Zitterpartie in der Landwirtschaft
Der Mais prägt das Bild im Laufental und ist in der Landwirtschaft wichtiger Energielieferant. Sollte der Mais die Trockenheit nicht überleben, könnte dies fatale Folgen haben, erklärt Milchbauer Patrick Staub.
Nenzlingen
Auf dem Sonnenhof in Nenzlingen gibt es rund um die Uhr frische Rohmilch. Dafür sorgt der Milchautomat, der den Verkauf ab Hof modernisierte. «Die Direktvermarktung der Kuhmilch hat bei uns Tradition, unsere Familie bietet dies seit über 45 Jahren an, damals jeweils zu den Melkzeiten in der Morgenfrühe und am Abend», sagt Landwirt Patrick Staub auf Anfrage dieser Zeitung. Rentabel sei es nicht — der Standort sei abgelegen. «Aber es fördert bei den Konsumenten das Verständnis für die Landwirtschaft und es rundet unser übriges Sortiment ab. Zu unserer Stammkundschaft zählen auch Baselstädter», erklärt Staub, der sein Wissen aus der Produktion von Nahrungsmittel gelegentlich an Schulklassen vermittelt. Dieser Tage werde sich entscheiden, was mit dem Mais passiert. «Sollte er die Trockenheit nicht überleben, trifft dies die Milchwirtschaft mit voller Wucht», gibt Staub zu bedenken. Der Silomais mache in der Fütterung der Kühe fast die Hälfte der täglichen Ration aus, er ist wichtiger Energielieferant, wobei die gut gereiften Körner 60 Prozent beisteuern. Durch die anhaltende Trockenheit droht das Ausbleiben des Kolben. «Das hat es in unserer Region noch nie gegeben. Die modernen Maiszüchtungen sind auf Trockenheit ausgerichtet und es gibt keine Alternative mit der selben Futterqualität», sagt Staub. «Während der Blüte benötigt die Pflanze Feuchtigkeit. Damit sich das Korn entwickelt, muss der Blütenstaub die feinen Narbenfäden des Kolbens erreichen. Dieser Vorgang ist durch den Trockenstress akut gefährdet, das heisst der Kolben bleibt teilweise oder sogar vollständig ohne Körner.» Dann müsste die Pflanze abgeerntet werden bevor sie vertrocknet.
Tierbestände müssten reduziert werden
Der finanzielle Schaden sei enorm, der Landwirt bleibe auf den Produktionskosten sitzen und müsse zudem — durch Zukauf von Futter die Ertragsausfälle kompensieren. Dies sei einfacher gesagt als getan, denn auch beim Gras fehlt der Nachschub. «Die Weiden sind abgegrast, die Tiere müssen bereits aus dem Wintervorrat gefüttert werden», führt Staub aus. Aus seinem Betrieb könne er sagen, dass der Ausgleich der Futtervorräte über Jahre hinweg passiere. «Ein schlechtes Jahr kann dank den Vorräten aus Vorjahren verkraftet werden. Sollten sich im nächsten Jahr die Ertragsausfälle wiederholen, wären die Folgen fatal». Die Landwirte müssten die Tierbestände reduzieren und die Entwicklung des Bauernsterbens könnte sich beschleunigen.
Kein Maisimport aus dem Ausland
Die durch die Trockenheit verursachten Ertragsausfälle zu kompensieren, stelle die Landwirte vor eine enorme Herausforderung, bestätigt Marc Brodbeck, Präsident des Bauernverbandes beider Basel und Vorstandsmitglied der Mutterorganisation. Er habe Kontakt aufgenommen mit ausländischen Produzenten, die im grossen Stil entlang dem Rhein Mais anbauen und dank der Bewässerung mit guten Erträgen rechnen. Allerdings könne dieser Silomais nicht in die Schweiz importiert werden. Dafür müsste der Bund zuerst die geltenden Regelungen lockern. «Der Schweizerische Bauernverband hat dieser Tage ein entsprechendes Gesuch eingereicht und zudem die Herabsetzung der Importzölle auf Heu, Luzerne und Stroh beantragt. Über die Forderungen entscheidet der Bund — je nach Massnahme das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) oder der Bundesrat», sagt Brodbeck. Allerdings werde die Ware langsam aber sicher rationiert, da die Trockenheit auch die umliegenden Länder betrifft. Beim Silomais sieht Brodbeck die Möglichkeiten beim Import in gepressten Ballen — sofern der Bund die Regeln lockere. In der Schweiz sei es verboten, Mais im Folgejahr auf der selbe Fläche anzubauen, in Frankreich nicht. Die Fruchtfolge spiele eine grosse Rolle bei der Bekämpfung des Schädlings Maiswurzelbohrer, führt Brodbeck aus. Der Käfer legt seine Eier im Sommer in Maisfelder ab. Im folgenden Frühjahr schlüpfen die Larven und fressen an den Wurzeln der jungen Maispflanzen.






