Dom an der Urne gescheitert

Das Aescher Stimmvolk hat den Dom mit rund 59% Nein abgeschmettert. Die Gemeinde ist nun gefordert, neue Lösungen auszuarbeiten. Die Dom-Gegner wollen konstruktiv mitarbeiten.

Zeigt sich enttäuscht vom Resultat: Gemeindepräsidentin Eveline Sprecher im Klubhaus des FC Aesch, wo sich das Pro-Komitee am Abstimmungssonntag traf. Foto: Kenneth Nars
Zeigt sich enttäuscht vom Resultat: Gemeindepräsidentin Eveline Sprecher im Klubhaus des FC Aesch, wo sich das Pro-Komitee am Abstimmungssonntag traf. Foto: Kenneth Nars

Es war ein intensiver Abstimmungskampf, wie er bei kommunalen Vorlagen nur sehr selten zu beobachten ist. Der Dom, ein imposanter Holzkuppelbau der Firma Häring, polarisierte. Auf verschiedensten Kanälen, in den sozialen Medien und im «Wochenblatt» lieferten sich die beiden Lager einen regelrechten Schlagabtausch. Während die Befürworter hervorhoben, dass der Bau sowohl Kultur- als auch Sportvereinen Platz bieten ­würde und dabei Aesch auch noch weit über die Gemeindegrenzen bekannt machen würde, empfanden die Gegner die Kugelkalotte als viel zu gross und zu ­teuer. Ihre Argumente konnten eine Mehrheit überzeugen: Bei einer hohen Stimmbeteiligung von fast 57 Prozent versenkten die Stimmberechtigten die Vorlage mit ­einem klaren Nein am vergangenen Sonntag.

Ueli Siegenthaler, Präsident des Referendumskomitees, zeigte sich am Montag nach der Abstimmung erleichtert. «Ich bin froh, dass es so gekommen ist. Der Abstimmungskampf war anstrengend, teilweise auch belastend. Jetzt bin ich erleichtert, dass das Stimmvolk einen klaren Entscheid gefällt hat.» Überrascht vom Resultat sei er allerdings schon: «Es hätte wohl niemand von uns damit gerechnet, dass das Nein mit 59% so deutlich ausfällt.» Gründe für das klare Nein sieht Siegenthaler darin, dass die Argumente seines Komitees einen grossen Teil der Bevölkerung zum Nachdenken gebracht hätten. Das zeige auch die hohe Stimmbeteiligung. «Die Leute ­haben sich aufgrund unserer Kampagne überlegt, ob sich Aesch diesen Bau ­wirklich leisten kann und ob die Doppelnutzung für Kultur und Sport funktioniert.» Auch die wahrscheinliche Direktvergabe an die Firma Häring hätten viele «in den falschen Hals gekriegt», meint ­Siegenthaler.

«Müssen wieder bei null beginnen»

Gemeindepräsidentin Eveline Sprecher (SP) zeigte sich am Montag nach der Abstimmung sehr enttäuscht vom Resultat. «Die Coronasituation hat sicherlich einen grossen Einfluss gehabt, aber auch die Kampagne der Gegner konnte die Menschen verunsichern», resümiert sie. Einen demokratischen Entscheid gelte es zu akzeptieren, dennoch sei Aesch mit dem Dom eine echte Chance durch die Lappen gegangen. «Sponsoringgelder in der Höhe von vier Millionen sind verloren, ebenso ein Grossteil des Geldes, das für die Planung aufgewendet wurde. Und es gibt weiterhin keine Lösung für die Vereine. Wir müssen wieder bei null anfangen.» Das ärgert auch Rolf Blatter, Mitglied des Ja-Komitees: «Es ist immer einfacher, ein Projekt zu versenken, als es zu promoten. Die vergangenen vier Jahre, in denen am Dom gearbeitet wurde, sind nun verloren. Und das, weil im Abstimmungskampf von den Gegnern falsche Aussagen über die Grösse der Halle und die Kosten ins Feld geführt wurden, die die Bevölkerung verunsichert haben.»

Gegner wollen dezentrale Lösung

Der Gemeinderat ist jetzt gefordert, neue Projekte auszuarbeiten. Es kann sein, dass Teile der Planungen übernommen werden könnten, so zum Beispiel die Bedarfsanalyse, die bei den Vereinen durchgeführt wurde. Dennoch wirft das Nein die Gemeinde zurück: «Es wird frühestens in ein paar Jahren neue Lösungen für die Vereine geben», sagt Gemeindepräsidentin Sprecher gegenüber dem «Wochenblatt». Das Referendumskomitee zeigt sich indes aufgeschlossen: «Falls der Gemeinderat an einem Austausch interessiert ist, bringen wir gerne unsere Ideen ein», sagt Ueli Siegenthaler. Denn gegen neue Räumlichkeiten hätten sie sich nie ausgesprochen, diese sollten allerdings dezentral geplant werden. Den Gegnern schwebt eine Kulturhalle im Dorf vor – vielleicht kombiniert mit einem Mittagstisch, wie Siegenthaler ausführt: «Denn bei der Schulraumplanung wird es durch den Bevölkerungszuwachs neue Räumlichkeiten brauchen.»

Dass der Gemeinderat mit weiteren Projekten gefordert sein wird, bestätigt Eveline Sprecher: «Wir haben noch genug zu tun in den kommenden Jahren, gerade wenn es um Schulraumplanung geht. Wir haben mit den Planungsarbeiten schon seit längerer Zeit begonnen. Weitere Planungen und Projekte in den Bereichen Kindergärten, betreutes Wohnen und Fernwärme sind ebenfalls angelaufen. Allerdings hätten wir mit dem Dom nun endlich beginnen können.» Und ein neues Projekt, da ist sich Sprecher sicher, werde garantiert nicht günstiger als der Dom.

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