Hol- und Bringhüsli: «Im Kern geht es ums Tauschen»

Das Hol- und Bringhüsli war und ist für Aesch ein grosser Erfolg. Unmut gab es neulich, weil Unbekannte sich bedienten, offenbar zum Zweck, die Sachen weiter zu verkaufen.

Ehrenamtlicher Einsatz: Regula Gygax und ihr Team sind jeden Tag vor Ort und sorgen für Ordnung. Foto: Caspar Reimer
Ehrenamtlicher Einsatz: Regula Gygax und ihr Team sind jeden Tag vor Ort und sorgen für Ordnung. Foto: Caspar Reimer

Seit Dezember 2018 steht es auf dem Parkplatz des Aescher Gartenbades – das damals erste Hol- und Bringhüsli der Region. Das Angebot war von Beginn weg ein grosser Erfolg und «wird, wie man sieht, nach wie vor rege genutzt», sagt Initiantin und Gründerin des Angebotes, Regula Gygax. In der Tat ist das Hüsli, das eigentlich eine Art Baustellencontainer ist, voll mit Büchern, Kleidern, Spielsachen oder Geschirr und passend zur Jahreszeit ist aktuell auch Weihnachtsdekoration zu finden. Ausdrücklich nicht gewünscht sind allzu sperrige Gegenstände, Lebensmittel, VHS-Kassetten, Ordner oder Kleiderbügel: «Das sind Dinge, die niemand brauchen kann.» In Zeiten der Lockdowns sei das Hol- und Bringhüsli besonders gut gelaufen: «Die Leute hatten Zeit zum Ausmisten.» Und in der warmen Jahreszeit ist der Ort auch zum sozialen Treffpunkt geworden: «Es treffen sich hier Leute aus unterschiedlichen Ländern und Generationen», freut sich Regula Gygax. Sie, ihr Mann sowie ein Team aus sechs Leuten betreuen das Hol- und Bringhüsli jeden Tag. Sollte einmal etwas abtransportiert werden, steht der Werkhof zur Stelle.

Ärger um Missbrauch

Neulich sorgten Vorgänge rund um das Hol- und Bringhüsli für Unmut bei einigen Anwohnerinnen und Anwohnern: Offenbar seien Unbekannte mit einem Lieferwagen vorgefahren und hätten das Hüsli quasi leer geräumt. Gygax dazu: «Es gab und gibt immer wieder Leute, die Dinge aus dem Hüsli mitnehmen, um diese dann zu verkaufen. Wir können das aber nicht verhindern, wie auch?» Sie sei sich bewusst, dass es Menschen gäbe, die «vielleicht eher am unteren Ende der Einkommensleiter leben, die mit Gegenständen aus dem Hüsli noch ein kleines Einkommen erzielen. Wir werden nochmals prominent darauf hinweisen, dass das Hüsli niemals eine kommerzielle Idee war, sondern wirklich eine Idee des Gebens und Nehmens ist.»

Mehr Tausch, weniger Profit

Die Idee vom Geben und Nehmen – sie ist der Geist, den das Hol- und Bring­hüsli atmet: «Der Gedanke, etwas zu verschenken – einfach so und gratis etwas holen zu dürfen – also eine Geschenk- und Tauschökonomie, das ist etwas, was ich mir auch für unsere Gesellschaft wünschen würde. Im Kern geht es ums Tauschen und Weiterverwenden.» Das Team um Regula Gygax schliesst das Häuschen morgens auf und abends wieder zu – auch am Samstag. Interessierte können ihre guterhaltenen Dinge ins Häuschen legen und vielleicht das eine oder andere selbst mitnehmen. «Kommt etwas nicht weg, müsste es der ehemalige Besitzer oder die ehemalige Besitzerin nach zwei Wochen wieder abholen.» Das Team kümmert sich mit viel Liebe und Aufmerksamkeit darum, dass das Hüsli sauber und ordentlich bleibt: «Betreuung ist ein Muss, sonst herrscht innerhalb kürzester Zeit das grösste Puff.»

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