Zusammenhang zwischen Vermieter und Sozialhilfekosten
Persönlich, politisch, manchmal ein heisses Eisen und immer gut für eine Überraschung: Das Spektrum bei den Matura-Arbeiten ist riesig und voller Frische.
«Was geht einer Maturandin durch den Kopf, wenn in ihrem Wohnort die Zahl der Sozialhilfebezüger zunimmt? Und sie in ihrer Arbeit auf junge Menschen trifft, die bereits im Alter von 20 Jahren von der Sozialhilfe leben? Und was ist ihrer Meinung nach zu tun?», wollte Prüfungsexperte Linard Candreia wissen. Der Gym-Lehrer war bis vor kurzem im Laufner Stadtrat für das Sozialdepartement zuständig und wurde von der Bevölkerung neu in den Landrat gewählt. Und Isabelle Imhof, die ihre Matura-Arbeit dem Thema: «Kostenentwicklung der Sozialhilfe in Laufen» widmete, stammt aus einer Familie, die sich sehr engagiert in der Politik. Ihr Vater, Alexander Imhof, präsidiert derzeit die Stadt Laufen. «Wer bereits in jungen Jahren von der Sozialhilfe leben muss, hatte es wahrscheinlich schwer in seiner Jugend und keine Berufsausbildung», war die Antwort von Isabelle Imhof. Sie führte aus: «Mein Vergleich mit anderen Orten in der Schweiz zeigt, dass nicht nur Laufen mit dem Problem steigender Sozialkosten zu kämpfen hat. Die zuständigen Gremien sind daran, Massnahmen zu diskutieren und zu ergreifen, im Baselbiet ist dies der Landrat.» Bereits in der 15-minütigen Präsentation ihrer Matura-Arbeit brillierte sie mit Sachkenntnissen. In der Diskussion blieb sie standhaft: Sie liess sich nicht ein auf einen Polit-Ballwechsel von links über die Mitte nach rechts. Auf die Frage was zu tun sei für eine gerechtere Verteilung der Sozialkosten unter den Gemeinden verwies die Maturandin darauf, dass man dafür den kantonalen Finanz- und Lastenausgleich kenne.
Isabelle Imhof war zwar in ihrer Arbeit der Frage auf den Grund gegangen, warum die Zahl der Sozialhilfebezüger angestiegen ist und kam auch zum Schluss, dass es einen Zusammenhang gibt zwischen Wohnungsvermieter und Sozialhilfekosten. «Allerdings», so hielt sie fest, habe eine Gemeinde keine gesetzliche Handhabe, auf einen Vermieter Einfluss zu nehmen. Die Hauptgründe für einen Anstieg der Kosten im Sozialen erkennt sie im Entscheid, Dienstverweigerern aus Kriegsgebieten in der Schweiz Asyl zu gewähren sowie in den letzten Änderungen (Verschärfung) der IV- und des Arbeitslosengesetzes.
Linard Candreia versicherte gegenüber dieser Zeitung, dass kein Interessenskonflikt vorhanden war. Arbeiten und Präsentationen frei von persönlichen Befindlichkeiten zu beurteilen, gehöre zur Professionalität. Gerade in regionalen Verhältnissen im System der Ehrenamtlichkeit seien Themenüberschneidungen von Politik und Beruf unvermeidbar. Ebenso komme es immer wieder vor, dass man Kinder unterrichte und prüfe von Familien, die man aus dem Leben in der Region kenne.
Muttersprache: Niederländisch
Eine persönliche und sehr spannende Auseinandersetzung mit ihrer zweiten Muttersprache – dem Niederländischen – zeigte Sannie Schnell auf in ihrer Präsentation der diesjährigen Matura-Arbeiten. Ihren Schwerpunkt widmete sie der Analyse, wie sehr sich die Umgangssprache der Jugendlichen vom allgemeinen Sprachgebrauch unterscheide. Die Jugendlichen tendieren zu Verkleinerungsformen und dazu, Wörter aus dem Englischen einfliessen zu lassen, ist ihr Fazit. Im Vergleich mit dem Dialekt des Laufentals und Schwarzbubenlandes erscheine ihr die niederländische Schülersprache aber weniger exotisch. Allerdings basiere ihre Analyse auch auf der Schriftsprache von Schülerforen im Internet. Bei Besuchen in den Niederlanden mache sie hin und wieder die Erfahrung, dass Jugendliche untereinander in einer Insidersprache kommunizieren.






