Einblick in den Zeitraum der Christianisierung, den sie eröffnen. Neben klassischen keltischen Hügelgräbern wurde auch eine christliche Grabkapelle gefunden. Darin beerdigt lag eine Frau, die bei ihrer Bestattung ein aus Eisen gefertigtes Kreuz getragen hatte – und bis heute um ihren Hals trägt. Die sterblichen Überreste dieser frühen Christin liegen heute im Heimatmuseum in Aesch. Bezeichnend für den Fund der Frau ist seine Exemplarität für die Zeit der Christianisierung in der Region.

Zu wertvoll, um ausgestellt zu werden

Generell hält Kantonsarchäologe Marti fest: «Die Fundstücke aus Aesch sind beeindruckend. Ihre hochwertige und filigrane Fertigungsweise lässt vermuten, dass wir es in Aesch mit sehr reichen Menschen zu tun haben, die schon früh Handel mit Langobarden und Burgundern betrieben.» Darauf will der Archäologe auch in seinem Vortrag am 6. März eingehen. Ziel sei es, einen Einblick in die komplexen sozialen und wirtschaftlichen Verflechtungen aus der Zeit des frühen Mittelalters zu geben. Das wohl wertvollste Fundstück aus Aesch dürfte die goldene Filigranscheibenfibel sein. Das Schmuckstück gilt als «handwerkliches Spitzenerzeugnis». Vergleichbare Funde gibt es gemäss Marti in ganz Europa nur wenige. Die fast acht Zentimeter grosse Gewandschliesse wurde am 23. Oktober 1991 in der Grabstätte Steinacker gefunden und Reto Marti erklärt: «Die Fibel wurde von solch herausragender Handwerkskunst gefertigt, dass wir vermuten, sie stamme von einem Burgunder Goldschmied, der die Fibel für ein Königshaus fertigte.»

Davon, wie wertvoll der Fund ist, zeugt auch ein Austausch des Heimatmuseums mit dem Museum Baselland. Annemarie Rotzler erinnert sich: «Wir hätten die Fibel zu unserem Museumsjubiläum gerne ins Heimatmuseum nach Aesch geholt. Daraufhin erfuhren wir vom Museum Baselland jedoch, dass auch sie nicht das originale Schmuckstück in ihrer Sammlung ausstellen. Das Stück in der Ausstellung sei eine aufwendig gefertigte Kopie. Das Original werde in einem Safe verwahrt.» Nebst der goldenen Fibel wurden in Aesch auch weitere Stücke wie Gürtelbeschläge und Waffen ausgegraben. Erst 2024 wurden in einer Notgrabung vier weitere Bestattungsorte freigelegt, worunter sich zwei Hügelgräber befanden. Unter den Bestatteten befanden sich zwei Männer sowie eine Frau und ein etwa zehn bis vierzehn Jahre altes Kind. Die Grabbeigaben bestanden aus Halsketten aus Glas- und Bernsteinperlen, Kurzschwertern (Saxen) sowie beschlagenen Gürteln.

«Mir geht es um den Menschen dahinter»

Es gehe bei diesen Fundstücken um weit mehr als nur den Wert historischer Gegenstände, betont Marti: «Man darf nicht vergessen, dass hinter jedem Fundstück ein Mensch steckt. Mir geht es um den Menschen dahinter, darum, wie er gelebt hat und was seine Alltagswelt prägte.» Marti ist spezialisiert auf die Zeit rund um den Niedergang des Römischen Reiches und die Herausbildung mittelalterlicher Wirtschaft.

In seiner Arbeit fokussiert sich der Kantonsarchäologe insbesondere auf die Kultur- und Siedlungsgeschichte der Nordwestschweiz, auf die er in seinem Vortrag am 6. März genauer eingehen will. Den Fokus will Marti dabei insbesondere auf die gesellschaftlichen Aspekte und die Christianisierung legen. Damit bringt er am kommenden Freitag die ferne Lebenswelt des Frühmittelalters aus fachlicher Perspektive in den Aescher Schlosskeller, um sie greifbar zu machen.

Vortrag «Regional und weltgewandt – das frühmittelalterliche Aesch», 6. März, 19 Uhr, Schloss-Chäller.

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