Zwischen Wort, Kunst und Musik

Am Pfingstsamstag fand um 18 Uhr in der Schlosskapelle Burg eine Pfingstvigil statt. Im Zentrum stand der Aufruf zu Frieden und zum gegenseitigen Verstehen. Es war eine eindrückliche Stunde der Besinnung.

Sehnsuchtsvolle Renaissanceklänge: Clara Rueff und Flavio Banni; im Hintergrund: Marek Sowulewski. Foto: Thomas Brunnschweiler
Sehnsuchtsvolle Renaissanceklänge: Clara Rueff und Flavio Banni; im Hintergrund: Marek Sowulewski. Foto: Thomas Brunnschweiler

Burg

Ein Vorbereitungsteam und Diakon Marek Sowulewski hatten die Vigil vorbereitet. Die Pfingsterzählung ist literarisch der Antityp zur Erzählung vom Turmbau zu Babel, wo es um Sprachverwirrung geht. Die Apostelgeschichte 2 von Lukas handelt von einem Hörwunder, dem Wunder des Verstehens und des Fallens von Sprachgrenzen. Zu Beginn der Vigil sang das Ensemble VoceVica das festlich-virtuose, mehrstimmige «Jauchzet Gott, alle Welt» von Felix Mendelssohn. Nach Glockengeläut und Stille ergriff Pastoralraumleiter Sowulewski das Wort und zitierte Römerbrief 5,5: «Denn die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsere Herzen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben ist.» Pfingsten sei das Fest des Friedens und des gegenseitigen Verstehens, bei dem die Sprachlosigkeit verschwindet. Der Diakon betete die Pfingstsequenz aus dem 12. Jahrhundert, in der es heisst: «Komm herab, o Heil’ger Geist, der die finstre Nacht zerreisst …» Ida Schaffter, die Präsidentin des Pastoralraumrats, las die Pfingstgeschichte vor. Sowulewski griff ein Zitat des Propheten Joel über Visionen und Träume auf und sagte, heute seien es oft Literaten und Künstler, die Visionen und Träume zum Ausdruck bringen. Flavio Banni spielte auf der Gitarre John Dowlands «Farewell», ein zartes, introvertiertes Stück mit feinen Nuancen.

Dichter Text und starkes Bild

Die begabte junge Autorin Tanja Arx las aus ihrem Debütroman «Zwischen Haut und Himmel», für den sie einen Werkbeitrag des Fachausschusses Literatur beider Basel erhielt. Darin erzählt sie aus drei Perspektiven. Sie wählte den Ausschnitt, in dem ein durstiger Rotarmist im Krieg von der Sehnsucht nach Wasser und Wärme getrieben durch eine sehr schön und genau beschriebene Landschaft stapft, im Wasser eine Leiche findet und erkennt: «… das Wasser vergiftet vom Tod». Der dichte und anschauliche Text wurde von Arx adäquat vorgetragen. Es folgten zwei Lieder des englischen Renaissance-Komponisten John Dowland, vorgetragen von der Sopranistin Clara Rueff mit klarer Stimme und dem Gitarristen Flavio Banni. Die in der Burg wohnhafte Iris Balbach beschäftigt sich in einem Bildzyklus mit dem Untergang des 1945 torpedierten und untergegangenen Lazarettschiffs «Wilhelm Gustloff», bei dem auch der Grossvater der Künstlerin den Tod fand. Wie gehen wir mit dem Schweigen der Überlebenden und den Folgen für die späteren Generationen um? VoceViva und Clara Rueff sangen das Taizé-Lied «Veni Creator Spiritus», bevor der Diakon auf die Wichtigkeit der Künste verwies, die Sprachlosigkeit zu überwinden und die Spuren der Vergangenheit freizulegen. Nach einer Stille, einem Gitarrenstück von Francesco da Milano und Mendelssohns «Hebe deine Augen auf zu den Bergen», strömten die Vigil-Gäste auf den Schlosshof, wo es noch etwas für das leibliche Wohl gab. An diesem Abend wurde spürbar, was Pfingsten im Kern bedeutet.

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