Ein kinderfreundlicher Platz für die kinderfreundliche Gemeinde
Die Gemeinde Blauen demonstriert mit dem neuen Spielplatz eindrücklich, was möglich ist, wenn alle am gleichen Strick ziehen.
Blauen
Wäre es nach den Wünschen der Kinder gegangen, stünden auf dem neuen Spielplatz ein Aquarium, eine Pizzeria, eine Seilbahn und ein Zoo. Im Workshop, zu welchem vor zwei Jahren die ganze Dorfbevölkerung eingeladen war, durften die teilnehmenden Kinder — das jüngste war 3-jährig — auch noch so unrealistische Ideen einbringen. Schnell zeigte sich, dass sich zwar keine Seilbahn und auch kein Aquarium bauen liess. Die gewünschte breite Rutschbahn und ein Aussichtsturm fanden aber eine Mehrheit und schafften es über den Wunschzettel hinaus hinter das Schulhaus.
Kein einziges vorgefertigtes Element
Im Rahmen der Rezertifizierung als «kinderfreundliche Gemeinde» wurde ein neuer Spielplatz in den Massnahmenplan der Gemeinde Blauen aufgenommen. Die Idee, die bestehende 22-jährige Anlage komplett zu ersetzen, begeisterte nicht nur die Jüngsten im Dorf, sondern die ganze Einwohnerschaft und viele Vereine. Der Aufruf der Gemeinde, sich für eine Arbeitsgruppe zu melden, löste denn auch grosse Resonanz und viel Engagement aus: Sitzungen wurden abgehalten, andere Spielplätze besichtigt, Sponsoren und Gönner gesucht — und während der rund 6-wöchigen Bauphase legten einige Arbeitsgruppenmitglieder und Kinder selber Hand an. Das Ergebnis lässt sich sehen: Forst Thal, der unter vier Eingeladenen siegreich aus der Ausschreibung hervorging, erstellte den Spielplatz komplett individuell, kein einziges vorgefertigtes Element wurde verbaut. Die mitbauenden Blaunerinnen und Blauner schufen mit dem Iglu einen stimmigen Rückzugsort für alle, die vom Rutschen, Klettern und Balancieren eine Pause brauchen.
Baubewilligung im letzten Moment erhalten
Eine Pause hatte anlässlich der Einweihung vom vergangenen Samstag aber niemand nötig. Noch bevor das rote Band durchschnitten wurde, testeten die Kleinsten die Anlage fleissig auf Herz und Nieren. Gemeinderat Florian Meury blickte in einer kurzen Ansprache auf den spannenden Werdegang des Spielplatzes zurück und dankte allen Mitwirkenden. Das Budget von 100000 Franken konnte eingehalten werden, grosszügige Sponsoren- und Gönnerbeiträge deckten davon bislang knapp die Hälfte. Beinahe auf dem linken Fuss wurde die Gemeinde bezüglich Baubewilligung erwischt: Nur wenige Tage vor Baubeginn bewilligte der Kanton das Gesuch, welches aufgrund des besagten Aussichtsturms überhaupt erst notwendig war.
Mit einem kinderfreundlichen, alkoholfreien Sekt stiessen alle auf die grossartige Installation an. Die begeistert kletternden Jüngeren wurden mit dem Versprechen auf eine Glace von den Spielgeräten heruntergelockt. Bei den Älteren ist nicht überliefert, ob sie sich allenfalls erst im Schutz der Dunkelheit ebenfalls von Tragfähigkeit und Spassfaktor der Anlage überzeugt haben.






