Der Traum vom eigenen Campingplatz

Thomas Neyerlin und Sibylle Luisi haben ihren Traum verwirklicht. Sie kündigten ihre sicheren Jobs, vermieteten ihr Haus und kauften einen Campingplatz in Frankreich. Ein Jahr später ziehen sie trotz viel Arbeit und mancher Herausforderung eine positive Bilanz.

Vom Laufental nach Obterre: Thomas Neyerlin und Sibylle Lusis auf ihrem Campingplatz. Foto: zVg
Vom Laufental nach Obterre: Thomas Neyerlin und Sibylle Lusis auf ihrem Campingplatz. Foto: zVg

Endlich verdiente Sommerferien! Am liebsten würde man gar nicht mehr zur Arbeit zurückkehren. Thomas Neyerlin aus Wahlen, ehemaliger Polizist, und Sibylle Luisi, zuletzt im Sekretariat und in der Buchhaltung der Kelsag in Liesberg angestellt, haben diesen Gedanken umgesetzt. Das Campingfieber hatte die beiden so gepackt, dass sie ihre Jobs kündigten, das Einfamilienhaus in Laufen vermieteten und beschlossen, einen eigenen Campingplatz zu kaufen. Die im Januar ausgestrahlte Auswanderer-Dokuserie «Auf und davon» von SRF zeigt den beschwerlichen Weg, bis das Paar nach rund 15 Campingplatzbesichtigungen endlich ihren Traumort gefunden hatte. Seit letztem August sind sie im Besitz des Campingplatzes «Le Cormier» in Obterre in der Region Centre-Val de Loire. Mit grossem Arbeitseinsatz haben sie den Platz mit den zwölf Stellplätzen, den drei Studios und einem Gîte auf Vordermann gebracht. «Seit Ostern sind wir gut ausgebucht. Vor allem Leute aus der Schweiz, die uns von der Doku kennen oder auf der Durchfahrt sind, machen bei uns Halt. Aber auch aus England, den Niederlanden und sogar Frankreich haben wir Gäste», erzählt Thomas.

Inzwischen sanierten sie den Campingplatz, installierten neue Sanitäranlagen, Sibylle erlangte das Wirtepatent, damit sie eine Snackbar eröffnen können, und legten einen neuen Pool an. Keine schlechte Idee, war es doch auch bei ihnen in den letzten Wochen gegen 40 Grad heiss. Die Arbeit geht den beiden nicht aus. Soeben haben sie einen Pferdestall errichten lassen, denn ein Bekannter schenkte ihnen seine beiden Pferde. «Wir haben genug Weideplatz und können nun auch Reitferien anbieten», sagt Sibylle, die früher selbst ein Pferd besass. Mit einer kleinen Grillparty und einem Konzert mit der Band Stürmechopf aus dem Laufental wird dieses Ereignis am Freitag, 11. Juli, gefeiert. In den nächsten drei Tagen wird das Paar zudem von einer Filmcrew von SRF für die Sendung im Januar 2027 begleitet. Die drei Auswanderpaare der letzten Dokuserie werden in der Sendung «Auf und davon: Ein Jahr danach» nochmals begleitet.

Thomas und Sibylle finden, ihr Abenteuer hat sich gelohnt. «Ja, wir haben hier viel Arbeit. Aber die körperliche Beschäftigung draussen, die Ruhe und die Natur und der Kontakt mit den vielen verschiedenen Menschen bereiten uns grosse Freude», sagt Sibylle. Im Dorf lernten sie bereits viele Leute kennen und schlossen Freundschaften. Ihre Verwandten, Kinder und Freunde kommen sie regelmässig besuchen und hin und wieder reisen sie selbst ins Laufental. Sibylle war gerade für ein paar Tage zu Hause und Thomas wird demnächst losfahren. «Dann wandere ich immer als Erstes um den Stürmen», erzählt er.

«Wir wollen für die nächsten zehn Jahre hierbleiben. Danach werden wir den Platz wieder verkaufen und in Pension gehen», so die Vorstellung des 62- bzw. der 59-Jährigen. «Dann werden wir auch wieder mit dem Wohnwagen losziehen.» Dies vermissen sie ein wenig — auf dem Campingplatz wohnen sie in einer Wohnung. «Doch manchmal, wenn es gewittert, übernachten wir in unserem Campingwagen, der auf dem Areal steht. Wir lieben diese Atmosphäre.» Reich werden die beiden mit dem Campingplatz nicht. «Ich bin bis heute nicht Millionär geworden und werde es auch nicht werden. Aber wir können uns den Standard leisten, den wir hatten. Wir haben ein Auto, können fein essen gehen und haben alles, was wir brauchen», meint Thomas. Als Erfolgsrezept für jene, die auswandern wollen, nennt er, viel Zeit einzuplanen und sich gut zu informieren. Sie hatten einen Anwalt, der sie gut beraten hat. Ihr Wunsch: gesund zu bleiben, denn dies erachten sie nicht als selbstverständlich.

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