Nach einem Vierteljahrhundert schachmatt
25 Jahre lang wurde im Schachclub Pfeffingen gespielt. Nun ist jedoch Schluss: Weil der Nachwuchs fehlte, wurde der Verein aufgelöst. Der ehemalige Präsident Felix Keller erzählt von der Zeit der Gründung, den Highlights und wie es für ihn persönlich weitergeht.

Von gemeinsamen Wanderungen über die Reise zum 15-Jahr-Jubiläum nach Schaffhausen bis zum Besuch mehrerer Grossmeister blickt der Schachclub Pfeffingen auf eine bewegte Geschichte zurück. Ein Highlight der besonderen Art dürfte der Besuch des ehemaligen Schachweltmeisters Anatoli Karpow im Gründungsjahr des Vereins gewesen sein. «Der russische Schachweltmeister spielte in Pfeffingen simultan gegen uns», erzählt der ehemalige Präsident und Gründer des Schachclubs noch immer sichtlich begeistert und fügt an: «Ich denke, das war wirklich eines der grössten Highlights in unserer Vereinsgeschichte.»
Gelernt hat Felix Keller das Schachspielen von seinem Vater. Aufgewachsen in Wangen an der Aare war der pensionierte Journalist und Autor deshalb zuerst Mitglied im Schachclub Solothurn, spielte später bei den Arlesheimern und erklärt: «Die gängigen Vereine setzen meist auf sehr regelmässige und intensive Trainings. Deshalb trifft man sich dort meist wöchentlich für mehrere Stunden.» Ganz generell sei er persönlich jedoch kein Fan von langen Schachpartien: «Stellen Sie sich vor, man spielt bis spät abends über vier Stunden lang eine wirklich gute Partie», gibt der Pfeffinger scherzhaft zu bedenken und führt lachend aus: «Und dann verliert man. Dann habe ich letztlich vier Stunden lang Schach gespielt, um eine einzige Runde zu verlieren, die mir hinterher auch noch den Schlaf raubt.»
Aus diesem Geist wurde schliesslich der Schachclub Pfeffingen geboren: Gemeinsam mit einigen anderen Schachfans, die wie Keller aus ihren Vereinen ausgetreten waren, gründete er einen Schachverein, der von Einsteigern bis Fortgeschrittene alle Stufen ansprechen und dabei in erster Linie mit schnellen Partien Spass machen sollte. Einmal im Monat trafen sich so die Mitglieder des Drittliga-Vereins zum gemeinsamen Schachspiel im Gemeindesaal in Pfeffingen.
Den Einstieg habe oft eine kleine Theorielektion gebildet. Im Anschluss seien kurze Partien von dreissig bis sechzig Minuten gespielt worden. Auf das anfängliche Inserat zur Gründung habe sich damals niemand gemeldet, berichtet Keller. Wie sie denn dann zu Mitgliedern kamen? «Im Grunde hat einfach jeder jemanden gekannt und so wurden aus zuerst acht Gründungsmitgliedern schliesslich sechzehn.» Zu seiner Blütezeit von 2010 bis 2015 zählte der Verein gar ganze 25 Mitglieder. «Am meisten schätzte ich immer die Kameradschaft», erinnert sich Keller. Aber auch der Humor sei nicht zu kurz gekommen. So habe es sich einmal zugetragen, dass als vermeintlich türkischer Grossmeister der derzeit amtierende Zentralpräsident des Schweizerischen Schachbunds, André Vögtlin, unter einem Pseudonym in Pfeffingen ein Simultan-turnier gespielt habe.
Ein Abschied mit Lichtblick
«Aber es ist jetzt auch gut, dass es zu Ende ist», fügt Keller an. Der Verein zählte zuletzt nur noch sieben Mitglieder, wovon eines erst kürzlich verstorben sei. «Der Club ist leider einfach überaltert», erklärt der Pfeffinger. «Jetzt haben wir alles verkauft. Wir sind der Gemeinde sehr dankbar, dass wir über all die Jahre hinweg stets den Gemeindesaal für unsere Schachabende nutzen durften».
Auf die Frage, ob er denn weiterhin Schach spiele – vielleicht gar in anderen Vereinen –, winkt Keller ab: «Die Schachära ist für mich vorbei. Manchmal spiele ich am Computer noch kurze Runden, aber im Kern konzentriere ich mich nun auf meine Gesundheit und auf mein nächstes Buch.» Worum es darin gehen soll, verrät der Autor von «2020 – das Jahr 0» allerdings noch nicht. «Schön wäre», fügt Keller an, «wenn ich das Buch zu Ende geschrieben habe, ehe ich 80 Jahre alt bin. Das sind also noch vier Jahre. In diesem Alter will man sich aber auch nicht mehr unter Druck setzen.»
Langweilig wird dem lebensfrohen Autor offenkundig nicht. Auf die Zeit im Schachclub blickt Keller mit sichtbarer Dankbarkeit zurück, während er zu verstehen gibt: Noch mehr freue er sich auf das, was kommt.


