Zufrieden mit der Schachtel

Der Komiker Rolf Schmid schlüpfte im Alts Schlachthuus in Laufen in verschiedenste Rollen und begeisterte mit seinen Sprüchen und Gedanken zum Alltäglichen das Publikum.

Bündner mit Humor: Rolf Schmid lässt die Po–Ente zur Pointe werden.   Foto: Gaby Walther
Bündner mit Humor: Rolf Schmid lässt die Po–Ente zur Pointe werden. Foto: Gaby Walther

Es gibt mehrere Möglichkeiten, sich unterhalten zu lassen. Die einfachste, bequemste und billigste ist jene vor dem Fernseher. Die Zweite: Man rafft sich auf, verlässt das Haus und findet beste Unterhaltung bereits in Laufen. Den Komiker Rolf Schmid konnte man am letzten Wochenende an beiden Orten erleben, nämlich am Samstag im Alte Schlacht-huus sowie am Sonntag auf SRF 1, in der Aufzeichnung des Humorfestivals Arosa. Es war jedoch nicht zweimal das gleiche Erlebnis. Zu Hause blieben die Gesichtszüge der Schreibenden starr, in Laufen taten ihr nach der zweistündigen Vorstellung die Gesichtsmuskeln vor Lachen weh. Mittendrin, angesteckt von der heiteren Stimmung der übrigen Zuschauer war es ein Vergnügen, den Komiker live zu erleben.

Ein paar alte Kartonschachteln, ein Stuhl, Mützen und Jackett – viel mehr brauchte der Bündner für sein neustes Programm «Absolut Rolf» nicht. Locker und natürlich stand der ehemalige Bäckermeister auf der Bühne und erzählte Geschichten aus dem Alltag. Da war der Tagesausflug, der, weil es günstiger war, in der stockdunklen Nacht stattfand. Oder die grosse Freude über die soeben eingetroffene Schachtel mit dem Flachbildschirm-Fernseher. Die Freude war schnell getrübt, weil der Prospekt im Briefkasten bereits ein besseres, tolleres und billigeres Modell anbot. Doch schliesslich gab sich Schmid mit der alten Schachtel zufrieden.

Der 53-Jährige liebt es, mit der Sprache zu spielen, sei es als vermeintlich sprachgewandter Tourist im Tessin, in seinen philosophischen Gedanken über jene, die nichts zu sagen haben und doch immer etwas sagen, oder beim Beobachten des Paarungsverhaltens der Menschen beziehungsweise der Steinböcke, die sich schliesslich wie im Werbespot für den Kanton Graubünden aufführten. Der Komiker regte sich über die Vegetarier auf, bis ihm schliesslich nach mehreren Gedankengängen die Erkenntnis kam, dass ja eine Kuh auch nur Gras frisst und eigentlich nichts anderes als ein Brot mit Glocke sei. «Eigentlich git es ja gar kei Fleisch, alles isch Gras – doch solang es nach Fleisch schmeckt, isch mir das wurscht», sinnierte Schmid in sympathischem Bündnerdialekt.

In Schmids Programm hat es immer wieder Platz für Skurriles und Nonsens. So erscheinen sprechende Weihnachtsbäume und Hirsche oder er verkleidet sich in einen Clown mit zum Hahnkamm umfunktioniertem Plastikhandschuh. Politisch möchte der Kabarettist sich nicht äussern, kann es aber dann doch nicht lassen, sich zu wundern, dass laut Statistik in der Schweiz zehn Prozent Deutsche, leben, die SVP bei dieser Rechnung jeden Zweiten als Deutschen deklariert. Rolf Schmids Nummern sind witzig, alltäglich, oberflächlich, manchmal auch tiefschürfend – und so hat es für jeden eine Po–Ente, die zur Pointe wird.

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