Es herrscht noch keine Einigkeit

Das Isola-Areal soll in eine Zone für Wohnen und Gewerbe umgewandelt werden. Damit soll attraktiver Wohnraum entstehen. Aber auch auf Wünsche von Gewerbetreiben-den soll eingegangen werden.

Das Isola-Areal in Breitenbach: Die Planung nimmt konkrete Formen an.  Foto: Visualisierung KCAP Zürich©
Das Isola-Areal in Breitenbach: Die Planung nimmt konkrete Formen an. Foto: Visualisierung KCAP Zürich©

Die Grundeigentümer haben ihre Überbauungspläne für das Isola-Areal konkretisiert. Es sei städtebaulich eine grosse Chance für Breitenbach, halten sie gegenüber dem «Wochenblatt» fest. Der Gemeinderat will zuerst die finanziellen Folgen für die Gemeinde klären, bevor er aus der Industriezone ein Wohngebiet macht.

Die Von Roll verkaufte das 114000 m2 grosse Isola-Areal in Breitenbach im Frühjahr 2021 an die Seraina Invest Foundation und verlagerte ihre Produktion nach Büsserach und an Standorte in Deutschland. Anfang des nächsten Jahres zieht sie aus dem grossen Verwaltungsgebäude an der Passwangstrasse aus. Denn inzwischen wurde sie vollständig vom deutschen Chemiekonzern Altana AG aufgekauft.

Das Isola-Areal war vor 122 Jahren der Ort der Pioniere, prägte die Branche der Kabelherstellung und entwickelte sich zur wichtigsten Arbeitsstätte der Region mit Leuchtturmcharakter. 1945 entstand ein modernes Labor mit einer Hochspannungsprüfanlage. In den 60er-Jahren war die Isola Arbeitsort für 2000 Menschen. «Wir sind uns der Bedeutung dieses Ortes bewusst», sagt Arthur Onyeali von der Seraina Invest AG. Er leitet das Breitenbacher Projekt der Seraina Investment Foundation. Die Stiftung verwaltet das Geld von Pensionskassen. Schweizweit betreut sie 45 Projekte und hat ein Portfolio von 1,4 Milliarden Franken. «Wir wollen auf dem Isola-Areal einzelne Gebäude, die von historischem Wert sind, erhalten und mit Neubauten ergänzen und verdichten», führt Onyeali aus. Dies könne man nur erreichen, wenn das Areal auf eine neue Rechtsgrundlage gestellt werde. «Gemäss der heutigen Zonenvorschriften kann die Grundeigentümerin die bestehenden Gebäulichkeiten abreissen und durch neue Industriehallen ersetzen», stellt Breitenbachs Bauverwalter Peter Hänggi klar. Auch auf der momentan grünen Wiese in der Neumatt könnte die Investorin zonenkonform eine Gewerbehalle errichten.

Für die Grundeigentümer liegt auf der Hand: Die Planung richtet sich nach dem Bedarf. «Es nützt nichts, ein altes Gebäude zu restaurieren, wenn es dafür keinen Nutzen gibt», erklärt Immanuel Malka von der Seraina Invest AG. Geplant ist, das einstige Laborgebäude, die Kantine und das Verwaltungsgebäude in der ursprünglichen Form zu erhalten oder die geschichtliche Bedeutung architektonisch weiterzuentwickeln. Die Zwischennutzung — diverse Räumlichkeiten sind zur Vermietung ausgeschrieben — dürfte noch eine Weile dauern. Für die gesamte Umnutzung des Areals gibt es einen Zeithorizont von fünfzehn bis zwanzig Jahren. Die Nachfrage gibt den Takt an. Möglicher Baubeginn der ersten Etappe ist für 2028 vorgesehen. Bis 2045 könnten 600 Wohnungseinheiten entstehen.

Die derzeitigen Mieterinnen und Mieter seien auch später willkommen — die gewerbliche Nutzung sei Bestandteil des Projektes, sodass Mieterinnen und Mieter die Möglichkeit haben, sich zu entwickeln und auf dem Areal umzuziehen, führt Onyeali aus.

