Engagiert für die Gemeinschaft
Während 26 Jahren war Cécile Jenzer Gemeinderätin in Brislach. Bei der Gründung des Zweckverbandes «Versorgungsregion für das Alter Laufental» war sie treibende Kraft und amtierte dort als Präsidentin. Ende Juni hat sie beide Ämter abgegeben.

Manchmal entsteht der Eindruck, dass sich immer die gleichen Menschen mit grossem Engagement für die Allgemeinheit einsetzen, während andere vor allem grosse Töne schwingen. Eine, die sich immer wieder aus sozialem Verständnis für die Gemeinschaft eingesetzt hat, ist Cécile Jenzer. Während 22 Jahren, bis 2018, leitete sie den Ferienpass, während 26 Jahren prägte sie als Gemeinderätin die Gemeindepolitik in Brislach. Seit 2021 stand sie zudem dem Zweckverband «Versorgungsregion für das Alter Laufental» als Präsidentin vor. Ende Juni hat sie nun das Amt als Gemeinderätin und als Präsidentin abgegeben. «Wer ein öffentliches Amt ausübt, braucht einen breiten Rücken», sagt Jenzer. «Die Arbeit hat mir aber viel Freude bereitet und ich habe enorm viel gelernt. Diese Zeit möchte ich nicht missen. Der Austausch mit Menschen, anderen Gemeinden und dem Kanton war sehr wertvoll.» Im vergangenen Jahr habe sie jedoch gemerkt, dass der richtige Zeitpunkt für den Rücktritt gekommen sei. «Ich war überlastet, konnte nicht mehr abschalten und schlief schlecht. Sowohl im Gemeinderat in meinem Ressort «Alter, Gesundheit, Soziales» als auch im Zweckverband ging es immer um Menschen und ihre persönlichen Schicksale. Das hat an meinen Kräften gezehrt. Deshalb fasste ich vor einem halben Jahr den Entschluss, zu demissionieren.»
Pionierarbeit für die Altersversorgung
Besonders frustriert habe sie, dass es in der Alterspolitik nur langsam vorwärtsgehe. Mit dem Altersbetreuungs- und Pflegegesetz, das am 1. Januar 2018 im Kanton Basel-Landschaft in Kraft trat, wurden die Gemeinden verpflichtet, sich zu Versorgungsregionen zusammenzuschliessen. Ziel ist eine bedarfsgerechte und qualitativ gute Betreuung und Pflege älterer Menschen. Jenzer war als Vertreterin des Vorstands des Verbands Basellandschaftlicher Gemeinden in den Gesetzgebungsprozess eingebunden. Mit ihrem Fachwissen trieb sie den Aufbau der Versorgungsregion im Laufental entscheidend voran. Die Laufentaler Gemeinden – mit Ausnahme von Burg und Duggingen – gründeten die erste Versorgungsregion des Kantons. Jenzer übernahm deren Präsidium. Ebenso entstand mit der IBBS in Laufen die erste Beratungsstelle für das Alter im Kanton. «Dringend benötigt wird das betreute Wohnen. Damit könnten Gemeinden Kosten sparen und der Eintritt in ein Pflegeheim würde oft später nötig. Dafür brauche es jedoch eine Gesetzesrevision. Heute müsse jene Gemeinde die Kosten tragen, welche das Angebot bereitstelle. Künftig sollte – wie bei den Pflegeheimen – die frühere Wohngemeinde dafür aufkommen.
Im Laufental gibt es bislang kein Angebot für betreutes Wohnen. In Laufen liegt ein entsprechendes Projekt seit fünf Jahren in der Schublade. «Dort bewegt sich inzwischen etwas. Auch in Zwingen laufen Verhandlungen», erzählt Jenzer.
Das Milizsystem stösst an Grenzen
Für Jenzer ist das langsame Tempo zermürbend. «Oft ist es ein Treten an Ort.» Als Hauptgrund nennt sie das Milizsystem. Altersfragen seien fachlich anspruchsvoll und die gesetzlichen Vorgaben änderten sich laufend. Fast alle halben Jahre gebe es Anpassungen bei Gesetzen oder Tarifen. Für Gemeindebehörden sei es schwierig, dabei den Überblick zu behalten.
Der Handlungsbedarf sei jedoch gross. Der Kanton rechnet bis 2055 mit einer Zunahme der über 80-jährigen Bevölkerung um 151 Prozent. Auch im Sozialbereich sieht Jenzer grosse Herausforderungen. Corona und die künstliche Intelligenz hätten einen gesellschaftlichen Wandel ausgelöst. Beschwerden und Einsprachen hätten in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen.
Mehr Zeit für Familie und Hobbys
Nach vielen Jahren im Dienst der Öffentlichkeit freut sich Cécile Jenzer darauf, Abstand zu gewinnen. «Das Aufhören tut zwar weh, weil ich lange für vieles gekämpft habe. Aber jetzt ist der richtige Zeitpunkt gekommen.» Künftig möchte sie mehr Zeit mit ihrer Familie verbringen und ihren Hobbys nachgehen. Besonders freut sie sich darauf, mehr Zeit für ihre Enkelkinder zu haben.


