Zwei Parteilose steigen ins Rennen

In Laufen muss ein Sitz im Stadtrat neu besetzt werden. Ende September kommt es zu einem ungewöhnlichen Duell.

Laufen

Am 27. September wählt Laufen an der Urne ein neues Mitglied in den Stadtrat. In den Startlöchern stehen Fathia Rahmani-Sinani und Reto Schmidlin. Sie beide wollen den vorzeitig zurücktretenden Christian Hamann ersetzen und frischen Wind in die siebenköpfige Exekutive bringen. Baustellen gibt es im Städtchen an der Birs, das unter anhaltenden Finanzproblemen ächzt, genügend.

Allen voran in den Bereichen Gesundheit, Bildung und Soziales, wie eine extern geführte Finanzanalyse vor einem Jahr offenbarte. Dort sind die Ausgaben der Stadt überdurchschnittlich hoch — Kostentreiber, denen der Stadtrat mit Massnahmen begegnen muss. Erst recht, seit der erneute Antrag auf eine Steuererhöhung von der Gemeindeversammlung Ende 2025 gebodigt wurde. Die Mehrheit der Bevölkerung möchte auf drastischere Sparmassnahmen setzen. Betroffen ist jedes Departement. Auch der Bereich Sicherheit und Justiz, dem Hamann vorstand und den die oder der Neugewählte am ehesten besetzen wird.

Bekanntheit wird bei Wahl eine wichtige Rolle spielen

Mit dem Wechsel vom Proporz- zum Majorzwahlverfahren schnitt die Stadt vor zwei Jahren einen alten Zopf aus Berner Zeiten ab. Dadurch wird die Bekanntheit in der Stimmbevölkerung zum schlagendsten Argument für die Kampfwahl — insbesondere dann, wenn die Kandidierenden parteilos in den Ring treten. Dies gilt für beide Kandidierenden.

Die GLP Laufental sammelt zwar die Stimmen für Rahmani-Sinanis Wahlvorschlag, sie selbst betont jedoch ihre parteilose Kandidatur. Die 45-Jährige wuchs in Laufen auf und arbeitet als Sozialarbeiterin bei der Sozialberatung Laufental. Dort unterstützt sie Hilfesuchende aus umliegenden Gemeinden bei der beruflichen, wirtschaftlichen und sozialen Integration. Da Rahmani-Sinani nicht für die Stadt tätig sei, bestehe kein Interessenkonflikt, sagt sie. Ihre Erfahrung aber zeige, dass man Betroffene besser weiterbilden und fördern müsse, um hohe Sozialkosten zu senken. «Dafür müssen wir initial auch mehr investieren, anstatt einzusparen.» Auch mit den Bereichen Bildung und Gesundheit sei sie als Mutter zweier Kinder und als ehemalige Leiterin der Bewohneradministration des Seniorenzentrums Rosengarten gut vertraut.

Austausch zwischen Politik und Volk verbessern

Als Vertreterin der dritten Einwanderergeneration kenne sie Laufen und seine Menschen sehr gut. «Ich sehe mich als Brückenbauerin zwischen Kulturen und Generationen.» Sie ist überzeugt: «Der Stadtrat braucht unterschiedliche Perspektiven und muss ausgewogen zusammengesetzt sein.»

Auch ihrem Kontrahenten Reto Schmidlin ist daran gelegen, den Austausch zwischen der Politik und der Bevölkerung in Laufen zu verbessern. «Vor allem aber möchte ich als Stadtrat mit anpacken, um die finanziellen Probleme zu lösen», erklärt der 59-Jährige. Schmidlin wuchs in Dittingen auf, ist verheiratet und hat eine Tochter. Er wohnt seit bald 26 Jahren in Laufen. Einst promovierte er in Physikalischer Chemie, ist heute aber als Berater mit eigener Firma für Schweizer und ausländische Versicherungen tätig.

Schmidlin wird bisher von keiner Partei offiziell unterstützt. Er selbst bezeichnet sich aber als bürgerlich. «Ich möchte, dass Laufen als Wohn- und Gewerbestandort attraktiver wird.» Im Sozialbereich müsse man die Schwachen unterstützen und die Gemeinde müsse auf ihre Umweltressourcen schauen. «Jedoch immer unter dem Aspekt, dass man es auch finanzieren kann, und nicht immer neue Steuern braucht.» Erfahrung in einem politischen Amt hat Schmidlin bisher keine. Als Stadtrat möchte er sich für eine gute Kommunikation einsetzen und die Bevölkerung frühzeitig ins Boot holen.

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