Die Seraina Invest AG wünscht, dass das Areal im Zonenplan Änderungen erfährt, wonach es nicht mehr für die industrielle Nutzung gedacht ist, sondern für Wohnen und Gewerbe. «Städtebaulich ist das eine grosse Chance für Breitenbach», sagt die zuständige Architektin und Stadtplanerin Anouk Kuitenbrouwer vom Planungsbüro KCAP. Das Richtprojekt sieht vor, attraktiven Wohnraum zu schaffen, aber auch bei der gewerblichen Nutzung eine Wertschöpfung zu erreichen. «Das erklärte Ziel der Gemeinde, die gewerbliche Bruttogeschossfläche gegenüber dem heutigen Stand zu erhöhen, konnte erreicht werden. Mit dem vielfältigen Flächenangebot können wir auf Wünsche von Gewerbetreibenden eingehen», sagt Immanuel Malka.

Planer setzen auf Lebensqualität

Beim Wohnen strebe man einen guten Mix an zwischen Stockwerkeigentum und Mietwohnungen. Man folge dem Parameter des verdichteten Bauens, schaffe aber auch Grünflächen. «Bei der Höhe der Gebäude werden wir die Marke von 30 Metern nicht überschreiten», sagt Anouk Kuitenbrouwer.

Die Planer setzen auf Lebensqualität. Sie räumen dem Aufwertungsmerkmal einen hohen Stellenwert ein. «Wir wollen für ganz Breitenbach einen Mehrwert schaffen. Im Mittelpunkt des Projektes stehen die Renaturierung der Lüssel, die Schaffung idyllischer Aufenthaltsorte mit einem Zugang zum Wasser und Räumlichkeiten für eine gemeinschaftliche Nutzung, zum Beispiel für eine Kita», führt Kuitenbrouwer aus. Das bestehende Industriedach wolle man nutzen, um den geplanten Spielplatz witterungsgeschützt zu gestalten. Für den Langsamverkehr wird ein attraktives Verbindungsnetz angelegt, die Autos kommen in die Tiefgarage — «das Areal wird autoarm», erklärt Kuitenbrouwer. Die Erschliessung erfolgt über die Passwangstrasse — hier werden für die Gewerbeliegenschaften entlang der Strasse Parkplätze bereitgestellt — für die Wohnungen ist für die Autos eine unterirdische Lösung angedacht.

Der Prozess startete mit dem Räumlichen Leitbild, welches in Leitsätzen die Formation definierte und im Oktober 2023 von der Stimmbevölkerung an der Urne mit einem Ja-Anteil von 66 Prozent gutgeheissen wurde. Seither hat die Grundeigentümerin die Planung vorangetrieben. Die Nutzungsplanung liegt im Kanton Solothurn in der Kompetenz des Gemeinderates; der will die Zonenplanänderungen erst einleiten, wenn die finanziellen Folgen für die Gemeinde absehbar sind. «Dieses Vorgehen wird nicht in jeder Gemeinde gleich gehandhabt. Im Moment laufen die Verhandlungen mit der Gemeindebehörde», informiert Arthur Onyeali.

Gemeinde prüft finanzielle Folgen

Der für die Raumplanung zuständige Gemeinderat David Häner nimmt dazu Stellung: «Es geht nicht nur darum, den Betrag der Mehrwertabgabe zu ermitteln. Es ist unsere Pflicht, die Auswirkungen in ihrer ganzen Bandbreite aufzuzeigen. Wir wollen wissen, welche Investitionen in die Gemeindeinfrastruktur notwendig sind und wer diese zu tragen hat. Dabei werden auch die Fragen des Unterhalts geklärt», präzisiert Häner. «Es laufen diverse Abklärungen mit Fachpersonen und Verhandlungen mit den Vertretern der Grundeigentümerschaft.» Sobald die Details geregelt seien und sich die Nutzungsplanung konkretisiert, werde die Bevölkerung zu einer Infoveranstaltung eingeladen, lautet das Versprechen des Gemeinderates. «Ein solcher Anlass macht erst dann Sinn, wenn wir auf Fragen Antworten geben können», meint Häner.

Nicht abschliessend definiert ist zum Beispiel auch der Strassenlinienplan, der aufzeigt, wo die neue Lüsselquerung entstehen soll. Sie ist für die Anbindung des Industriegebietes Breitenbach-Büsserach vorgesehen und verbessert zudem die Durchlässigkeit mit dem Neumatt-Wohnquartier.

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