Lob, Tadel und ganz viele Mandarinen

Der Santiglaus besucht in diesen Tagen im ganzen Birseck und Dorneck die Mädchen und Buben. Bei Kindern sorgen sie für Ehrfurcht, Freude und manchmal auch etwas Angst. So wie am Dienstag in Aesch.

Das Beste kommt zum Schluss: Der Schmutzli überreicht das verdiente Santiglaus-Säckli.  Foto. Tobias Gfeller
Das Beste kommt zum Schluss: Der Schmutzli überreicht das verdiente Santiglaus-Säckli. Foto. Tobias Gfeller

Dr Santiglaus, dr Santiglaus», ruft ein kleiner Junge aus einem vorbeifahrenden Auto. Die Mutter am Steuer reagiert rasch, schaltet den Rückwärtsgang ein und lässt die Fensterscheibe beim Kind herunter. Der Kleine, keck und mutig, lädt den Santiglaus gleich zu sich nach Hause ein. Doch der Santiglaus muss zu Myka gleich um die Ecke. Der Santiglaus hat über die Sechsjährige fast nur Positives in seinem dicken schwarzen Buch notiert. «Du räumst immer gut dein Zimmer auf. Willst du das mal dem Schmutzli zeigen?» Myka, ganz ohne Furcht, führt den grossen Mann im braunen Gewand die Treppe hoch. «Du musst etwas leise sein, mein kleiner Bruder schläft schon», sagt Myka zum Schmutzli, der natürlich artig gehorcht.

Myka hat viele Freundinnen, weiss der Santiglaus. Die kommen manchmal zum Essen. «Da gibt es Chicken Nuggets, Spaghetti oder Maccheroni», schwärmt die Sechsjährige. Mami habe aber auch schon Rüebli dazu gekocht. Oder Erbsen. Das schmecke aber schon nicht so gut wie die Chicken Nuggets. Der Santiglaus hebt den Mahnfinger und erklärt mit klarer Stimme. «Gemüse ist gut und gesund. Zum Beispiel Blumenkohl und Spinat, oder, Schmutzli?» Dieser bejaht und brummt. «Dann wirst du vielleicht mal so gross wie ich.» Nachdem Myka ihren langen Vers fehlerfrei aufgesagt hat, greift einer der beiden Schmutzlis tief in seinen Jutensack und holt ein grosses Geschenk hervor.

Zuerst ängstlich, dann mutig

Der Santiglaus und seine Schmutzlis verabschieden sich von Myka und ziehen im Nieselregen weiter. Es warten Lionel und Elias, die mit ihren Eltern und Grosseltern den Abend verbringen. Noch bevor der Santiglaus mit seinem Bischofsstab an die Tür klopft, schaut Lionel schon neugierig aus dem Fenster. Auch er geht wie Myka ins «rote Schulhaus» und hat am liebsten Rechnen. Nervös dreht der Siebenjährige seine Finger vor dem Mund. Nach etwas Lob wird der Santiglaus streng. Er spiele viel Nintendo, habe er gehört. «Lieber etwas weniger Nintendo spielen und mehr nach draussen gehen», rät der Santiglaus. «Auch bist du manchmal etwas frech zum Mami, obwohl es doch so viel für dich tut.» Lionel zeigte sich einsichtig und verspricht Besserung. Während Elias mutig vor den Santiglaus tritt, kommen bei seinem jüngeren Bruder Elias die Tränen. In Mamis Armen erzählte er dem Santiglaus aber stolz, dass er neu bei den G-Junioren des FC Aesch spielt und im Kindergarten gerne malt. Und auch er freut sich am Ende über Mandarinli, Nüsse und Lebkuchen.

Reinacher Zunft lädt ein

Natürlich ist der Santiglaus auch heute, am 6. Dezember, unterwegs, auch auf öffentlichen Plätzen. Zum Beispiel in Reinach. Wie immer am Santiglaus-Tag lädt die Zunft zu Rebmessern Mädchen und Buben um 18 Uhr zum Dorfbrunnen. Der Santiglaus wird jedem Kind, das ihm einen schönen Vers oder ein Lied vorträgt, einen Santiglaus-Sack überreichen – die Väter und Mütter sind derweil zu einem Umtrunk eingeladen.

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